Herr Obermann, vor einem Jahr wollte die Telekom T-Mobile USA noch loswerden, jetzt scheinen Sie sich mit Metro PCS enger an den amerikanischen Markt zu binden. Warum?
Weil uns Metro PCS eine riesige Chance bietet, zusammen ein LTE-Mobilfunknetz der vierten Generation aufzubauen. Sicher: Vor einem Jahr hatten wir AT&T als möglichen strategischen Käufer, aber das hat nun mal nicht funktioniert. Aber seither hat sich einiges verändert: Wir haben T-Mobile vorangebracht, zum Beispiel mit zusätzlichen Mobilfunkfrequenzen. Außerdem ist der amerikanische Markt heute im Vergleich zu Europa um einiges vielversprechender geworden.
Metro PCS sieht nicht wie ein Traumpartner aus. Es ist auf das Prepaid-Geschäft mit Kunden ohne Vertragsbindung spezialisiert und arbeitet mit einem anderen Mobilfunkstandard.
Vergessen Sie nicht, dass das Prepaid-Geschäft in Amerika um einiges attraktiver ist als zum Beispiel in Europa. In Amerika bringen Kunden Umsätze von 40 Dollar im Monat ein. Und was die Netzwerke betrifft: Das wird nicht mehr so entscheidend sein, wenn wir erst einmal zusammen ein LTE-Netz aufbauen. Und dafür werden wir das Funkspektrum, das uns Metro PCS bringt, dringend brauchen.
Mit Metro PCS würde T-Mobile USA zu einem börsennotierten Unternehmen. Das würde Ihnen mehr Möglichkeiten für einen späteren Ausstieg geben...
Wir hatten ohnehin einen Börsengang ins Auge gefasst und wollten T-Mobile USA zu einer Selbstfinanzierungsplattform machen. Mit Metro PCS wird es eben schneller gehen.
Wollen Sie also langfristig in Amerika bleiben oder nicht?
Es wäre unseriös, das pauschal mit einem langfristigen Horizont zu beantworten. Aber ganz klar: Mit der Transaktion geben wir ein Bekenntnis zum amerikanischen Markt ab.
Mit Metro PCS positionieren Sie sich noch mehr als bisher als preisaggressiver Anbieter in Amerika. Wird das ihre zuletzt wieder gestiegenen Gewinnmargen unter Druck bringen?
Eher wird das Gegenteil der Fall sein, weil wir uns Synergien von 6 Milliarden bis 7 Milliarden Dollar versprechen.
Wenn Sie mehr auf das Prepaid-Segment setzen, verringert das ihre Chancen, die Abwanderung von Vertragskunden bei T-Mobile USA aufzuhalten?
Wir haben uns vorgenommen, dass wir das Vertragskundengeschäft 2013 stabilisieren und von 2014 an wieder wachsen. Es wird nicht von heute auf morgen gehen, zumal wir jetzt im Weihnachtsgeschäft das iPhone nicht Angebot haben. Ich hoffe, das wird sich bald ändern. Wir werden intensive Gespräche mit Apple führen.
