23.01.2012 · Research in Motion sorgt für einen Paukenschlag: Der Blackberry-Hersteller beruft Thorsten Heins zum Vorstandsvorsitzenden. Es gebe da ein paar „Herausforderungen“, sagt Heins - gibt sich aber insgesamt optimistisch.
Von Roland LindnerThorsten Heins gab sich alle Mühe, nordamerikanischen Überschwang zu verbreiten: „Begeistert“ sei er von seiner Berufung zum Vorstandsvorsitzenden des Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM), sagte der Deutsche in einem mehr als sieben Minuten langen Videoclip, den das kanadische Unternehmen nach der Ankündigung des Führungswechsels veröffentlichte. Heins nannte es „phantastisch“ und „phänomenal“, in die Fußstapfen von Mike Lazaridis und Jim Balsillie treten zu dürfen, der bisherigen Doppelspitze von RIM.
Sicher, es gebe da ein paar „Herausforderungen“, aber er sehe keinen Grund, warum der Konzern nicht auch in Zukunft zu den „Top 3“ im Handymarkt gehören solle. Sein Motto für die Zukunft: „Kühn sein, an die Arbeit gehen, stolz darauf sein, was wir machen und erreicht haben und in der Zukunft erreichen werden!“ Ohne Zweifel große Töne, auch wenn Heins dabei ein bisschen hölzern wirkte.
Der Aufstieg von Heins bei RIM ist ein Paukenschlag: Das angeschlagene Unternehmen, das im Geschäft mit internetfähigen Handys (Smartphones) neben dem iPhone von Apple und Geräten mit der Software Android des Internetkonzerns Google einen immer schwereren Stand hat, macht einen radikaleren Schnitt als erwartet. Lazaridis und Balsillie sind in den vergangenen Monaten immer mehr unter Druck geraten, schienen sich aber lange dagegen zu sträuben, das Ruder aus der Hand zu geben.
Schließlich sind sie die Väter des Erfolgs von RIM und haben das Unternehmen seit zwanzig Jahren geprägt, sie halten außerdem größere Aktienpakete. Nun haben sie nicht nur ihre Posten als Ko-Vorstandschefs mit sofortiger Wirkung niedergelegt, sondern sind auch als Ko-Vorsitzende des Verwaltungsrats zurückgetreten. Das Aufsichtsgremium wird nun von Barbara Stymiest geführt. Lazaridis wird ihr Stellvertreter, Balsillie bleibt einfaches Mitglied, auch Heins bekommt einen Sitz im Verwaltungsrat.
Abermals schafft es nun also ein Deutscher an die Spitze eines nordamerikanischen Unternehmens: Klaus Kleinfeld, der ehemalige Vorstandschef des deutschen Industriekonzerns Siemens, führt den Aluminiumspezialisten Alcoa, Martin Richenhagen den Landmaschinenhersteller Agco. Kleinfeld und Richenhagen genießen in Amerika einen guten Ruf, während ein anderer Deutscher vor kurzem gescheitert ist: Léo Apotheker wurde im vergangenen Herbst nach nicht einmal einem Jahr an der Spitze des Technologiekonzerns Hewlett-Packard abgelöst.
Thorsten Heins hat wie Kleinfeld vor seinem Sprung nach Nordamerika viele Jahre bei Siemens verbracht. Der gebürtige Münchner stieg 1984 bei Siemens ein und arbeitete sich in verschiedenen Telekommunikationsgeschäften des Unternehmens bis in den Vorstand der Communications-Sparte. 2007, als Siemens sich mehr und mehr von seinen Telekommunikationsaktivitäten zurückzog, wechselte Heins zu RIM. Im vergangenen Jahr übernahm er hier als einer von mehreren Managern mit dem Titel „Chief Operating Officer“ die Verantwortung für Produktentwicklung und Vertrieb.
Der 54 Jahre alte, viel jünger aussehende Heins steht vor einer schwierigen Aufgabe: RIM hat zuletzt eine Enttäuschung nach der anderen geliefert: Einst ein Pionier im Smartphone-Geschäft, hat sich das Unternehmen seine Führungsposition entreißen lassen und verliert dramatisch Marktanteile. In den Vereinigten Staaten ist der Umsatz um fast die Hälfte eingebrochen. Blackberry-Geräte mit einem neuen Betriebssystem, von denen sich das Unternehmen die Wende erhofft, kommen erst gegen Ende dieses Jahres und damit deutlich später als erhofft auf den Markt. Auch der Vorstoß von RIM in den Markt für Tabletcomputer blieb bislang ohne Erfolg.
Heins hofft, die Pannenserie zu beenden. In dem Video sagte er, er wolle mehr Disziplin in das Unternehmen bringen. Verbesserte Kommunikation soll die Abwanderung von Kunden bremsen, dazu will er einen Marketingvorstand rekrutieren. Die Finanzmärkte zeigten sich am Montag aber unbeeindruckt: Der Aktienkurs von RIM rutschte im Handelsverlauf um 6 Prozent auf unter 16 Dollar ab. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr als drei Viertel ihres Wertes verloren. Einige Analysten werteten es zwar als Schritt in die richtige Richtung, dass Lazaridis und Balsillie sich zurückziehen. Es wurden aber Zweifel geäußert, ob Heins, der sich bislang auf das operative Geschäft konzentriert, die richtige Besetzung ist. Ehud Gelblum von Morgan Stanley etwa sagte: „Uns macht Sorgen, dass Heins wenig Erfahrung dabei hat, eine Vision oder eine strategische Richtung für das Unternehmen zu setzen.“
Die Technologie ist genial und absolut Zukunftsträchtig.
Klaus Letis (odysseus_8)
- 24.01.2012, 12:40 Uhr
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