29.08.2012 · Angela Merkel reist mit einem Teil ihres Kabinetts nach China. Regierungschef Wen Jiabao lädt die Kanzlerin sogar in seine Geburtsstadt Tianjin ein. Das ist höflich, aber sie sollte sich von der Charmeoffensive nicht einwickeln lassen. Eine Analyse.
Von Christian Geinitz, PekingRichtlinien für Lesermeinungen
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Ich musste auch erst mal auf die Karte gucken, aber es handelt sich um
Tianjin (Tsientsin) in der Nähe von Peking, nicht um das ehemalige
deutsche Pachtgebiet Tsingtau (Qingdao), wo noch heute deutsches Bier
gebraut wird (Tsingtau Breweries).
.
Sicher war es ein Fehler, dass Deutschland während des chinesischen
Boxer-Aufstands 1900 für England, welches zur gleichen Zeit vollauf
mit einem Eroberungskrieg gegen zwei Republiken in Südafrika
beschäftigt war (es ging damals um das südafrikanische Gold),
die Kastanien aus dem Feuer holte. England hat es dann ja entsprechend
gedankt ein paar Jahre später, wie wir wissen.
.
Aber das war eine kurze Episode, auf der anderen Seite hat Deutschland
zu anderen Zeiten China Aufbauhilfe geleistet, z.B. in den 1920er und
1930er Jahren.
trust the Chinese and don't take chinese money!
Ein "fabelhftes" Verhältnis gibt es mit China schon deshalb nicht, weil Merkel in allzu engem Schulterschluss mit USA den Dalai Lama hofiert hat, unter eklatanter Mißachtung deutscher Interessen. Aber natürlich, jemand wacht mit Argusaugen darüber, dass das deutsche Verhältnis mit China nicht zu gut wird, guess who!
China soll doch Europa retten oder?
Wenn China nicht einkauft in Europa, dann verlieren wir Deutschen die Billion, die wir angesichts unseres Wettbewerbvorsprungs ziemlich fahrlässig verliehen haben. Aber so ist das eben, wenn die Regierungen nicht aufpassen und den Inlandskonsum vernachlässigen. Deutschand steckt in der EURO-Falle und Wen Jiabao weiss dies.
China und andere asiatische Staaten handeln nach den seit Hunderten festgelegten Strategemen (siehe Harro von Senger). Da gilt nicht die westliche Ethik, sondern die List. Der listigste siegt und wer darauf hereinfällt, hat Pch gehabt und wird ausgelacht. Beispiel: die in Deutschland entwickelte Bahn. Jetzt hat China die besten Fahrwege. Wenn ein Partner auch so listig ist, erhöht sich sein Ansehen. Das müssen wir studieren und anwenden; Politik und Wirtschaft. Schulungen lohnen sich.
Die Nichteinmischungspolitik und die Verfolgung eigener Interessen..
.. ist kein so schlechtes Prinzip.
Danke für den informativen Artikel!
Jetzt kenne ich die himmelhohe Überlegenheit unseres Landes
gegenüber dem bemitleidenswerten China:
Deutschland: Demokratie – China: Diktatur
Deutschland: Regierung wird von einer Opposition kontrolliert –
China: Einparteiensystem
Deutschland: freie Presse – China: Zensur
Deutschland: unabhängige Rechtsprechung – China:
abhängige Rechtsprechung.
Doch weil der deutsche Riese vor Kraft kaum noch stehen kann, kommt er
in China aus dem Dauer-Kotau erst gar nicht mehr in den aufrechten
Stand: wie kann so etwas passieren?
Warum hat man den Dalai Lama, Papst Benedikt und Martin Walser nicht in
die deutsche Delegation aufgenommen?
erst jahrelang den Oberlehrer spielen und jetzt angekrochen kommen und um Geld betteln. Die Chinesen werden ganz sicher nicht ohne Gegenleistung irgendetwas in Europa unterstützen. Hier zeigen sich zwei verschiedene Welten. Während die Politik in Europa ständig versucht, etwas am Leben zu halten, was nicht lebensfähig ist, investieren in Chinesen zukunftsorientiert mit Weitsicht. Ich schäme mich für Europa und seine verlogene, korrupte und unfähige Politikerkaste.
Das beste was Deutschland machen kann
Berlin sollte am Plan unbedingt festhalten, in Anlehnung an das
britisch-amerikanische Verhältnis eine „special
relationship“ zu Peking aufzubauen.
Ebenso wie zu Russland.
Das beste was Deutschland machen kann.
Das meine ich auch ...
Wichtig ist es ebenso den Ballast (EUR und EU) abzustreifen. Denn viele Schwache ergeben noch keinen Starken, im Gegenteil: Sie schwächen ihn. Entscheidend ist die Schnittmenge der verschiedenen nationalen Interessen, und diese ist innerhalb der EURO-Gruppe nicht allzu hoch. Wir können politisch nicht mehr im Windschatten der USA reisen - und das ist auch gut so.
"die der Freiheit verpflichteten FDP-Minister..."
