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Zinsmanipulationen Der Skandal-Banker

Seit Juni ist der Inder Anshu Jain Chef der Deutschen Bank. Jetzt holt ihn die Vergangenheit ein: Kriminelle Zinsmanipulationen in großem Stil fielen in seinen Verantwortungsbereich.

© dapd Vergrößern Wenige Wochen nach Amtsantritt geht es für Anshu Jain um sehr viel.

Wenn am kommenden Dienstag die beiden neuen Chefs der Deutschen Bank zum ersten Mal Geschäftszahlen vorlegen, ist ihnen Aufmerksamkeit sicher. Spannend wird vor allem: Wie viel Geld legen Anshu Jain und Jürgen Fitschen vorsorglich für Gerichtsverfahren, Strafen und Vergleiche in einem der größten Skandale der Bankenwelt zurück? Nichts geringeres als der Zins selbst ist es, den Mitarbeiter der Deutschen Bank manipuliert haben sollen - den Preis des Geldes. Sie haben mit allerlei üblen Tricks den stets schwankenden Zinssatz künstlich nach unten und oben getrieben.

„Unglaublich“, sagt Hans-Peter Burghof, renommierter Bankenprofessor in Stuttgart. „Der Zins ist für eine Bank etwas ganz Zentrales. Etwas Heiliges wie die Zehn Gebote für Gläubige.“ Er sei der „Anker“ für Hunderte von Millionen von Rechnungen und Überlegungen. „Früher hätte man gesagt, am Zins kann keine Bank etwas herum manipulieren - weil sie sonst sofort weg wäre, wenn das rauskommt.“

Die Überwachungsprogramme suchten nur englische Begriffe

Was ist passiert? Eine Gruppe miteinander vertrauter Händler in verschiedenen Banken hat sich in den Jahren zwischen 2005 und 2009 abgesprochen, den Zins nach oben und unten zu beeinflussen. Ganz wie es ihnen passte. Ausgerechnet Leute aus dem Investmentbanking der Deutschen Bank, für das der heutige Vorstandschef Anshu Jain damals verantwortlich war, sollen in die Sache verwickelt sein. Sie befeuerten ihre Spekulationsgeschäfte, indem sie vorher Wertpapiere gekauft hatten, sogenannte Derivate, mit denen man genau dann Geld verdient, wenn der Zins fällt. Und deshalb manipulierten sie anschließend den Zins nach unten. Derselbe Trick ging auch mit steigenden Zinsen. Die Geschäfte gingen offenbar auf - und die Händler profitierten durch hohe Boni. Persönliche Bereicherung war ihr Motiv - der große Schaden für die Allgemeinheit war ihnen egal.

Infografik / Drei-Monats-Libor / Der manipulierte Zins Analyse einer möglichen Zinsmanipulation © F.A.Z. Bilderstrecke 

Angesichts solch schwerwiegender Vorwürfe ist es kaum verwunderlich, dass sich in Politik und Wissenschaft kaum mehr jemand findet, der die Banken verteidigt. Und dass der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel breite Unterstützung findet für öffentliches Banken-Schlachten. Die Manipulateure der Deutschen Bank seien „toughe Nordafrikaner mit einem hohen Testosteronspiegel“, versucht man in den Frankfurter Türmen jetzt ein wenig hilflos der Vorstellung entgegenzuwirken, brave Banker aus dem Taunus könnten solcherlei Schandtaten begangen haben.

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Alle E-Mails, in denen es um die Manipulation ging, verfassten die Trickser offenbar auf Französisch. Das half ihnen eine Zeitlang, nicht entdeckt zu werden. Denn die Überwachungsprogramme der Bankenaufsicht, die ständig alle Händler-Mails auf Unregelmäßigkeiten durchsuchten, waren nur auf englische Begriffe programmiert. Es soll eine der ersten Reaktionen auf den Skandal gewesen sein, dass die Aufsicht neuerdings neue mehrsprachige Suchprogramme einsetzt.

Inzwischen wird diskutiert, das Verfahren zu ändern

Um zu verstehen, wie man überhaupt einen solchen Zins manipulieren kann, muss man einen Blick darauf werfen, wie er zustande kommt. Der Bankenzins Libor - um ihn geht es - wird weder von einer zentralen Stelle festgesetzt wie der Leitzins der Europäischen Zentralbank, noch kommt er am Markt durch Angebot und Nachfrage zustande. Vielmehr melden 16 große Banken jeden Tag um 11 Uhr an eine zentrale Stelle in London, zu welchem Zinssatz sie sich Geld von anderen Banken leihen könnten. Aus diesen Meldungen wird ein Durchschnitt gebildet: der „Libor“, der „Referenzzins“. Bei vielen Wertpapieren überall auf der Welt, aber auch bei Krediten, deren Zinssatz variabel ist, orientiert sich die Verzinsung am Libor - oder seinem kontinentaleuropäischen Gegenstück, dem Euribor, der gleichfalls manipuliert worden sein soll.

Das Problem: Als Libor und Euribor erfunden wurden, war die Finanzwelt noch in Ordnung. Banken liehen einander tatsächlich noch ohne Sicherheiten Geld, so dass man aus diesen Geschäften den Zinssatz ablesen konnte. Heute ist das kaum noch der Fall. Es gibt also kaum reale Geschäfte, auf die sich die Zinsmeldungen beziehen können. Da lässt sich gut tricksen - indem man einfach Zahlen meldet, die einem gerade passen.

Inzwischen wird diskutiert, das Verfahren zu ändern. Anfang September steht eine Reform auf der Tagesordnung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, zu der sich Vertreter verschiedener Notenbanken in Basel treffen. Die Reform ist aber kompliziert - weil viele Verträge am Libor hängen und jede Änderung Rechtsrisiken in sich birgt.

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