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Star Wars : Auf ein Omelett mit George Lucas

Am 20. Mai 2011: Kurz bevor Disney-Vorstandschef Bob Iger (l.) mit Star-Wars-Erfinder George Lucas eine generalüberholte Freizeitpark-Attraktion eröffnete, sagte er ihm, dass er seine Firma Lucasfilm gerne kaufen würde. Bild: Handout Disney/Kent Phillips

In wenigen Tagen kommt „Star Wars“ wieder ins Kino. Das erste Mal unter dem Banner Disneys. Der Verkauf von George Lucas’ Idee an den Konzern begann mit einem Frühstück im Freizeitpark. 

          Der neue „Star Wars“-Film kommt in wenigen Tagen in die Kinos, Episode VII der Weltraum-Saga mit dem spirituell angehauchten Titel „Das Erwachen der Macht“. Schon im Vorverkauf hat der Film Rekorde aufgestellt.

          Alexander     Armbruster

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für den Disney-Konzern, der „Star Wars“ vor einigen Jahren von George Lucas in einer von beiden Seiten geschickt eingefädelten Übernahme kaufte, ist das ein schöner Erfolg. Die Marketing-Maschinerie des Unternehmens läuft auf Hochtouren und facht Interesse an dem Film auf den verschiedensten Kanälen an.

          Obama ehrt Lucas

          Wenn es darum geht, für „Star Wars“ zu werben, braucht sich das Unternehmen allerdings längst nicht nur auf sich selbst zu verlassen: Eine riesige Anhängerschaft tut über Mundpropaganda im Internet und der realen Welt das ihrige.

          Und sogar der mächtigste Mann der Erde wirbt für „Star Wars“. Während einer Zeremonie im Kennedy Center in Washington pries Barack Obama gerade den „Star Wars“-Erfinder George Lucas beinahe überschwänglich: „Denkt darüber nach, wie viele Kinder wenigstens teilweise von George Lucas aufgezogen wurden“, sagte Obama, der etwas später eintraf, weil er in einer kurzfristige anberaumten Fernseh-Ansprache vom Oval Office aus zuvor erst noch die Nation über seine Strategie gegen dem islamistischen Terror informierte. „Denkt darüber nach, wie viele junge Menschen wohl auf der Suche nach ihrem Platz im Universum gedacht haben 'Wenn ein Kind von Tatooine (...) die Galaxis retten kann, dann kann ich vielleicht ebenfalls etwas ganz Besonderes schaffen.“

          Der Filmemacher Steven Spielberg stellte Lucas während dessen Ehrung sogar in eine Reihe mit Technik-Pionieren wie Thomas Alva Edison und Alexander Graham Bell: „George Lucas' Star Wars änderte Filme für immer.“

          Schon jetzt steht fest, dass George Lucas mit dabei sein wird, wenn der neue Film in Los Angeles und London erstmals aufgeführt wird. Allerdings wird Lucas dieses Mal nur ein Zuschauer sein - Regie führt J.J. Abrams, das Sagen hat Disney seitdem George Lucas dem Unternehmen seine Firma Lucasfilm und mit ihr die Rechte an seiner Idee verkaufte.

          Drei Jahre ist das nun her. Angeleiert hatte Disney-Vorstandschef Bob Iger diese Übernahme aber schon etwas früher, wie der amerikanische „Star Wars“-Biograph Chris Taylor in seinem gerade im Heyne-Verlag auf Deutsch herausgekommenen sehr lesenswerten Buch „Wie Star Wars das Universum eroberte“ nacherzählt. Am 20. Mai des Jahres 2011 trafen sich Iger und Lucas zum Frühstück in einem Restaurant im Freizeitpark Disney World. Eigentlich wollten die beiden nur die neu aufgemöbelte Attraktion „Star Tours“ wieder eröffnen. Iger ließ das Restaurant extra für andere Besucher schließen während dieser Zeit, er bestellte das Parfait, Lucas ein Omelett. Dann habe er ihn, schreibt Taylor, gefragt, ob er sich vorstellen könne, seine Firma Lucasfilm zu verkaufen. „Im Moment bin ich noch nicht dazu bereit“, soll Lucas erwidert haben: „Aber sobald der Moment da ist, werde ich gerne darüber reden.“

          Neue Chefin, neuer Film

          In den kommenden Monaten rückte dieser Moment allerdings dann doch ziemlich schnell näher. Im Januar 2012 kündigte Lucas im Gespräch mit einem Journalisten der New York Times an, sich aus seiner Firma und aus „Star Wars“ zurückziehen zu wollen. Als nächstes fragte er Kathleen Kennedy, die lange mit Steven Spielberg produziert hatte, ob sie seine Firma Lucasfilm führen wolle - sie sagte zu. „Ich muss diese Firma so aufbauen, dass sie auch ohne mich funktioniert“, zitiert Taylor Lucas, und dazu gehörte nicht nur neues Personal, sondern am besten eben auch das, was die Firma einst groß gemacht hatte: Ein neuer Film.

          Lucas rief demnach dann wichtige Schauspieler der drei ursprünglichen Filme an - Mark Hamill, Carrie Fisher und Harrison Ford - und begann, mit ihnen über Rollen zu verhandeln. Am 1. Juni stellte Lucas hernach Kathleen Kennedy öffentlich als künftige Ko-Chefin seiner Firma Lucasfilm vor, dann rief er, so schreibt wiederum Taylor, Disney-Chef Iger an.

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          Disney wächst weiter

          Die beiden einigten sich schließlich auf einen Preis von insgesamt gut 4 Milliarden Dollar, die Disney an Lucas zahlte für sein Vermächtnis - die eine Hälfte bar, die andere Hälfte in Aktien. Disney bekam dafür nicht nur die Rechte an allen schon gezeigten Filmen und Figuren, sondern auch das, was sich Lucas über Episode VII ausgedacht hatte. Am 30. Oktober des Jahres 2012, nach Börsenschluss, teilte Disney schließlich mit, die Lucasfilm Ltd. zu kaufen zu besagtem Preis.

          Für den Micky-Maus-Konzern war dies eine weitere Milliarden-Übernahme in seiner jüngeren Vergangenheit. Im Jahr 2006 verleibte sich das Unternehmen für mehr als 7 Milliarden Dollar das Animationsfilm-Studio Pixar ein. Auch diese Firma zeichnete sich durch jahrelange Erfolge aus (zum Beispiel „Toy Story„ und „Wall-E“).

          Der verstorbene Apple-Mitgründer Steve Jobs hatte sie im Jahr 1986 für wenige Millionen Dollar gekauft und umbenannt. Und sie dann von einer Firma, die Computer mit einer Spezialsoftware für Trickfilme herstellte, zu einer Firma gemacht, die selbst Trickfilme produzierte. Zuvor firmierte Pixar übrigens unter dem Namen „Lucas Computer Division“ und war eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung in der Firma des George Lucas.

          Quelle: FAZ.NET

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