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Unternehmerinnen : Frauen investieren anders

  • Aktualisiert am

Unternehmerinnen sind bei Investitionsentscheidungen mehr auf Sicherheit bedacht. Bild: dpa

Sicherheit geht über alles: Für weibliche Chefs noch mehr als für männliche. Risikofreude findet man bei ihnen eher selten. Das zeigt eine neue Umfrage des Verbands der Unternehmerinnen. 

          Unternehmerinnen setzen bei Investitionen in ihr Unternehmen andere Prioritäten als ihre männlichen Kollegen. Sie sind mehr auf Sicherheit bedacht, agieren strategischer und haben die soziale Verantwortung stärker im Blick. So sehen es nicht nur die Frauen selbst, wie eine Umfrage des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU) in Kooperation mit der Deutschen Bank zeigt. 69 Prozent der Unternehmerinnen gaben darin an, dass sie ein anderes Investitionsverhalten haben als Unternehmer. Auch 44 Prozent einer Vergleichsgruppe von Entscheidern aus dem Mittelstand kamen zu dieser Einschätzung. 50 Prozent in der Vergleichsgruppe sehen kein unterschiedliches Investitionsverhalten bei weiblichen und männlichen Chefs.

          In der Umfrage gaben 65 Prozent der Frauen an, dass ihnen Sicherheit besonders wichtig ist. 40 Prozent beschreiben sich als vorsichtiger als ihre männlichen Kollegen, 23 Prozent als risikoavers. Diese Einschätzung deckt sich mit dem Bild, das die Entscheider in der Vergleichsgruppe von weiblichen Chefs zeichnen: 30 Prozent beschreiben Unternehmerinnen als risikoavers, 22 Prozent als sozialer, 17 Prozent als überlegter und weniger intuitiv. Nur 3 Prozent sehen Frauen als risikofreudiger.  „Unternehmerinnen und Entscheider sind sich darin einig, dass es eine Art `weibliches Investitionsverhalten´ gibt“, sagte VdU-Präsidentin Stephanie Bschorr am Dienstag bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse in Berlin.

          Wie macht sich dieses weibliche Investitionsverhalten konkret bemerkbar? Für die Unternehmerinnen bedeutet das, dass sie auf Gewinn verzichten würden, wenn dadurch Arbeitsplätze gesichert würden – 84 Prozent gaben zumindest an, dies zu tun. 87 Prozent sagten, dass ohne detaillierte Planung kein unternehmerisches Handeln möglich sei.

          Es gibt viele Gründe für die schlechtere Bezahlung von Frauen. Aber nicht der komplette Lohnunterschied lässt sich erklären.

          Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es aber nicht nur beim Investitionsverhalten. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte, ist die Lohnkluft zwischen Männern und Frauen auch 2013 nicht kleiner geworden. So erhalten Frauen für ihre Arbeit insgesamt 22 Prozent weniger Geld. Der durchschnittliche Bruttolohn pro Stunde lag bei 15,56 Euro, während Männer auf 19,84 Euro kamen. Die Differenz bleibt damit das vierte Jahr in Folge unverändert. Im Westen ist die Lücke allerdings dreimal so hoch wie im Osten: Hier bekommen Frauen 23 (2012: 24) Prozent weniger, in den neuen Bundesländern ist die Differenz mit acht Prozent deutlich geringer.

          Die großen Lohnunterschiede führen die Statistiker auf unterschiedliche Branchen- und Berufswahl zurück sowie auf die Tatsache, dass Frauen seltener Führungspositionen bekleiden. Zudem arbeiten Frauen öfter in Teilzeit und sind weniger lang in ihren Berufen beschäftigt - vor allem wegen längerer Auszeiten nach der Geburt von Kindern. Vergleicht man Männer und Frauen mit ähnlicher Qualifikation und ähnlichem Job, so liegt der Verdienstunterschied pro Stunde nur bei sieben Prozent. Hierfür liegen zwar erst Daten für 2010 vor. „Dies dürfte 2013 allerdings ähnlich gewesen sein“, sagte ein Statistiker.

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