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Umweltschutz : Balkonien statt Bali

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„Statt mehrfach im Jahr in den Urlaub zu fliegen, seltener fliegen. Und wenn man fliegt: länger bleiben“, rät der Umweltverband BUND. Bild: dpa

Seltener Fliegen, länger bleiben, mehr Videokonferenzen: Pünktlich zum Sommerurlaub rät das Umweltbundesamt zu weniger Flugreisen. Die Branche präsentiert eine andere Lösung für das Klimaproblem.

          Zu Beginn der Urlaubszeit mahnen das Umweltbundesamt und Naturschützer die Bürger, auf Flugreisen möglichst zu verzichten. Je näher das Reiseziel, desto geringer seien die Klima- und Umweltschäden, erklärte das Umweltbundesamt. „Die umweltfreundlichste Variante ist daher der Urlaub auf Balkonien oder im Schrebergarten.“

          Alternativen seien auch Rad- und Wanderurlaube. An die Politik appellierte das Amt, umweltschädliche Subventionen zu streichen, damit das Fliegen vom Staat nicht künstlich verbilligt wird.

          Abgeschafft gehören nach dem Willen des Umweltbundesamts die Befreiung des Kerosins von der Energiesteuer, die Befreiung internationaler Flüge von der Mehrwertsteuer und Betriebsbeihilfen für Flughäfen. „Anders wird die wichtige Verlagerung auf die umweltfreundlichere Schiene und die Eindämmung des Wachstums im Flugverkehr nicht zu erreichen sein“, betonte die Bundesbehörde.

          „Wenn man fliegt: länger bleiben.“

          Rund 75 Prozent der Treibhausgasemissionen auf der ganzen Welt, die dem Tourismus zugerechnet werden, stammen aus dem Verkehr - davon 40 Prozent aus dem Flugverkehr. Ein Flugzeug stößt für jeden Personenkilometer 211 Gramm Kohlendioxid aus - und damit deutlich mehr als ein Pkw (142 Gramm) sowie mehr als fünf Mal so viel wie die Bahn im Fernverkehr (41 Gramm).

          Der Leiter Verkehrspolitik im Umweltverband BUND, Werner Reh, rät nun: „Statt mehrfach im Jahr in den Urlaub zu fliegen, seltener fliegen. Und wenn man fliegt: länger bleiben.“ Zudem sei es ratsam, zu jedem Flug eine seriöse Klima-Kompensation dazu zu buchen. Dabei finanzieren Passagiere Klimaschutzprojekte, die das während des Fluges ausgestoßene Kohlendioxid wieder einsparen. Ein weiterer Tipp des Experten: „Viele Geschäftsreisen lassen sich durch Videokonferenzen ersetzen.“

          Der Experte des Umweltverbands NABU, Dietmar Oeliger, sagte:  „Innerdeutsch ist Fliegen eigentlich aufgrund eines guten Schienenverkehrsnetzes überhaupt nicht mehr notwendig.“ Die Umweltorganisation Germanwatch appellierte an die Bundesregierung, Nachbarn wie Frankreich, die Benelux-Staaten und Großbritannien dafür zu gewinnen, gemeinsam eine Kerosinsteuer einzuführen - ähnlich hoch wie die Mineralölsteuer für Autos. EU-Richtlinien ermöglichten dies, sagte Verkehrsreferent Manfred Treber.

          Kritik an den Vorschlägen kommt von der Luftverkehrswirtschaft. Sie hält naturgemäß nichts von der Forderung, freiwillig auf Flugreisen zu verzichten. Trotz hoher Wachstumsraten sinke der Anteil des Luftverkehrs an den Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid, sagte der Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Peter Königsfeld. Von 2,81 Prozent im Jahr 2000 sei der Anteil auf 2,42 Prozent im Jahr 2012 gesunken. Und seit dem Jahr 1990 hätten die deutschen Fluggesellschaften ihren spezifischen Treibstoffverbrauch um 42 Prozent verringert.

          Forderungen nach einer Kerosinsteuer, um das Fliegen zu verteuern, lehnte der Verband ab. Ein nationalstaatlicher Alleingang für eine Kerosinsteuer, „würde zu einem weiteren erheblichen Wettbewerbsnachteil für deutsche Luftverkehrsunternehmen führen“, sagte Königsfeld. Die Branche brauche finanzielle Möglichkeiten für neue Flugzeuge: „Denn damit reduzieren wir am wirkungsvollsten die Lärm- und die CO2-Emission.“

          Das zweite Instrument zur Senkung der CO2-Emissionen sei ein „marktbasiertes“ Klimaabkommen für die ganze Welt. Dabei könnten Fluggesellschaften in Klimaschutzprojekten eingesparte CO2-Emissionen „kaufen“ und so eigene Emissionen ausgleichen. Über ein solches Abkommen werde auf der Hauptversammlung der UN-Luftfahrtorganisation ICAO im Herbst abgestimmt.

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