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Stolze Honorare für prominente Redner Ein Stadtwerker unter Beschuss

 ·  Peer Steinbrück bekam für eine Rede von den Stadtwerken Bochum 25.000 Euro. Joachim Gauck ebenso. Dürfen Stadtwerke so spendabel sein? Der Chef der Stadtwerke ist in Erklärungsnot.

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© picture-alliance / augenklick/fi Vergrößern Bernd Wilmert

Bernd Wilmert hätte es ahnen können. Der Chef der Stadtwerke Bochum ist nicht der Erste, der wegen außergewöhnlicher Leistungen geehrt und kurz darauf in die Räder der Kritik gerät. Erst im Frühjahr ist Wilmert als Energiemanager des Jahres 2011 ausgezeichnet worden. Nun aber stehen die Stadtwerke Bochum und damit auch er schon seit Tagen unter Beschuss. Es geht um stolze Honorare, mit denen prominente Redner wie Peer Steinbrück und Joachim Gauck zum Bochumer Atrium-Talk gelockt wurden. An diesem Donnerstag ist Wilmert zur Aufsichtsratssitzung ins Bochumer Stadtwerk geladen, der Termin steht schon länger. Und auf der Tagesordnung stehen Themen, die noch schwerer wiegen könnten als der Wirbel um Steinbrücks Gage.

Dass die hochverschuldete Ruhrgebietsstadt Einzelhonorare von 25.000 Euro für einen unterhaltsamen Abend gezahlt hat, ist zwar instinktlos, aber reparabel. Die Stadtwerke haben eine Überarbeitung des Konzeptes angekündigt, mit dem seit 2008 zweimal im Jahr solche Abende veranstaltet werden. Für ein Unternehmen mit rund 450 Millionen Euro Jahresumsatz sind die von Bochumer Lokalpolitikern auf jeweils etwa 100.000 Euro veranschlagten Veranstaltungskosten kein Kraftakt, auch wenn sich die Bochumer Bürger zu Recht fragen werden, ob ein Unternehmen in dieser vom Arbeitsplatzschwund betroffenen Stadt - man denke nur an Nokia, die Opel-Werke und die Edelstahlschmelze von Thyssen-Krupp - sich solche Abende leisten sollte.

Für Bochum freilich viel wichtiger ist der Bericht zur Risikolage der von ihm verantworteten kommunalen Unternehmensgruppe, den Wilmert dem Aufsichtsrat an diesem Donnerstag geben soll. Der 1952 in der Nachbarstadt Herten geborene Wilmert, der in Bochum ein wirtschaftswissenschaftliches Studium absolviert hat, ist 1992 bei den Stadtwerken Bochum zum kaufmännischen Geschäftsführer bestellt und ein Jahr später zum Sprecher der Geschäftsführung ernannt worden. Der Sechzigjährige tritt ruhig, aber bestimmt auf. Er ist als ein in der Wolle gefärbter Stadtwerke-Mensch unter anderem Präsident der europäischen Dachorganisation für kommunale Unternehmen. Ferner sind die Stadtwerke Bochum Gesellschafter im Stadtwerke-Gemeinschaftsunternehmen Trianel, Wilmert ist dessen Aufsichtsratsvorsitzender. Über seine Versorgungsgebiete hinaus hat er sich mit seinen Aktionen in privatwirtschaftlichem Gewässer früh einen Namen gemacht. Gemeinsam mit den Dortmunder kommunalen Versorgern hat er beispielsweise Eon Gelsenwasser abgekauft. Noch knapp zehn Jahre danach trägt das einst führende privatwirtschaftliche Wasserunternehmen in Deutschland über hohe Dividenden den fremdfinanzierten Kaufpreis ab.

Auch beim Stromversorger Steag sitzen Bochum und Wilmert mit im Boot. Die Stadtwerke sind mit 18 Prozent am Stadtwerkekonsortium Rhein-Ruhr beteiligt, das seinerseits Ende 2010 für 650 Millionen Euro zunächst 51 Prozent dieser Gesellschaft erwarb; einschließlich Schulden wird die Übernahme auf 3 Milliarden Euro veranschlagt. Anders als Gelsenwasser kämpft Steag mit wirtschaftlichen Problemen. Die erste Dividende musste aus den Reserven mobilisiert werden. Und auch bei dem schnell gewachsenen Gemeinschaftsunternehmen Trianel läuft es in jüngerer Zeit nicht mehr rund. Dem fast fertig gestellten Großkraftwerk in Lünen fehlen die Genehmigungen. Selbst wenn die Anlage bald in Betrieb genommen werden könnte, ist mit Gewinnen vor 2020 kaum zu rechnen.

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