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Millionendefizit : Krankenkassen erstmals seit 2008 wieder im Minus

  • Aktualisiert am

Die 134 Krankenkassen in Deutschland sitzen zusammen auf Rücklagen von mehr als 16 Milliarden Euro Bild: dpa

Die gesetzliche Krankenversicherung hat nach Informationen der F.A.Z. zum Jahresbeginn einen dreistelligen Millionenverlust erwirtschaftet. Die Ausgaben für Arztbesuche, Medikamente und Klinikbehandlungen steigen.

          Die gesetzlichen Krankenkassen sind im ersten Quartal erstmals seit 2008 wieder in die Verlustzone gerutscht. Nach Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung dürfte von Januar bis März ein Defizit im dreistelligen Millionenbereich aufgelaufen sein. Allerdings ändert das kurzfristig nichts an der guten Finanzausstattung des gesamten Systems. Die 134 Krankenkassen sitzen zusammen auf Rücklagen von mehr als 16 Milliarden Euro, der Gesundheitsfonds hat mehr als 13 Milliarden Euro auf der hohen Kante.

          Schon im vergangenen Jahr waren die Überschüsse der Kassen zurückgegangen - trotz weiter steigender Beschäftigung und höherer Tarifgehälter, die sich in wachsenden Beitragseinnahmen des Fonds niederschlagen. Doch hatte im Gegenzug nicht nur die Regierung ihre zugesagten Zuschüsse in Milliardenhöhe gestrichen. Auch die Ausgaben für Arztbesuche, Medikamente und Krankenhausbehandlungen - die größten Ausgabenposten - stiegen weiter an. Das gilt auch für die ersten drei Monate 2014, in denen das System erstmals seit sechs Jahren wieder mehr ausgegeben als eingenommen hat. Allein bei den Ersatzkassen überstieg der Zuwachs der Ausgaben mit gut 5 Prozent den der Einnahmen von immerhin noch 3 Prozent.

          Positiv schließen nach drei Monaten die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) ab. Mit 149 Millionen Euro liegt ihr Überschuss weit unter dem des Vorjahresquartals. Damals war er mit 449 Millionen dreimal so hoch. Demgegenüber verbuchen die Ersatzkassen - sie versichern die meisten Bürger - ein Minus von 317 Millionen Euro; vor Jahresfrist betrug ihr Überschuss noch 134 Millionen Euro.

          Verschiebungen im Finanzausgleich

          Auch bei den Innungskrankenkassen ist ein Defizit in zweistelliger Millionenhöhe aufgelaufen. Es ist kaum zu erwarten, dass sich die Betriebskrankenkassen diesem Trend entziehen können, Zahlen lagen hier am Donnerstag noch nicht vor. AOK, Ersatzkassen und IKK decken rund vier Fünftel des Marktes ab. Sie dürften zusammengerechnet auf einen Fehlbetrag von rund 200 Millionen Euro kommen. Zuletzt war das System 2008 mit einem Defizit ins Jahr gestartet. Damals betrug es 700 Millionen Euro. Seither waren Überschüsse von mehr als einer Milliarde Euro erzielt worden, 2013 waren es noch 850 Millionen Euro.

          Bei manchen, auch großen Kassen sehen die aktuellen Zahlen indes schlechter aus, als sie in Wahrheit sind. Denn bei einigen Ersatz- und Betriebskassen sind darin anteilige Prämienausschüttungen an ihre Mitglieder enthalten, die planmäßig aus den Reserven gedeckt werden. Verschiebungen im Finanzausgleich der Krankenkassen führen zudem bei einigen (vor allem Ersatz- und Betriebs-)Krankenkassen zu niedrigeren Einnahmen, bei andern, wie den AOK, zu höheren Einnahmen. Allein das Ergebnis von den Ersatzkassen sei durch Prämienzahlungen und Finanzausgleich um zusammen 270 Millionen Euro belastet worden.

          Der Verband der Ersatzkassen geht davon aus, dass die gesetzliche Krankenversicherung dieses Jahr mit einem leichten Minus abschließen wird. Die Debatte um steigende Zusatzbeiträge dürfte sich damit schnell wieder beleben.

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