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Microsoft will Yahoo kaufen Google bringt Steve Ballmer zur Weißglut

02.02.2008 ·  Mit Yahoo gegen Google? Steve Ballmer ist für sein hitziges Temperament bekannt. Jetzt holt der Vorstandsvorsitzende von Microsoft zum größten Schlag seiner Karriere aus.

Von Roland Lindner
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Steve Ballmer ist für sein hitziges Temperament bekannt. Und es gibt wenig, was den Vorstandsvorsitzenden des weltgrößten Softarekonzerns Microsoft so sehr in Rage bringt wie der Internetkonzern Google. Schließlich muss sich Microsoft seit Jahren von Google im Internetgeschäft vorführen lassen. Von Ballmer ist die Episode überliefert, einmal einen Stuhl quer durch den Raum geworfen zu haben, als ihm ein Mitarbeiter gestand, zu Google wechseln zu wollen. "I'm going to fucking kill Google", soll ein rasender Steve Ballmer damals gebrüllt haben. (Ballmer selbst hat diese Schilderung des Vorfalls als "grob übertrieben" bezeichnet, aber im Kern nicht bestritten.)

Was der 51 Jahre alte Ballmer für ein Bulldozer ist, hat er jetzt so deutlich unterstrichen wie noch nie: Microsoft holt zu einem gigantischen Schlag aus und bietet fast 45 Milliarden Dollar für den schwächelnden Wettbewerber Yahoo. Das ist nicht nur aus dem Grund bemerkenswert, weil es mit weitem Abstand die größte Akquisition in der mehr als dreißigjährigen Geschichte von Microsoft wäre. Es ist vor allem deswegen spektakulär, weil die Annäherung an Yahoo feindlich ist.

Feindliches, gewagtes Übernahmeangebot

Ein feindliches Übernahmeangebot, das ist gerade für ein Unternehmen wie Microsoft eine äußerst gewagte Aktion. Denn prompt sind die alten Feindbilder über Microsoft wieder da: Der Inbegriff des bösen Kapitalisten, der Monopolist, der seine Wettbewerber gnadenlos an die Wand drückt. Microsoft gerät seit vielen Jahren wegen seiner Geschäftspraktiken immer wieder mit den Wettbewerbsbehörden aneinander. Zwischenzeitlich drohte dem Unternehmen sogar einmal die Zerschlagung. In den vergangenen Jahren hat Microsoft es geschafft, in der öffentlichen Meinung ein etwas sanfteres Image zu bekommen: Dafür sorgte nicht zuletzt Mitgründer und Verwaltungsratsvorsitzender (Chairman) Bill Gates mit den wohltätigen Aktivitäten seiner Stiftung. Auch kann Microsoft gerade im Internet die etwas sympathischere Rolles des "Underdog" oder Außenseiters gegen den dominierenden Wettbewerber Google einnehmen. Mit diesem freundlicheren Bild ist es nach dem Vorstoß vom Freitag freilich vorbei.

Steve Ballmer sieht auch keinerlei Anlass, den feindlichen Charakter seines Angebots schönzureden. In einem Brief an den Verwaltungsrat von Yahoo versucht er gar nicht erst, mit Höflichkeiten daherzukommen oder seinem potentiellen Opfer gar zu schmeicheln. Er weist darauf hin, dass Yahoo im Wettbewerb seit einem Jahr keine Fortschritte gemacht hat. Und er droht damit, "alle notwendigen Schritte" zu ergreifen, wenn Yahoo nicht wie gewünscht auf das Angebot von Microsoft reagiert.

Für überschäumendes Temperament bekannt

Steve Ballmer war schon immer für sein überschäumendes Temperament bekannt. Das zeigen eindrucksvoll seine berühmt gewordenen Auftritte, die zu den Klassikern unter den Internetvideos gehören und unter Überschriften wie "Steve Ballmer going crazy" zu finden sind: Bilder eines brüllenden und wild über die Bühne tanzenden Ballmer, der sein aus Mitarbeitern oder Geschäftspartnern bestehendes Publikum anpeitscht. Der derwischgleiche Tanz endet mit dem Schrei "I love this Company".

Ballmer führt Microsoft mit einer Leidenschaft, die an Besessenheit grenzt. Er gilt seit jeher als das krasse Gegenteil des ruhigeren und eher verkopften Bill Gates. Und doch werden die beiden als symbiotisches Gespann wahrgenommen. Gates denkt über die große strategische Marschrichtung nach, während Ballmer das operative Geschäft steuert. Das ist im Groben die Aufteilung der Arbeit, seit Ballmer im Jahr 1980 zu Microsoft kam. Im Jahr 2000 rückte Ballmer auch offiziell und formal zum operativen Lenker auf, als er das Amt des Vorstandsvorsitzenden von Gates übernahm. Der Gründer beschränkte sich seither auf den Chairman-Posten.

In Kürze wird es zu einem weiteren Einschnitt kommen: Gates will sich im Juli aus dem Tagesgeschäft bei Microsoft zurückziehen und auf seine Stiftung konzentrieren. Ballmer wird auch danach Vorstandsvorsitzender bleiben. Aber die Tage des langjährigen Microsoft-Gespanns Gates und Ballmer werden dann gezählt sein.

Quelle: F.A.Z., 02.02.2008, Nr. 28 / Seite 15
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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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