23.08.2007 · Das Wirtschaftswachstum seit 1945 hat riesige Werte geschaffen.
Von Gerald BraunbergerDie Finanzmärkte erschrecken nicht selten durch ihre für Außenstehende schier unglaublichen Zahlen. So beträgt der Umsatz im Devisenhandel etwa 2000 Milliarden Dollar am Tag – und bestenfalls 3 Prozent der Umsätze liegen Gütergeschäfte zugrunde wie der Export von Autos. Daraus leitet sich eine Kritik ab, die Finanzmärkte führten ein Eigenleben, das im Extremfall dem Rest der Wirtschaft sogar Schaden zufügen könne.
Der wichtigste Grund für die Entstehung mächtiger Finanzmärkte entstammt aber gerade der realen Wirtschaft: Sechs Jahrzehnte Frieden und Wirtschaftswachstum ohne politische Brüche haben in der westlichen Welt im historischen Vergleich unfassbar gewaltige Werte entstehen lassen – in Form von Fabriken, Immobilien, Infrastruktur und einer gewaltigen Gütervielfalt, aber auch in Form immaterieller Werte wie Patente. Ohne viel Geld können solche Volkswirtschaften überhaupt nicht funktionieren.
Reichtum der realen Wirtschaft
An den Finanzmärkten werden diese im Laufe von Jahrzehnten akkumulierten Werte gehandelt, sei es in Form von Aktien, Anleihen, Krediten oder anderen Instrumenten. Auf den ersten Blick wirkt es beeindruckend, dass sich der Wert aller Aktien des amerikanischen Ölkonzerns Exxon auf 465 Milliarden Dollar beläuft – aber das Unternehmen hat alleine im letzten Jahr 40 Milliarden Dollar verdient! Viele „große“ Zahlen an den Finanzmärkten spiegeln lediglich den Reichtum der realen Wirtschaft wider.
Der zweite Umsatztreiber an den Finanzmärkten ist die moderne Informationstechnologie (IT). Sie hat zu einer gewaltigen Beschleunigung von Finanzgeschäften beigetragen. Anstatt sich mittags zwei Stunden auf einem Börsenparkett zu treffen, können Aktienhändler heute rund um die Uhr mit dem Computer in ihrem Büro Geschäfte tätigen, und das rund um den Globus.
Finanzmärkte und die reale Wirtschaft
Moderne IT hat auch zur Entwicklung neuer, zum Teil komplizierter Finanzprodukte beigetragen. Dadurch hat vor allem der Terminhandel, das heißt der Handel mit der Zukunft, zugenommen. Viele Finanzgeschäfte werden zwar heute vereinbart, aber erst zu einem vorab festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft realisiert. Zum dritten hat die moderne IT die Möglichkeit geschaffen, ohne Zeitverlust über verschiedene Zeitzonen hinweg zu handeln. Und selbstverständlich erlaubt sie auch mehr Spekulationsgeschäfte.
Die These, Finanzmärkte führten ein Leben abseits der realen Wirtschaft, steht auf wackeligen Füßen. Sicherlich übertreiben Finanzmärkte gelegentlich, aber noch immer sollte ein Anleger mit der Aktie eines erfolgreichen Unternehmens besser fahren als mit der Aktie eines Pleitekandidaten.
Geldschwemme
Armin Ortwein (sozialist1)
- 24.08.2007, 14:12 Uhr
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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