Home
http://www.faz.net/-gqe-743n7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Sperrmüll Das Geld steht auf der Straße

Sperrmüll ist interessant. Steht er auf der Straße, rücken Nachbarn, Passanten, Diebe und Profis an und räumen ab. Doch was machen sie mit dem alten Kram? Ein Feldversuch.

© Rosenkranz, Henner Vergrößern Montagvormittag: Der Fernseher muss raus

Der alte Röhrenfernseher soll das Lockmittel für die Sperrmüll-Jäger sein. Elektroschrott mögen sie besonders, habe ich gehört. Und das kommt mir gerade recht. Denn der sperrige kiloschwere Kasten steht jetzt schon seit mehr als einem Jahr in unserem Keller. Er funktioniert noch, allerdings sind alle Bilder grün. Das konnte ich irgendwann nicht mehr aushalten, ein neuer kam ins Haus. Den alten wegzuwerfen hat mein Freund dennoch nicht übers Herz gebracht. Er bekam ihn einst zum 16. Geburtstag, sein halbes Leben hat er mit ihm das Kinder- und später das Wohnzimmer geteilt.

Lisa Nienhaus Folgen:  

Doch jetzt reicht es, das sieht selbst mein Freund ein. Der Fernseher muss raus - und mit ihm das restliche Zeug, das unser schmales Kellerabteil im Frankfurter Nordosten bis obenhin verstopft, so dass kein Bobbycar mehr hereinpasst. Für Mittwochvormittag ist der Sperrmüll bestellt. Eigentlich darf man erst am Abend vorher rausstellen, damit die Straßen nicht vermüllen. Wir machen es schon Montagvormittag, schließlich will ich gemeinsam mit einer Kollegin beobachten, wer sich an unserem Kram zu schaffen macht. Wer stellt was dazu? Wer holt was ab? Und was machen die Leute damit? Drei Tage lang legen wir uns auf die Lauer, weil wir erfahren wollen, wie wertvoll unser Müll eigentlich noch ist.

Lieferwagen mit ausländischem Kennzeichen

Der Montagmorgen beginnt mit lautem Fluchen, denn Sperrmüll bestellen ist deutlich leichter, als Sperrmüll aus dem Haus tragen. Wir stellen auf die Straße: ein uraltes Regal und jede Menge Bretter, die uns der Vormieter hinterlassen hat, zwei hässliche Wäschekörbe, eine Schublade aus der alten Küche, eine kaputte Toilettenbrille, eine Kaffeemaschine, deren Kanne zerbrochen ist, zwei große Stücke Sisal-Teppich, die von der Neugestaltung unseres Flurs übrig geblieben sind, einen Satelliten-Receiver, einen defekten Staubsauger, einen leeren Farbeimer, jede Menge Kleinkram und natürlich den Fernseher.

Unser ältester Nachbar hat schon vor ein paar Tagen vorgearbeitet und seine halbe Wohnung auf die Straße entrümpelt. Stühle, Kisten, Koffer, Regale, teils noch original aus den 50er Jahren - unsere zwei Stapel sehen üppig aus, fast schon verlockend. Immer wieder verlangsamen die Passanten vor unserem Haus ihre Schritte, gucken - und gehen doch weiter. Immerhin, eine Nachbarin stellt etwas dazu: eine große Plastikplatte, die man auf den Holzboden vor dem Schreibtisch legt, um ihn vor Kratzern durch den Bürostuhl zu schützen.

Sperrmüll - Bei Bedarf und nach Absprache mit der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES)  wird im Stadtgebiet  Sperrmüll kostenlos abgeholt Unser Spermüll am Dienstag. Der Fernseher (rechts oben) ist immer noch da © Rosenkranz, Henner Bilderstrecke 

Kurz darauf macht sich ein junger Mann am Sperrmüll des Nachbarn zu schaffen, probiert, ob es der Klappstuhl noch tut (nein!) und ergreift die Flucht, als wir uns ihm nähern. Das war es bis zum Nachmittag. Wir langweilen uns. Und beschließen, das schöne Wetter im Park zu genießen und den Müll Müll sein zu lassen.

Bei der Rückkehr sieht zunächst alles aus wie gehabt, doch dann brechen wir in Geheul aus: der Satelliten-Receiver ist verschwunden und wir haben es verpasst. Unsere Nachbarn, eilig befragt, haben auch nichts Konkretes gesehen, ein Passant glaubt, gerade in der Gegend einen Lieferwagen mit ausländischem Kennzeichen gesichtet zu haben. Also stellen wir den Fernseher lieber über Nacht in die Wohnung. Schließlich geht die Observation erst am nächsten Morgen weiter. Dieses Mal lückenlos, so hoffen wir.

1 | 2 | 3 | 4 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Strafbare Abfallentsorgung Rastplätze als Müllkippen

Viele Autofahrer entsorgen ihren Hausmüll auf Parkplätzen oder werfen den Abfall einfach aus dem Fenster des Fahrzeugs. Die Kosten trägt die Allgemeinheit. Mehr Von Hans Riebsamen, Eppertshausen

24.03.2015, 12:35 Uhr | Rhein-Main
Avallon Filmreifer Juwelenraub in Frankreich

Es ist ein Juwelenraub wie aus einem Hollywoodfilm. Dienstagnacht überfielen mehrere Männer bei Avallon zwei Lieferwagen, die sie mit Baggern aufbrachen. Die Flucht gelang mit zwei Transportern und vier Sportwagen. Die Beute: Juwelen im Wert von neun Millionen Euro. Mehr

12.03.2015, 09:27 Uhr | Gesellschaft
Schmuckhersteller in Ba-Wü Es geht ums Gold

Schmuckhersteller wie der Traditionsbetrieb Wellendorff haben Pforzheim berühmt gemacht. Doch der Haushalt der Goldstadt ist klamm, die Arbeitslosenquote hoch - allerdings nicht wegen der Schmuckfabrikanten. Mehr Von Holger Paul

19.03.2015, 06:00 Uhr | Beruf-Chance
Frankreich Mann rast mit Van in Weihnachtsmarkt

Zum dritten Mal binnen weniger Tage ist es in Frankreich zu einem Anschlag gekommen, die Nervosität wächst. In Nantes ist ein Mann mit einem Lieferwagen in einen Weihnachtsmarkt gekracht. Anschließend versuchte der Mann, sich selbst zu erstechen. Mehr

23.12.2014, 12:27 Uhr | Gesellschaft
Eifel-Zoo in Lünebach Tierpflegerin päppelt Löwenbaby im Wohnzimmer auf

Im Eifel-Dorf Lierfeld zieht eine Zoo-Chefin ein Löwenbaby zu Hause auf. Die Mutter kümmerte sich nicht um ihren Nachwuchs. Jetzt ist Isabelle Wallpott die Ersatzmama. Mehr

16.03.2015, 15:01 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.11.2012, 12:10 Uhr

Facebooks Geschichte wiederholt sich

Von Patrick Bernau

Facebook wertet seinen Messenger auf: Der Konzern erobert die Smartphones. Das zeigt: Facebook kann seine Macht vervielfältigen. Mehr 3 6


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --