04.12.2007 · Die Pin-Gruppe kündigt Massenentlassungen an und prompt geht die Postaktie auf Höhenflug. Das zeigt, wie hervorragend die Selbstbedienung der großen Koalition funktioniert. Aktionäre und Gewerkschaft jubeln. Die Beschäftigten der Post-Konkurrenz leiden.
Von Helmut BünderSelten sind Gewinner und Verlierer einer politischen Entscheidung so eindeutig auszumachen wie beim Postmindestlohn. Am Vormittag meldet die Deutsche Post, dass ihr Vorstandsvorsitzender Klaus Zumwinkel im großen Stil Aktien verkauft und daraus einen Millionenprofit eingestrichen hat.
Nur Stunden später kündigt der Konkurrent Pin Massenentlassungen an, weil er die auf Druck der Post und der Gewerkschaft Verdi vereinbarten Mindestlöhne nicht zahlen kann. An der Börse hat man schnell erkannt, dass das staatlich verordnete Lohndiktat den Verlust des Briefmonopols mehr als ausgleicht.
Postaktie spricht Bände
Der Höhenflug der Postaktie spricht Bände und zeigt eindrucksvoll, wie hervorragend die Selbstbedienung am Tisch der großen Koalition funktioniert. Die Aktionäre jubeln, die Gewerkschaft ebenfalls, weil die Postangestellten der kommenden Tarifrunde hoffnungsvoll entgegensehen können.
Schon machen Lohnforderungen von fünf Prozent die Runde. Den Preis zahlen die Beschäftigten der Konkurrenz, die bisher zwar nicht üppig verdienten, aber immerhin einen Arbeitsplatz hatten. Jetzt müssen sich viele von ihnen wieder in die Schlange vor den Schaltern der Arbeitsagenturen einreihen.