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Tattoo-Entfernungen : Nichts ist für die Ewigkeit

  • -Aktualisiert am

Ein Tattoo zu entfernen kostet zehnmal so viel wie es zu stechen. Bild: AFP

Immer mehr Deutsche sind tätowiert - und immer mehr wollen ihre Tattoos loswerden. Der Markt für Tattoo-Entfernungen boomt.

          Bettina Wulff, Deutschlands ehemalige First Lady, hat eins. Die Frau des britischen Premierministers, Samantha Cameron, auch: Tattoos. Was einst Merkmal von Matrosen, Gangs und Häftlingen war, zieht sich heute durch alle gesellschaftlichen Schichten.

          Rund acht Millionen Deutsche sind tätowiert, in der Generation der 25- bis 35- jährigen jeder/jede Vierte. Längst nicht alle sind damit noch glücklich, rund ein Zehntel der Tätowierten, immerhin rund 800.000 Deutsche, äußern in Umfragen das Bedürfnis, das Tattoo wieder loszuwerden.

          Risiken des Laserns noch nicht vollständig geklärt

          Das ist aber gar nicht so einfach. Die erfolgversprechendste Methode ist das Lasern. Andere Methoden, wie das Abschleifen der Haut, die Behandlung mit Milchsäure oder gar Transplantation, sind umstritten und keineswegs angenehm. Beim Lasern wird die tätowierte Haut für den Bruchteil einer Sekunde mit einem starken Lichtimpuls beschossen. Der Laser erhitzt und zertrümmert die eingeschlossenen Farbpartikel unter der Haut, die Reste werden dann vom Immunsystem abtransportiert. Im besten Fall ist danach von dem Tattoo nichts mehr zu sehen. Das größte Risiko dabei sind Hautreizungen und Blasenbildung, in seltenen Fällen können auch bleibende Pigmentunterschiede zur umliegenden Haut und Narben entstehen. Strittig sind die Risiken, die von den zerstörten Farbpartikeln ausgehen.

          Beim Tätowieren an sich gelangen zwar mehr Farbpartikel in den Kreislauf als bei der Entfernung des Tattoos, sagt der Arzt Matthias Bonczkowitz, Mitglied der Deutschen Dermatologischen Lasergesellschaft. Vollends geklärt sind Risiken des Laserns allerdings noch nicht.

          Wie leicht sich ein Tattoo entfernen lässt, hängt von der Farbe und der Qualität des Tattoos ab. Farben wie Blau, Grün und Schwarz sind leichter zu entfernen als Rot, Gelb oder Weiß. Professionell gestochene Tattoos sitzen gewöhnlich tiefer unter der Haut und sind daher schwerer zu entfernen. Das Lasern kann bis zu 15 Sitzungen im Abstand von mehreren Wochen in Anspruch nehmen. Neuere Pico-Laser können die Zahl der Sitzungen immerhin um ein Drittel reduzieren.

          Eine teure Angelegenheit

          Bonczkowitz’s Praxis ist eine von fünf in Deutschland, die einen dieser neuen Laser besitzt. Seit das Gerät voriges Jahr auf den Markt gekommen ist, hat er alle Hände voll zu tun: Etwa 650 Behandlungen wurden in Bonczkowitz’s Praxis seitdem durchgeführt. Die meisten seiner Kunden sind entweder Anfang 20 oder zwischen 35 und 40 Jahren alt. Oft sind es angehende Polizisten, denn die dürfen keine sichtbaren Tattoos tragen.

          Das Verfahren ist jedoch eine teure Angelegenheit, eine Sitzung bei Bonczkowitz kostet je nach Größe und Farbe des Tattoos zwischen 200 und 400 Euro. Die Krankenkasse zahlt dafür nicht, aber wer seine Tätowierung einfach nicht mehr sehen kann, dem ist das häufig egal. Für die Anbieter verspricht dies ein lukratives Geschäft.

          Fast eine halbe Million Laserbehandlungen gab es letztes Jahr, zehn Prozent mehr als noch 2012. Davon wollen nicht nur die Hautärzte profitieren, sondern auch Kosmetiker ohne medizinische Ausbildung. Die Kette „tattoolos“ beispielsweise hat im siebten Jahr nach ihrer Gründung bundesweit bereits sechs Läden. „Wir haben Kunden, die fahren 200 oder 300 Kilometer zu uns“, sagt „tattoolos“-Gründer Markus Lühr. Bei ihm gilt die Faustregel: Das Tilgen kostet etwa das Zehnfache dessen, was das Tattoo einst gekostet hat. Das Geschäft läuft so gut, dass er bereits weitere Läden plant. Rechtlich gesehen operiert er mit seinen Lasern in einer Grauzone, es bedarf keiner Zusatzqualifikation zur Behandlung, und auch für die Laser gibt es keine anerkannten Standards. Der Argwohn der Mediziner ist ihm deshalb gewiss. Ginge es nach ihnen, dürften nur Ärzte lasern.

          Quelle: F.A.S.

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