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Zukunft des Linde-Chefs : Für Wolfgang Reitzle ist vieles möglich

Linde-Chef Wolfgang Reitzle Bild: dpa

Der Vorstandsvorsitzender von Linde will nach seinem Vertragsende angeblich direkt in den Aufsichtsrat wechseln. Ob er wirklich gegen die Regeln der guten Unternehmensführung verstoßen möchte?

          Wolfgang Reitzle wusste, dass es am Montag einen Parforceritt für ihn geben wird. Allzu gerne hätte der Vorstandsvorsitzende von Linde nur über wunderbare Zahlen seines Unternehmens gesprochen. Doch eine wohlinszenierte Medienveröffentlichung hat einen Strich durch seine Rechnung gemacht. Plötzlich stand die Frage im Mittelpunkt, welches die Pläne des 63 Jahre alten Managers nach Ablauf seines Vorstandsvertrags im Mai 2014 sind.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Denkt er allen Ernstes daran, direkt in den Aufsichtsrat des Industriegaseherstellers und Anlagenbaukonzerns zu wechseln und den Vorsitz des Gremiums zu übernehmen, so wie es kolportiert wurde? Hat er vor, etwas zu planen, woran Josef Ackermann als Chef der Deutschen Bank gearbeitet hatte, aber nach der Intervention von ausländischen Aktionären scheiterte? Das spricht doch gegen die Regeln der guten Unternehmensführung (Corporate Governance), die eine „Abkühlungsphase“ von zwei Jahren verlangen.

          Unüberhörbarer Unmut

          Reitzle, unbestritten einer der erfolgreichsten Manager in Deutschland, hat sich am Montag nicht einsilbig gegeben, aber auch herausgewunden. Weder bejahte er einen solchen Schritt, noch schloss er ihn aus. Allgemein nach der Regel zur Abkühlungsphase befragt, sprach er davon, dass es ja kein Tabu- und Rechtsbruch sei, wenn ein Quorum von 25 Prozent der Aktionäre einem direkten Wechsel zustimme, was bei einem Unternehmen wie Linde mit 100 Prozent Streubesitz nicht einfach sei. Nebenbei bemerkt: Reitzle empfahl sich den Anteilseignern mit dem Hinweis, dass sich der Börsenwert von Linde seit neun Jahren - zufälligerweise der Zeitraum seiner Tätigkeit als Vorstandschef - von 2,7 auf 24 Milliarden Euro verneunfacht habe.

          Doch war sein Unmut darüber, dass schon 18 Monate vor dem Ablaufdatum die Nachfolgefrage thematisiert wird, unüberhörbar. Die Vorbereitung dürften aber längst laufen, die Würfel müssen im Frühjahr 2013 fallen. Nur soviel: Einen Headhunter gebe es nicht, dementierte Reitzle, ebenso wie namentlich genannte externe Kandidaten.

          Ist der Posten eine emotional geführte Diskussion wert?

          Komplex wird das Thema durch die Ende Mai auf der Hauptversammlung anstehende Wahl eines neuen Aufsichtsrats. Damit entscheidet sich auch die Zukunft von Reitzle. Aufsichtsratschef Manfred Schneider, 73 Jahre, dürfte nach den Regeln von Linde nicht mehr zur Wahl stehen; die sehen Aufsichtsräte vor, die nicht älter als 72 Jahre sind. Die Regel wird allerdings durch ein aufweichendes „soll“ eingeschränkt. Schneider könnte dennoch interimistisch weitermachen, bis Reitzle wechselt. Ein Freund einer solchen Lösung wird Schneider nicht sein, hält er sich doch strikt an Corporate-Governance-Regeln. Bis Oktober vergangenen Jahres war er Aufsichtsratschef von Bayer. Dann löste ihn Werner Wenning ab. Der frühere Bayer-Vorstandschef musste zwei Jahre warten, bis er antreten durfte, obwohl er das Quorum der Aktionäre bekommen hätte.

          Würde Reitzle aber die Regel einhalten, wäre er 67 Jahre alt - zu alt für ein solches Amt. Da klingt das Alter von 65 Jahren besser. Doch ist es das wert, eine emotional geführte Diskussion um Aufsichtsratsposten loszutreten, wie bei Ackermann geschehen? Im Mai 2014 könnte Reitzle eine erfolgreiche Karriere als „Mr. Linde“ beenden.

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