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Studie über Demonstranten Gutsituiert protestiert

Wer steckt hinter Demonstrationen? Es sind vor allem Vorruheständler, Rentner und Pensionäre. Die Protestlandschaft sei von Männern dominiert, sagt eine Studie. Und überall sind Ingenieure anzutreffen.

© Röth, Frank Vergrößern Frankfurter Aufstand gegen Fluglärm: „Der Protest in Deutschland geht vom Milieu der Kinderlosen aus

Mineralölkonzerne sind Kummer im Umgang mit der Öffentlichkeit gewohnt. Die hierzulande vor allem als Tankstellenbetreiber in Erscheinung tretende BP macht da keine Ausnahme. „Auch wir waren Zielscheibe von Protesten“, sagt der Vorstandsvorsitzende der BP Europe SE, Michael Schmidt. Ein Grund für den Konzern, herauszufinden, warum und welche Bürger es sind, die ihren Un- und Widerwillen öffentlich kundgeben.

Bei der Ursachenforschung hat der Mineralölmulti sich der Hilfe Göttinger Sozialwissenschaftler versichert. Das Institut für Demokratieforschung hat seine Scouts in die Zeltcamps der Kapitalismus- und Bankenkritiker von „Occupy“, zu den Gegnern von Stuttgart 21, in Bürgerinitiativen gegen den Bau von Stromtrassen, in die Foren des „Hamburger Schulstreits“, zu den Anti-Atom-Aktivisten ins Wendland geschickt und auch zu erklärten Eurogegnern. In den 200 Gesprächen war die Grundfrage die selbe: Wer protestiert und warum?

Die am Mittwoch vorgestellten Ergebnisse überraschen: Der Protestierer von heute ist männlich, gut situiert, eher älteren Semesters, Ingenieur oder Naturwissenschaftler mit schlechter Meinung über die Demokratie und ohne ein konfessionelles Bekenntnis - wenn, dann zur evangelischen Kirche.

Ingenieure ersetzen Sozialwissenschaftler

So fanden die Forscher unter den Befragten viele Hausmänner, Teilzeitangestellte, Freiberufler, Pastoren, Schüler, Lehrer und, so heben sie hervor, Vorruheständler, Rentner, Pensionäre. Fazit: „Der Protest in Deutschland geht vom Milieu der Kinderlosen aus.“ Das ist erst der Anfang. Zu erwarten sei, „dass sich spätestens zwischen 2015 und 2035 Hunderttausende hochmotivierter und rüstiger Rentner mit dem Wissen der in den Jugendjahren reichlich gesammelten Protesterfahrungen in den öffentlichen Widerspruch begeben“.

Die Protestlandschaft sei von Männern dominiert. Nur bei Bildungsthemen hätten Frauen die Nase vorn. Wer erwartet hätte, dass Angehörige sozialer Unterschichten - gerade deshalb - besonders engagiert seien, wird enttäuscht. Diejenigen, die die Forscher antrafen, waren „vor allem Menschen mit hohem Bildungsabschluss, geregeltem, meist ordentlichem Einkommen, die sozial gut vernetzt sind und eher anspruchsvollen Berufen nachgehen.“ Über die Hälfte der Befragten hatten ein Studium abgeschlossen. Sprichwörtlich „kleine Leute“ konnten die Wissenschaftler kaum finden.

Stattdessen stießen sie allenthalben auf Ingenieure. Die bildeten „einen zentralen Typus der aktuellen Bürgerproteste“, ganz anders als in der Oppositionsbewegungen der siebziger Jahre, als vor allem Sozialwissenschaftler den Ton angaben. Die Forscher haben auch dafür eine Erklärung parat: Gerade dort, wo es um Fragen der Energiewende, Infrastruktur, und Stadtentwicklung gehe, seien Ingenieure, Techniker, Informatiker und Biologen anzutreffen. Hier könnten sie als objektive Experten auftreten und auf selbstbewusste Weise präzise Gegenvorschläge machen.

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Quelle: F.A.Z.

 
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