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Microsoft will Yahoo übernehmen Lob des Monopols

02.02.2008 ·  Google hat eine Art Monopol auf die Internetsuche. Ist das schlimm? Nein. Denn wo ein Monopol ist, da ist bald auch ein Wettbewerber. Ironischerweise heißt der in unserem Fall Microsoft.

Von Rainer Hank
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Damals, vor langen Urzeiten, als wir alle das Internet entdeckt haben (also vor knapp zehn Jahren), haben wir auch das Wort Suchmaschine gelernt. Denn irgendwie musste einem ja geholfen werden, die ganze virtuelle Welt zu ordnen. Die Suchmaschinen trugen merkwürdige Namen. Sie hießen Altavista, Fireball oder Metager. Und im Freundeskreis war ein beliebtes Gesprächsthema, welche Maschine man denn gerade nutzt. Bald hatten wir uns alle auf Yahoo geeinigt. Und Yahoo wurde der Held der Internetrecherche.

Das hatte schon damals beim Platzhirsch Microsoft ziemlich viel Nervosität ausgelöst. Und die Software-Entwickler von Bill Gates wurden damit betraut, eine eigene Suchmaschine zu kreieren. Irgendwie ist daraus aber wohl doch nichts geworden (jedenfalls haben wir nichts davon gehört). Wenig später jedoch schwärmte eine Bekannte davon, wir sollten es einmal mit Google versuchen. Warum wir gewechselt sind, können wir heute nicht mehr so genau sagen. Aber plötzlich waren alle bei Google (natürlich auch die Werbewirtschaft), und Google wurde zum Synonym für „Suchmaschine“: Eine der faszinierendsten Gründergeschichten des Internetzeitalters. Wer es nicht glaubt, braucht sich nur die Entwicklung des Aktienkurses seit Börsengang anschauen. (Der war übrigens – gerade gegoogelt – im Jahr 2004.)

Der Monopolkapitalismus straft seine Feinde

Heute hat Google eine Art Monopol auf die Internetsuche. Netzwerkeffekt, heißt das: Wo schon alle sind, zieht es auch alle anderen hin. Google hat die meisten Einträge, die meisten Clicks, die meisten Reklameeinnahmen. Und die meisten Feinde, die fürchten, hier werde die Welt systematisch manipuliert und die Daten der Nutzer verächtlicherweise an die Werber weitergegeben.

Doch seit vergangenem Freitag straft der Monopolkapitalismus seine Feinde wieder einmal Lügen. Die Wahrheit ist nämlich: Wo ein Monopol ist, da ist bald auch ein Wettbewerber. Ironischerweise heißt dieser in unserem Fall Microsoft. Das ist nämlich auch so ein Kandidat, der zum wiederholten Mal nicht nur von den Antikapitalisten, sondern auch von den Kartellwächtern diesseits und jenseits des Atlantiks ungebührlicher Marktmacht für schuldig erklärt wurde. Microsoft selbst scheint sich so souverän nicht zu fühlen, wenn es für Yahoo 44 Milliarden Dollar auszugeben bereit ist, um sich der Bedrohung durch Google zu erwehren. Wer ist hier eigentlich der Monopolist?

„Contestable Markets“ heißt die zugehörige Theorie

Der Fall ist dazu angetan, beim Personal der Kartellbehörden die Angst vor Frühpensionierung auszulösen. In der Welt des Internet, in welcher der technische Fortschritt so schnell wie noch nie vonstattengeht, kann ein Monopolist den Wettbewerb eher anspornen als unterbinden. Solange es für den Markteintritt keine Eisenbahnschienen braucht, sondern bloß ein paar 25-jährige Freaks mit guten Ideen oder einen gekränkten Altmonopolisten, muss man sich um den Wettbewerb und das Heil der Verbraucher keine Sorgen machen. „Contestable Markets“ heißt die zugehörige Theorie, die das immer schon vermutet hat: Je größer der Marktanteil des Siegers, umso wilder werden die Wettbewerber.

So gesehen könnten die Ängste vor Google unbegründet sein. Auch wenn die meisten Beobachter die Erfolgsaussichten des Angriffs von Microhoo nicht besonders hoch einschätzen. Doch womöglich gärt im Kopf eines unbekannten Interneterfinders irgendwo kurz hinter Palo Alto schon ein neue Angriffsidee.

Nachtrag für die Dogmatiker: Solange es staatliche und natürliche private Monopole (Bahn, Post, Strom, Gas et cetera) gibt, sind ein paar Wettbewerbshüter mit Enteignungsrecht immer noch ganz nützlich.

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Jahrgang 1953, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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