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Veröffentlicht: 16.04.2013, 11:53 Uhr

Wegen Personalmangel Rosige Zeiten für Lehrer


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Der Kampf zwischen den Bundesländern gerade um diese Lehrer ist in vollem Gange. Die Länder verzichten zwar inzwischen darauf, sich wie früher gegenseitig mit aggressiven Werbekampagnen die Lehrer abzuwerben. Sie gehen die Sache jetzt subtiler an und nutzen ihre neue Freiheit nach der Föderalismusreform. „Zusätzlich zu den Statusunterschieden entwickelt sich seither das Einkommen der Lehrer immer stärker auseinander“, sagt die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Marianne Demmer. Attraktivität lässt sich eben mit mehr Gehalt steigern, mit längeren Zeitfenstern für die Verbeamtung und über die Zahl der zu leistenden Unterrichtsstunden. „Welches Land welche Konditionen bietet, spricht sich natürlich rasend schnell herum“, sagt Demmer. Dann hätten vor allem die finanzschwachen Länder das Nachsehen. Es entstehe eine Abwärtsspirale der ärmeren Bundesländer zu Lasten der Schüler, die dem nicht ausweichen könnten. Im Zeichen der Schuldenbremse seien gerade in diesen Bundesländern ganz harte Zeiten absehbar. Die ostdeutschen Länder können nichts drauflegen. Auf dem Lehrermarkt jedenfalls geht es jetzt richtig ums Geld.

Einstellungsgarantie für Referendare

Erleichtert wird dies alles noch durch den neuen Beschluss der Kultusminister, die Studienleistungen und Abschlüsse von Lehramtskandidaten und Jungpädagogen endlich gegenseitig anzuerkennen. Ab 2014 sollen alle in Deutschland erworbenen Lehrerexamen bundesweit Geltung haben. Ganz gleich, ob sie auf dem traditionellen Wege mit Staatsexamen oder über die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge erreicht wurden. Begibt man sich auf die Angebotsseite des Lehrermarktes, also auf die Seite der Nachwuchspädagogen, dann herrschen für Junglehrer vor allem in den Mangelfächern geradezu rosige Aussichten.

Sofern sie wirklich noch Lehrer werden wollen und nicht längst auf halber Strecke von Unternehmen abgeworben wurden. Die jungen Ingenieure und Naturwissenschaftler sind in der Industrie heiß begehrt. Seit an vielen Universitäten nicht mehr direkt auf Lehramt, sondern zunächst die Fachrichtung im Zuge eines Bachelor-Studiengangs studiert wird, müssen sich die angehenden Naturwissenschaftler auch erst nach ihrem BA entscheiden, ob sie wirklich Lehrer werden wollen. So ist schon manch ein angehender Chemielehrer auf halbem Weg zu Lanxess oder Bayer abgebogen, der jetzt im Schuldienst fehlt. Dort, wo der Arbeitsmarkt zum Anbietermarkt geworden ist, kann der Schuldienst nicht unbedingt mithalten.

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Die Länder spüren das längst und ändern ihre Politik. Der Berliner Senat, der in diesem Jahr 1439 weitere Pädagogen braucht, stößt den Interessenten die Türen weit auf - vor allem in Fächern wie Mathematik, Naturwissenschaften, Informatik. Er heißt Quereinsteiger willkommen, auch Lehrer aus anderen Bundesländern. Bei versäumten Bewerbungsfristen drückt die Bildungsverwaltung beide Augen zu. Sie verlängert befristete Verträge oder wandelt sie um. Mehr noch: Angehende Lehrer in den Mangelfächern bekommen mit Beginn ihres Referendariats sogar eine Einstellungsgarantie. Und mehr Geld gibt es künftig auch. Vom Jahr 2014 an bekommen Junglehrer als Angestellte durch die Tariferhöhungen 4700 Euro brutto im Monat. „Wir sind damit dann konkurrenzfähig“, sagt die Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres. Auch gegenüber der Industrie.

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