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Michael Frege Hedgefonds bedrängen den Insolvenzverwalter von Lehman

 ·  Die Insolvenzmasse der deutschen Tochtergesellschaft von Lehman Brothers erreicht nach F.A.Z.-Informationen mehr als 15 Milliarden Euro. Die Gläubiger werden mindestens 80 Prozent ihrer Forderungen zurückerhalten. Einige Hedgefonds wollen mehr. Und machen Druck.

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© Fricke, Helmut Vergrößern Michael Frege ist der Insolvenzverwalter der Lehman Brothers Bankhaus AG und außerdem der Bruder von Tote-Hosen-Frontmann Campino.

Die Insolvenz der deutschen Tochtergesellschaft der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers sprengt Dimensionen: Die Insolvenzmasse erreicht nach Informationen der F.A.Z. mehr als 15 Milliarden Euro. Die Gläubiger werden mindestens 80 Prozent ihrer Forderungen zurückerhalten. Hedgefonds allerdings, die nach der Insolvenz für wenig Geld Forderungen von Lehman-Gläubigern gekauft haben, wollen eine höhere Rendite für sich herausholen. Deshalb setzen sie den Insolvenzverwalter Michael Frege mit bedrohlichen Andeutungen zur Höhe seines Honorars unter Druck. Ihr Hebel: Für die Insolvenzverwaltung werden Honorare in hoher dreistelliger Millionenhöhe fließen. Wenn das in der Öffentlichkeit schlecht ankommt, hat Frege ein Problem.

Frege beteuert in mehreren Gesprächen mit der F.A.Z., deren Ergebnisse in der Ausgabe vom 22. November ausführlich dokumentiert sind, dass es ihm allein um sein Selbstverständnis als Insolvenzverwalter geht, um das Grundprinzip des deutschen Insolvenzrechts, dass alle Gläubiger gleich zu behandeln sind. Diese Gleichbehandlung aber sei für die Hedgefonds ein Fremdwort. Für Frege ist das auch deshalb ärgerlich, weil das komplexe Verfahren so erfreulich verläuft: Von der Insolvenzmasse werden allein 5,6 Milliarden Euro zurück an die Deutsche Bundesbank fließen. Zwischen 9 und 10 Milliarden Euro stehen zur Verteilung an die übrigen Gläubiger zur Verfügung; einer der größten unter ihnen ist der deutsche Einlagensicherungsfonds. Das ist viel mehr als jemals erwartet wurde. Zu Beginn des Verfahrens, so erinnert sich Frege, gab es gerade einmal ein paar 100 Millionen flüssige Mittel auf den deutschen Lehman-Konten. Die Geschichte, wie danach die Milliarden zusammengekommen sind, liest sich wie ein Krimi.

Hohe Vorleistung der Anwaltskanzlei

Dem Ertrag stehen allerdings auch Kosten gegenüber, welche die hinter Frege stehende Kanzlei CMS Hasche Sigle zu einem großen Teil vorgestreckt hat. Die vom Gericht bisher genehmigten knapp 70 Millionen Euro Vorschuss deckten nicht einmal die Hälfte der Kosten ab, die CMS in den vergangenen vier Jahren vorgeschossen habe, rechnet Hubertus Kolster vor, der Managing Partner von CMS. Mit mehr als 200 Millionen Euro sei Deutschlands größte Kanzlei schon in Vorleistung gegangen. Deswegen stehen in diesen Tagen Gespräche mit dem Insolvenzgericht über die Anpassung des Vorschusses an.

Auch die Frage der Gesamtentlohnung, die schließlich bezahlt werden wird, hat Brisanz: Ein Gutachten kommt gar zum Ergebnis, dass der Kanzlei am Schluss die Summe von bis zu 800 Millionen Euro zustehen könnte. Entscheiden wird darüber aber ebenfalls allein das Gericht - und je schneller man das Verfahren zu Ende bringen könne, desto geringer würden auch die Kosten, versichert Frege. Auf der Gläubigerversammlung am 29. November will er vorschlagen, einen Insolvenzplan aufzustellen, um das Verfahren in zwei bis drei Jahren abzuschließen. Das wäre extrem schnell. Wenn das nicht gelinge, seien die Gerichte wohl noch fünf bis zehn Jahre mit der Insolvenz von Lehman in Deutschland beschäftigt.

Hinter den Kulissen rackern Dutzende Leute

Im Zentrum des deutschen Insolvenzrechts steht noch immer der Verwalter - so als wäre die Sanierung oder Liquidierung von Unternehmen eine One-Man-Show. Das zuständige Amtsgericht bestellt ihn persönlich, er haftet mit seinem Privatvermögen, wenn er vorsätzlich oder grob fahrlässig Fehler begeht.

Doch hinter den Kulissen rackern bei Großinsolvenzen Dutzende Leute gemeinsam, in diesem Fall CMS Hasche Sigle. Mehr als 600 Rechtsanwälte, Steuerberater und Notare beschäftigt der Kanzleiverbund in Deutschland derzeit. Nach Angaben des Branchenmagazins Juve generierte CMS im vergangenen Geschäftsjahr rund 226 Millionen Euro.

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