"anders als in einer Demokratie wird der Staat in einer Diktatur
nicht kontrolliert: weder von einer Opposition noch von einer
unabhängigen Rechtsprechung oder der freien Presse."
Es hätte besser gepasst, wenn ...
die FAZ von einer sehr relativen Freiheit gesprochen hätte, denen sich die FDP-Minister doch zumindest nominell verpflichtet fühlen. Doch bitte erst einmal zuhause und nicht in China. Zum zweiten, liebe FAZ, ist auch die Rechtsprechung in unserem Lande lediglich relativ unabhängig und unsere ach so freie Presse eilt politisch sehr oft im Gehorsam voraus.
Was genau soll Merkel denn der chinesischen Regierung vorwerfen, bitte sehr?
Dass dort Grundentscheidungen der Politik ohne oder gegen die
Bevölkerung getroffen werden?
Dass Menschen wegen falscher Meinungsäußerungen im
Gefängnis sitzen?
Dass 85 % der Medien das propagieren, was von Mächtigen im
Hintergrund gewünscht wird?
Na dann, wird der chinesische Regierungschef sicher nur höflich
lächeln. Denn beide wissen, was Sache ist. In beiden Ländern.
Der Artikel ist sicher nicht in allen Teilen falsch, aber er erscheint
im Tenor doch extrem interessengeleitet zugunsten des Großen
Bruders über dem Teich.
Auch Deutschland hat Interessen und muß sie vertreten, ohne
Rücksicht auf Freundschaftsgeschwurbel, das sich über
Jahrzehnte erstreckte. Wenn der Große Bruder auf deutschem
(bayrischem) Boden Spionage gegen die deutsche Wirtschaft betrieb, blieb
das unter Verschluß. Vermutlich galt das als Freundschaftsbeweis,
weil die Amis damit dem Weltfrieden dienten. Oder irgendwie so....
Ebenso heute, wo man die USA weder als voll demokratisch, noch
friedensstiftend bezeichnen kann. Ständig neue Kriege im Namen der
"Terrorbekämpfung" und der "Demokratisierung,"
bei gleichzeitiger Unterstützung von Diktatoren, solange sie
amerikahörig bleiben, sind keine Empfehlung.
Vielleicht emanzipieren sich die Europäer endlich, wenn auch langsam.
Ethisch normative Außenpolitik
Ich halte nichts von einer Außenpolitik, die sich
ausschließlich an ethisch-normativen Werten orientiert. Wir haben
wirtschaftliche Interessen in Fernost umzusetzen und dabei ist eben
China ein bedeutsamer Handelspartner. Für uns sollten deshalb
unsere nationalen Wirtschaftsinteressen im Vordergrund der Visite von
Frau Merkel stehen.
Ich halte es für falsch, die innenpolitischen Schwäche Chinas
auszunutzen. Das gelingt eh nicht. Bei über 70 Ethnien in China ist
das eh ein unmögliches Unterfangen. Deshalb sollte es bei den
üblichen Ermahnungen bleiben. Mehr nicht.
Zur angeblich mangelnden Meinungsfreiheit und Verfolgung politischer Gegner:
Mir ist nicht bekannt, dass China jemals einen Olympioniken nach Hause
geschickt hat, weil seine Partnerin nicht der Staatsraison entsprach.
....meinen Sie nicht, daß es für unsere Politiker und
natürlich auch für Geschäftsleute durchaus angenehm ist,
mit Partnern zu verhandeln, die energisch und konsequent ihre
Interessenten verfolgen...und uns außerdem auch noch respektieren.
Im Vergleich zu diversen Chefs europäischer Bananenrepubliken oder
zu hyperpotenten Bajuwarenhäuptlingen ist Wen Jia Bao sicherlich
ein sehr angenehmer und höflicher Gesprächspartner.
Schon Gerhardt Schröder ist deswegen oft und gerne nach China
gefahren ;-).
alles in allem eine löbliche darstellung, ohne sonst übliche
verdächtigungen und unterstellungen (Ko), die der FAZ einfach
unwürdig sind.
ich halte auch das gelaber von völkerfreundschaft für leeres
getue. herr Gleinitz weiss doch
auch. wie Chinesen ticken, sachlich, erfolgsorientiert: gibst Du mir,
geb ich Dir. what else!
mir scheint, dass auch unsere politrecken zulernen, kein dalai-lama
ballyhoo. kein menschenrechtsgefasel ,vielleicht die einsicht: andere
länder / andere sitten und denkweisen. bei uns steht DEMOKRATIE
auch nur noch auf dem papier. vertragsbrüche und ausverkauf des
volksvermögens ohne ende.
Wen Jiabao spricht hier Klartext
Von wegen "besondere Höflichkeit" der Einladung nach Tianjin. Letzteres ist nämlich die alte deutsche Kolonialhauptstadt Tientsin, wo einst auf der "Wilhelmstraße" ein Kriegerdenkmal für die im Kampf gegen China gefallenen deutschen Soldaten stand -- eine deutliche Erinnerung an die koloniale Unterdrückung Chinas.
Christian Geinitz Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.
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