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Wayne Fromm : Der Mann, der den Selfie-Stick erfand

  • -Aktualisiert am

Mit Selfie-Stick geht’s besser: Zwei Touristen vor dem Brandenburger Tor. Bild: dpa

Ein kanadischer Unternehmer ist schuld daran, dass Touristen ihre Smartphones neuerdings auf Stöcke montieren.

          Haben Sie in letzter Zeit irgendwo auf der Welt einen Ort besucht, an dem sich gewöhnlich die Touristen tummeln? Dann stehen die Chancen gut, dass Sie schon einmal einen Selfie-Stick gesehen haben. Der Begriff steht für einen ausziehbaren Stab mit einer Klemme an der Spitze, an der man seine Kamera oder sein Smartphone befestigen kann, um ohne Verrenkungen ein Foto von sich selbst zu machen, ein sogenanntes Selfie.

          Die Wirkung des Stabs auf den sozialen Austausch ist nicht zu unterschätzen: Früher war es gang und gäbe, dass einem an sehenswerten Orten alle naselang ein Fremder seine Kamera aufnötigte und darum bat, doch ein Bild von ihm zu schießen. Oft wollten die Leute auch einfach nur die Funktionsweise des verzögerten Selbstauslösers erklärt haben. Heute muss man an diesen Orten dagegen vor allem Menschen ausweichen, die beim Versuch, den optimalen Selfie-Winkel zu finden, ein bisschen zu hektisch mit ihren Stäben herumfuchteln.

          Der Mann, der dafür verantwortlich ist, heißt Wayne Fromm und ist ein Erfinder und Unternehmer aus Kanada. Die Idee für den Stab, den Fromm unter dem Markennamen QuikPod vertreibt, kam ihm bei einem Italien-Urlaub mit seiner Tochter Sage Fromm vor 14 Jahren. „Wir standen auf einer Brücke in Florenz, und ich war es leid, immer fremden Leuten meine Kamera in die Hand zu drücken“, erzählt er. Zweieinhalb Jahre will er danach an dem Teleskop-Stab getüftelt haben, bis er mit dem Ergebnis zufrieden war. Das könnte durchaus stimmen, betrachtet man seinen Werdegang, denn Fromm war schon immer ein Tüftler und Erfinder. Lange Zeit arbeitete er für Disney. Der magische sprechende Spiegel, ein bekannter Merchandise-Artikel zum Disney-Film „Die Schöne und das Biest“ aus dem Jahr 1990, stammt aus Fromms Werkstatt.

          Wayne Fromm mit QuikPod an seinem Stand bei der CES in Las Vegas
          Wayne Fromm mit QuikPod an seinem Stand bei der CES in Las Vegas : Bild: Privat

          Der Selfie-Stick gehört zu den erfolgreichsten Erfindungen des Unternehmers. Fotofachgeschäfte in aller Welt nahmen den QuikPod schnell in ihr Programm auf, die amerikanische Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey adelte den Stab als eines ihrer Lieblingsprodukte und begann, ihn in ihrem Online-Shop zu verkaufen. Vor zwei Jahren nahmen Fromm und seine Tochter, die mittlerweile 26 Jahre alt und seine Geschäftspartnerin ist, erfolgreich an der kanadischen Unternehmer-Castingshow „Dragon’s Den“ teil. Das Angebot der Juroren, sich an seinem Unternehmen zu beteiligen, lehnte Fromm allerdings ab. Lieber wollte er die Kontrolle behalten: „Ich habe das hauptsächlich gemacht, um das Produkt bekannter zu machen“, sagt er heute.

          Das ist ihm definitiv gelungen. Allerdings liegt in dem Erfolg auch eine gewisse Ironie. Fromm hat zwar nach eigenen Angaben bisher Hunderttausende Exemplare des „echten“ QuikPod verkauft. Außerdem arbeitet er mit den Herstellern der Action-Kamera GoPro zusammen. Taucher, Snowboarder und andere Extremsportler setzen besonders widerstandsfähige Versionen des Stabs ein, um die aufsehenerregendsten Bilder von ihren Abenteuern zu machen.

          Aber die Selfie-Sticks, mit deren Hilfe sich Touristen auf der Chinesischen Mauer und vor dem Heidelberger Schloss fotografieren, stammen in der Regel nicht aus seiner Fabrik. „Das sind alles nur billige Kopien“, wettert Fromm. Auf den QuikPod hat er mehrere Patente angemeldet, seit Jahren zieht er mit seinen Anwälten gegen die vermeintlichen Produktpiraten zu Felde. Das Argument, dass auch der QuikPod letztlich nur eine ausziehbare Stange mit einer Plastikklammer ist, will er nicht gelten lassen. „Ich habe das optimiert, da steckt viel Technik drin“, sagt Fromm. „Wenn Sie einen von diesen Billigstäben im Internet kaufen, geht der sofort kaputt.“

          Der Erfinder ist fest entschlossen, seine Nachahmer weiter zu bekämpfen. „Letztens war ich in einem Laden am Frankfurter Flughafen, da hatten sie sogar ein Bild von meiner Tochter auf irgendeine billige Kopie geklebt“, schimpft er. „Das geht wirklich zu weit.“

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          Quelle: F.A.S.

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