Home
http://www.faz.net/-gqe-757fp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Vorwurf der organisierten Kriminalität Champignons von ausgebeuteten Erntehelfern

Jeder zweite Import-Champignon stammt aus Holland. Dort werden sie womöglich unter erbärmlichen Bedingungen geerntet. Den Produzenten wird Ausbeutung und Sklaverei vorgeworfen.

© Grimm, Lena Vergrößern Champignons im Frischezentrum in Frankfurt

Die Hälfte aller Champignons, die in Deutschland eingeführt werden, stammt aus den Niederlanden. Dort werden sie offenbar unter haarsträubenden Bedingungen gepflückt. Aus Polen und Bulgarien stammende Helfer in der Pilzernte werden massiv ausgebeutet, berichtet der niederländische Fernsehsender KRO in einer Reportage. Die Vorwürfe, die darin geäußert werden, sind gravierend. Sie reichen von organisierter Kriminalität bis hin dazu, dass die Erntehelfer äußert mickrig bezahlt, mangelhaft untergebracht und zu extremen Arbeitszeiten verpflichtet würden.

„Die Menschen müssen sieben Tage in der Woche arbeiten und jeden Tag zwischen 10 und 16 Stunden“, sagt Wim Baltussen vom sozialdemokratischen Gewerkschaftsbund FNV in Interviews des Beitrages, die schon auf Youtube zu sehen sind. Er erhebt darüber hinaus den Vorwurf der Sklaverei gegen die Pilze produzierenden Unternehmen.

„Wenn Frauen ohnmächtig werden, dürfen sie nur kurz pausieren“

Das deckt sich mit Äußerungen der Erntehelfer selbst, die freilich im Dunkeln vor der Kamera stehen und nicht zu sehen sind. „In der Regel müssen wir von 6 bis 20 Uhr arbeiten“, sagt eine Erntehelferin mit osteuropäischen Akzent. Je nach Auftragslage zwängen die Farmer ihre Arbeiter aber auch dazu, bis 1 Uhr nachts zu pflücken. Und weiter: „Auch wenn Frauen ohnmächtig werden, dürfen sie nur kurz pausieren und müssen dann zurück an die Arbeit.“

Mehr zum Thema

Offen wollen sich die Erntehelfer nicht äußern - aus Angst, äußert Henk Koenders vom niederländischen Sozialministerium. Auf die Frage, ob die Mehrheit der holländischen Pilze unter dem Dach organisierter Kriminalität hergestellt wird, antwortet er: „Ja, das ist das Bild, das wir momentan von der Situation haben.“

Die Niederlande gehören zu den bedeutendsten Pilze-Herstellern und -Exporteuren innerhalb Europas. Rund die Hälfte der deutschen Champignon-Importe stammt nach Angaben des Bundes Deutscher Champignon- und Kulturpilzanbauer aus Holland - 30.000 Tonnen im Jahr.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Verkehrschaos Stromausfall legt Norden der Niederlande lahm

Ein umfangreicher Stromausfall hat den Norden der Niederlande zum großen Teil außer Gefecht gesetzt. Die Ursache für den Defekt ist unklar. Mehr

27.03.2015, 12:14 Uhr | Gesellschaft
Jugend organisiert sich Protest in Ungarn wächst

Eine Gruppe junger Ungarn hat die Demokratie neu entdeckt: sie organisiert Demonstrationen gegen Regierungschef Orbans antidemokratischen Kurs. Dem Motto Jetzt kommen wir schließen sich immer mehr Sympathisanten an. Mehr

21.03.2015, 10:58 Uhr | Politik
IS-Vandalismus im Nordirak Das Zerstörungswerk hat viele Väter

Mossul, Niniveh, Nimrud - das Ausmaß der Schäden ist nicht absehbar. Wie machtlos sind wir? Ein Gespräch mit dem Altorientalisten Markus Hilgert. Mehr

18.03.2015, 17:04 Uhr | Wissen
Bulgarien Verdächtigem droht Auslieferung

Einem französischen Staatsbürger, der zu Jahresbeginn in Bulgarien festgenommen worden ist, werden Verbindungen zu einem der Attentäter von Paris vorgeworfen. Der Verdächtige könnte demnächst nach Frankreich ausgeliefert werden. Mehr

15.01.2015, 10:28 Uhr | Politik
BGH-Präsidentin Plädoyer für Vorratsdatenspeicherung

Seit Juli 2014 ist sie Präsidentin des Bundesgerichtshofs. Der F.A.Z. hat Bettina Limperg nun ihr erstes größeres Interview gegeben. Darin plädiert sie grundsätzlich für eine Vorratsdatenspeicherung. Die Leihmütterschaft sieht sie mit Skepsis. Mehr

19.03.2015, 17:47 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 20.12.2012, 13:53 Uhr

Grünes Autoländle

Von Susanne Preuß

Der Verkehrsminister von Baden-Württemberg wünscht sich Autos ohne Emissionen - die Industrie arbeitet bereits daran. Grüne Zukunftsvisionen aus dem Autoländle. Mehr 2 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Die Arbeitskosten in Deutschland steigen

In Deutschland sind die Arbeitskosten im vergangenen Jahr moderat um 1,5 Prozent gestiegen. Das ist im EU-Mittelfeld. In einigen Ländern stiegen sie dagegen um knapp 7 Prozent. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden