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Vogelgrippe in China : Mit Isatiswurzeln gegen das tödliche Virus

Die Geschäfte mit Geflügel laufen schlecht in China Bild: AFP

Die neuen Fälle von Vogelgrippe in China wecken böse Erinnerungen und verhageln manchem Markthändler das Geschäft. In den Apotheken wuchs dagegen die Nachfrage nach der vermeintlichen Wunderwurzel Isatis.

          „Ich verkaufe nur halb so viele Eier wie früher“, murrt Mo Junpu, ein Verkäufer auf dem Donghuashi-Markt in Peking. Er macht gerade noch 500 Yuan Umsatz am Tag, etwa 60 Euro. „Die Leute haben Angst vor der Vogelgrippe, also bleibe ich auf meinem Zeug sitzen.“ Empört schüttelt Mo den Kopf. Die Preise senken kann er nicht, der Großhändler spielt nicht mit. Mo hat seine Ware hübsch aufgestapelt. Jene ganz links stammen angeblich von freischarrenden Glucken. Das Pfund kostet 12 Yuan, 1,50 Euro. Die große Pyramide daneben besteht aus normalen Hühnereiern zu 4,80 Yuan je Pfund, 0,60 Euro. Rechts folgen die großen Exemplare der Enten. Davor steht ein Karton mit Taubeneiern, hinten die kleinen fleckigen der Wachteln.

          In der Nähe einer geschlossenen Geflügelfarm bewegen sich viele Menschen nur noch mit Atemschutzmasken im Freien.
          In der Nähe einer geschlossenen Geflügelfarm bewegen sich viele Menschen nur noch mit Atemschutzmasken im Freien. : Bild: AP
          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Am Geflügelstand nebenan flucht Jiang Meihua. Zwei Drittel weniger Umsatz mache sie seit Ausbruch der Vogelgrippe, schimpft Jiang. Die Menschen seien hysterisch, schließlich trete das Virus H7N9 mehr als 1000 Kilometer südlich auf. Tatsächlich beschränkt sich die Krankheit bisher auf Schanghai und drei umgebenden Provinzen. Bekannt sind erst 38 Fälle am Menschen, 10 Personen sind gestorben. Dennoch zeigen sich viele Chinesen verunsichert. Sie misstrauen den Behörden, die bei Lebensmittelskandalen und Epidemien oft spät und unzureichend informieren. Am schlimmsten war es vor zehn Jahren, als die Atemwegserkrankung SARS Teile des Landes und seiner Wirtschaft lahmlegte.

          Die Arzneimttelhersteller profitieren

          „Die Lage mit damals zu vergleichen, ist verfrüht“, urteilt Sun Jianbo, Analyst im Wertpapierhandelshaus China Galaxy Securities in Peking. „Aber natürlich müssen wir wachsam sein.“ Jede Massenverunsicherung treffe die Wirtschaft, unabhängig von der wirklichen Gefahr. Darunter leiden etwa die Fluggesellschaften, deren Aktienkurse nach Bekanntgabe der ersten Fälle stark sanken. „Das war reine Panik, wir haben nicht weniger Passagiere oder Fracht als sonst“, versichert Wang Kai von der Abteilung für Anlegerinformationen von Air China. Die neuen Buchungen liefen ebenfalls normal. Ähnlich Beschwichtigendes ist von Quanjude zu hören, einer Restaurantkette für Peking-Enten.

          Wertpapierfachmann Sun erwartet indes, dass die Unsicherheit noch zunehmen könnte. Betroffen seien dann das Gast- und Hotelgewerbe, der Fremdenverkehr, öffentliche Transportmittel und natürlich die Geflügelfleischindustrie. Profitieren dürften hingegen Arzneimittelhersteller, Produzenten von Schutzkleidung sowie anderer Fleischarten. Wie bei SARS könnte der Individualverkehr steigen. Damals wurden besonders viele Elektroräder und Stadtautos verkauft. „Die negativen Effekte werden aber überwiegen“, glaubt Sun.

          Wegen Vogelgrippe sinkt der Sojapreis

          Wie hoch der Rückgang sein könnte, will niemand beziffern. Immerhin gibt die Bank of America in Hongkong einen Anhaltspunkt. „Die Situation scheint ernster zu sein als bei früheren Fällen von Vogelgrippe“, sagt Bank-Analyst Hu Weijun. SARS habe Chinas Wachstum in einem Quartal 2 Prozentpunkte gekostet. In Analogie dazu könnte es nötig werden, die Vorhersage für das zweite Quartal 2013 von 8,1 auf weniger als 8 Prozent zu verringern. „Aber nur, wenn die Sache wirklich viel schlimmer wird“, wie Hu versichert. Immerhin: Falls das eintritt, würden fast 12Milliarden Yuan (1,5 Milliarden Euro) weniger erwirtschaftet als ohne Grippe.

          Seit den neuen Meldungen zum H7N9 Virus gibt´s bei KFC in China öfter mal „drive-by“ als „drive-in“
          Seit den neuen Meldungen zum H7N9 Virus gibt´s bei KFC in China öfter mal „drive-by“ als „drive-in“ : Bild: REUTERS

          Die ersten Unternehmen melden bereits Einbußen. Dazu gehört Yum Brands, die amerikanische Muttergesellschaft der Schnellrestaurantketten KFC und Pizzahut. „In der vergangenen Woche ist KFC mit der Vogelgrippe in China in Verbindung gebracht worden, das hatte einen signifikant negativen Effekt auf den Verkauf“, teilt der Konzern mit. Nach einer Stagnation im Februar ist der KFC-Umsatz in China im März um 16 Prozent gefallen. Allerdings ist unklar, wie viel des Rückgangs der Vogelgrippe geschuldet ist. KFC leidet auch unter Chemikalienfunden im Hähnchenfleisch.

          Unwohl ist derzeit auch dem Agrarkonzern Wilmar aus Singapur. Wegen der Geflügelkrankheit importiere China als größter Verbraucher der Welt weniger Sojabohnen. Erstmals seit 2004 könnte der Import 2013 sinken, hieß es. Die Bohnen werden an Geflügel verfüttert, das Öl zum Braten genutzt. An den Warenbörsen fällt deshalb der Sojapreis.

          Atemschutzmasken gehen immer

          Es gibt aber auch Profiteure der Unsicherheit. Einer heißt Supermax und ist der zweitgrößte Hersteller von Gummihandschuhen in Malaysia. Wegen der Vogelgrippe werde das Unternehmen geradezu „überschwemmt“ mit Bestellungen aus China, meldet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Frohlocken können zudem die Hersteller einiger Arzneien, vor allem jene der Traditionellen Chinesischen Medizin. Der Aktienkurs des Unternehmens Yiling, das ein angeblich wirksames pflanzliches Mittel namens Lianhua Qingwen herstellt, ist stark gestiegen

          Ähnliches zeigt sich in einer Apotheke in der Nähe der unglücklichen Geflügelhändler des Donghuashi-Markts. Nachdem im Internet das Gerücht aufkam, die Wurzel des Kreuzblütengewächses Waid (Isatis) schütze vor einer Ansteckung, kauften viele Kunden das entsprechende Pulver. „Aber der Ansturm hat sich schon wieder gelegt“, sagt die Apothekerin Zhang Shuzhi und zuckt mit den Schultern. Was sie weiterhin reichlich verkaufe, seien Atemmasken. „Aber das liegt eher an der schlechten Luft als an der Grippe.“

          Quelle: F.A.Z.

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