Viele Zeitarbeiter in der Metall- und Elektroindustrie werden künftig mehr verdienen. In der Nacht zum Dienstag einigten sich die beiden Arbeitgeberverbände BAP und IGZ sowie die Gewerkschaft IG Metall auf einen Tarifvertrag, der gestaffelte Lohnzuschläge für alle Unternehmen der Branche vorsieht. Damit soll die Lohnlücke zwischen Leiharbeitern und den Stammbelegschaften verkleinert werden. Der Tarifvertrag beginnt im November dieses Jahres und läuft bis zum Jahr 2017.
Die Höhe der Zuschläge richtet sich nach der Einsatzdauer des Zeitarbeiters. Die erste von fünf Stufen greift nach sechs Wochen. Anschließend erhält der Zeitarbeiter auf seinen Tariflohn einen Aufschlag von 15 Prozent. Die letzte Stufe ist nach neun Monaten mit einem Aufschlag von 50 Prozent erreicht. Am konkreten Beispiel bedeutet dies, dass ein un- oder angelernter Zeitarbeiter in der westdeutschen Metallindustrie nach einem dreiviertel Jahr auf seinen Grundlohn von 8,19 Euro in der Stunde noch rund 4,10 Euro dazu bekommt. Laut IG Metall kommt somit ein Plus von 621 Euro im Monat zusammen.
„Ein wichtiger Schritt hin zur fairen Bezahlung“
„Das Ergebnis ist ein wichtiger Schritt hin zur fairen Bezahlung von Leiharbeitnehmern“, sagte Helga Schwitzer, Verhandlungsführerin und Vorstandsmitglied der IG Metall. Es sei zudem gelungen, die Zuschlagsregelung auch für nicht tarifgebundene Unternehmen verpflichtend zu gestalten.
IGZ-Vertreter Holger Piening sprach von einem Erfolg für die Tarifautonomie, der allerdings teuer erkauft sei. BAP-Verhandlungsführer Thomas Bäumer sagte voraus, dass der „Jobmotor Zeitarbeit“ nun deutlich langsamer laufen werde und vor allem die Chancen von Geringqualifizierten am Arbeitsmarkt sänken. Insgesamt werde Zeitarbeit wesentlich teurer.
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) lobte den Abschluss und forderte, ihn auf andere Branchen zu übertragen. Ihre Drohung, die Gleichbezahlung von Stamm- und Leihkräften notfalls per Gesetz zu regeln, nahm sie am Dienstag nicht zurück. Man werde die Umsetzung „aufmerksam begleiten“ und weiteren Handlungsbedarf prüfen.
Während die Chemiebranche schon im vergangenen Jahr ein eigenes Zuschlagsmodell verhandelte hat, das schon in der kommenden Woche unterzeichnet werden könnte, ist eine Lösung für die Dienstleistungsbranchen in weiter Ferne. „Ein Scheinriese“, kommentierte ein Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi den Metallabschluss. Die meisten Leiharbeiter seien weniger als drei Monate beschäftigt. „Die schauen bei diesem Zuschlagsmodell in die Röhre.“ Verdi fordere weiterhin eine gesetzliche Lösung, welche die Gleichbezahlung vom ersten Einsatztag an vorsieht.