29.07.2008 · Horst Seehofer fordert seit längerem auskömmliche Milchpreise für die Bauern von mindestens 40 Cent je Liter. Doch der Markt gibt dies momentan nicht her. Das Milchtreffen soll den Bauern suggerieren, Politik könne Marktkräfte korrigieren. Das weckt planwirtschaftliche Illusionen.
Von Konrad MrusekIn der Not werden Politiker kreativ. Als "Milchgipfel" bezeichnet der christsoziale Agrarminister Horst Seehofer das jüngste Treffen mit Bauernverbänden, Molkereien, Einzelhandel und seinen Ministerkollegen aus den Ländern. Das Wort und der Ort des Treffens in der bayerischen Landesvertretung zeigen, wo den Minister der Schuh drückt: Er muss vor der Wahl in Bayern die aufmüpfigen Milchbauern im Alpenvorland besänftigen, damit diese nicht die CSU für die niedrigen Preise haftbar machen.
Seehofer fordert seit längerem auskömmliche Preise für die Bauern von mindestens 40 Cent je Liter, doch der Markt gibt dies momentan nicht her. Die Kühe liefern mehr Milch, als die deutschen Konsumenten gerade in der Ferienzeit brauchen. Und die Milchexporteure kümmern sich nicht um deutsche Ministerworte.
Das Milchtreffen ist ein Placebo, das den Bauern suggerieren soll, Politik könne Marktkräfte korrigieren. Seehofer weckt planwirtschaftliche Illusionen. Er müsste es besser wissen, kommt er doch aus Genf, wo die Doha-Runde den Agrarhandel zu liberalisieren versucht. In dieser Liberalisierung stecken neue Marktchancen für Deutschlands Bauern, nicht in bombastischen "Milchgipfeln".
Sollen Kinderlose einen „Solidarzuschlag" zahlen?
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