http://www.faz.net/-gqe-767o9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 01.02.2013, 11:44 Uhr

Verdacht des Kreditbetrugs Anklage gegen früheren Beluga-Chef Stolberg

Einst galt der Kapitän Niels Stolberg, Gründer der Schwergut-Reederei Beluga als eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Bremer Wirtschaft. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn erhoben: Verdacht des Kreditbetrugs.

© dapd Muss vor Gericht: Niels Stollberg

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den früheren Chef der insolventen Bremer Beluga Reederei, Niels Stolberg, erhoben. Sie wirft ihm und einem anderen ehemaligen Manager Kreditbetrug in 16 Fällen vor. Sie sollen zwischen 2006 und 2010 Banken bei Krediten zur Finanzierung von Schiffsneubauten belogen haben. Bei 20 Schiffen hätten sie die Investitionskosten um insgesamt 93,3 Millionen Euro zu hoch angegeben.

Wohin das Geld geflossen ist, dazu wollte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Frank Passade, am Freitag keine Angaben machen. Nach Medienberichten soll Stolberg den überschüssigen Betrag mit den Werften geteilt haben, die die Schiffe bauten. Ein Sprecher von Stolberg sagte, dass sich der Reedereigründer zu den Vorwürfen nicht äußern werde. „Was wir aber ausschließen können, ist, dass Herr Stolberg sich in irgendeiner Form persönlich bereichert hat.“

Je Straftat drohen bis zu drei Jahre Haft

Das Landgericht Bremen muss jetzt entscheiden, ob es zum Prozess gegen die beiden Beschuldigten kommt. Wann das sein wird, lässt sich noch nicht absehen. Bei einer Verurteilung könnten Stolberg je Straftat bis zu drei Jahren Haft oder eine Geldstrafe drohen. Fest steht aber jetzt schon: Das Ende des einst zu den weltgrößten Schwergutreedereien gehörenden Unternehmens  wird die Staatsanwaltschaft noch länger beschäftigen. „Das ist ein Ermittlungskomplex“, sagte Passade.

Zurzeit laufen Ermittlungen gegen 21 Beluga-Verantwortliche. Dabei geht es nach Angaben von Passade unter anderem um Bilanzfälschung und Veruntreuung von Spenden. Zwei Staatsanwälte und eine Ermittlungsgruppe der Polizei arbeiten an dem Fall „Beluga“, der allein an Daten schon eine Menge von zehn Terabyte - also von mehreren Computerfestplatten - umfasst. „Das ist ein sehr umfangreiches Wirtschaftsstrafverfahren“, sagte Passade.

Mehr zum Thema

Ins Rollen gebracht hatte das Ganze der amerikanische Finanzinvestor Oaktree, den Stolberg 2010 mit ins Boot geholt hatte. Oaktree steckte eigenen Angaben nach 129 Millionen Euro in Beluga. Als die Schieflage der Reederei im Frühjahr 2011 bekannt wurde, stellte der Investor Strafanzeige wegen Bilanzfälschung und Betrugs gegen Stolberg und andere leitende Angestellte. Bei einer Vernehmung der Staatsanwaltschaft gab der frühere Reedereichef später zu, dass die Beluga-Spitze die Unternehmenszahlen frisiert hatte.

Die Reederei ist inzwischen abgewickelt. Einen Teil führt Oaktree in dem Hamburger Unternehmen Hansa Heavy Lift fort. Der Großteil der mehreren Hundert Mitarbeiter verlor aber den Job. Stolberg selbst meldete Privatinsolvenz an. Oaktree ließ sein Vermögen jedoch sperren. Stolberg lebt nach Angaben seines Sprechers zurzeit zurückgezogen in Oldenburg. „Er wird sich den Vorwürfen mit voller Verantwortung vor Gericht stellen.“

Die Veruntreuung von Spenden für eine Schule in Thailand weist Stolberg aber vehement von sich. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt den Unternehmer, Spendengelder in Höhe von 500.000 Euro auf ein Firmenkonto umgeleitet zu haben. „Wir sind zuversichtlich, dass diese Vorwürfe ausgeräumt werden können“, sagte Stolbergs Sprecher. Stolberg hatte in Thailand eine Schule gegründet, um Waisenkindern nach dem Tsunami zu helfen. Nach Medienberichten soll das bei einer Spendenaktion im Fernsehen gesammelte Geld dort nicht angekommen sein.

Quelle: DPA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Hartes Vorgehen gegen Presse Blockupy-Fotos beschlagnahmt

Die Polizei hat die Wohnungen zweier Journalisten durchsucht und Bilder von Blockupy-Protesten beschlagnahmt. Ein Fotograf will sich wehren. Denn die Polizei ging ungewöhnlich hart vor. Mehr Von Denise Peikert, Frankfurt

20.05.2016, 06:28 Uhr | Rhein-Main
Sexueller Missbrauch? Bill Cosby muss vor Gericht

Dem amerikanischen Entertainer Bill Cosby wird wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs der Prozess gemacht. Eine Richterin im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania erklärte, die Beweise seien ausreichend für eine Anklage. Mehr

25.05.2016, 09:01 Uhr | Gesellschaft
AfD-Chefin Staatsanwaltschaft ermittelt nun doch gegen Frauke Petry

Noch Anfang Mai wollte die Staatsanwaltschaft Dresden kein Verfahren gegen die AfD-Chefin eröffnen. Das ändert sich jetzt. Es geht um eine Falschaussage, die Petry vor einem Landtagsgremium gemacht haben soll. Mehr

25.05.2016, 12:30 Uhr | Politik
100 Jahre Sykes-Picot-Abkommen Kurden demonstrieren in Köln für Unabhängigkeit

Kurdische Gruppen haben in Köln für einen unabhängigen Staat demonstriert. Nach Angaben der Polizei versammelten sich bei der Kundgebung auf dem Heumarkt rund 1600 Teilnehmer, um gegen die Folgen des Sykes-Picot-Abkommens zu protestieren, das Briten und Franzosen vor genau 100 Jahren unterzeichnet hatten. Die Kundgebung verlief nach Angaben der Polizei ohne Zwischenfälle. Mehr

16.05.2016, 11:41 Uhr | Politik
Vergewaltigungsvorwurf Ermittlungen gegen Grünen-Politiker Bonde

Schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Minister: Seine frühere Geliebte hat ihn wegen Vergewaltigung angezeigt. Kurz darauf sprach sie zwar von einem Missverständnis. Dennoch wird ermittelt. Mehr Von Susanne Preuß, Stuttgart

19.05.2016, 15:00 Uhr | Gesellschaft

Das Weihnachtsgeld ist kein fauler Trick

Von Hendrik Wieduwilt

Zählt das Weihnachtsgeld zum Gehalt – oder ist es nur ein fauler Trick, um den Mindestlohn zu umgehen? Die Arbeitsrichter haben eine gute Entscheidung getroffen. Mehr 7 10


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Umfrage Zwei Drittel der Europäer für Grundeinkommen

Gute Idee oder schlicht Schwachsinn? Immer mehr Menschen diskutieren über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Schweizer stimmen bald ab. Nun kommt eine überraschende Umfrage heraus. Mehr 65

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden