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Sperrmüll Das Geld steht auf der Straße

 ·  Sperrmüll ist interessant. Steht er auf der Straße, rücken Nachbarn, Passanten, Diebe und Profis an und räumen ab. Doch was machen sie mit dem alten Kram? Ein Feldversuch.

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© Rosenkranz, Henner Vergrößern Montagvormittag: Der Fernseher muss raus

Der alte Röhrenfernseher soll das Lockmittel für die Sperrmüll-Jäger sein. Elektroschrott mögen sie besonders, habe ich gehört. Und das kommt mir gerade recht. Denn der sperrige kiloschwere Kasten steht jetzt schon seit mehr als einem Jahr in unserem Keller. Er funktioniert noch, allerdings sind alle Bilder grün. Das konnte ich irgendwann nicht mehr aushalten, ein neuer kam ins Haus. Den alten wegzuwerfen hat mein Freund dennoch nicht übers Herz gebracht. Er bekam ihn einst zum 16. Geburtstag, sein halbes Leben hat er mit ihm das Kinder- und später das Wohnzimmer geteilt.

Doch jetzt reicht es, das sieht selbst mein Freund ein. Der Fernseher muss raus - und mit ihm das restliche Zeug, das unser schmales Kellerabteil im Frankfurter Nordosten bis obenhin verstopft, so dass kein Bobbycar mehr hereinpasst. Für Mittwochvormittag ist der Sperrmüll bestellt. Eigentlich darf man erst am Abend vorher rausstellen, damit die Straßen nicht vermüllen. Wir machen es schon Montagvormittag, schließlich will ich gemeinsam mit einer Kollegin beobachten, wer sich an unserem Kram zu schaffen macht. Wer stellt was dazu? Wer holt was ab? Und was machen die Leute damit? Drei Tage lang legen wir uns auf die Lauer, weil wir erfahren wollen, wie wertvoll unser Müll eigentlich noch ist.

Lieferwagen mit ausländischem Kennzeichen

Der Montagmorgen beginnt mit lautem Fluchen, denn Sperrmüll bestellen ist deutlich leichter, als Sperrmüll aus dem Haus tragen. Wir stellen auf die Straße: ein uraltes Regal und jede Menge Bretter, die uns der Vormieter hinterlassen hat, zwei hässliche Wäschekörbe, eine Schublade aus der alten Küche, eine kaputte Toilettenbrille, eine Kaffeemaschine, deren Kanne zerbrochen ist, zwei große Stücke Sisal-Teppich, die von der Neugestaltung unseres Flurs übrig geblieben sind, einen Satelliten-Receiver, einen defekten Staubsauger, einen leeren Farbeimer, jede Menge Kleinkram und natürlich den Fernseher.

Unser ältester Nachbar hat schon vor ein paar Tagen vorgearbeitet und seine halbe Wohnung auf die Straße entrümpelt. Stühle, Kisten, Koffer, Regale, teils noch original aus den 50er Jahren - unsere zwei Stapel sehen üppig aus, fast schon verlockend. Immer wieder verlangsamen die Passanten vor unserem Haus ihre Schritte, gucken - und gehen doch weiter. Immerhin, eine Nachbarin stellt etwas dazu: eine große Plastikplatte, die man auf den Holzboden vor dem Schreibtisch legt, um ihn vor Kratzern durch den Bürostuhl zu schützen.

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© Rosenkranz, Henner Vergrößern Unser Spermüll am Dienstag. Der Fernseher (rechts oben) ist immer noch da

Kurz darauf macht sich ein junger Mann am Sperrmüll des Nachbarn zu schaffen, probiert, ob es der Klappstuhl noch tut (nein!) und ergreift die Flucht, als wir uns ihm nähern. Das war es bis zum Nachmittag. Wir langweilen uns. Und beschließen, das schöne Wetter im Park zu genießen und den Müll Müll sein zu lassen.

Bei der Rückkehr sieht zunächst alles aus wie gehabt, doch dann brechen wir in Geheul aus: der Satelliten-Receiver ist verschwunden und wir haben es verpasst. Unsere Nachbarn, eilig befragt, haben auch nichts Konkretes gesehen, ein Passant glaubt, gerade in der Gegend einen Lieferwagen mit ausländischem Kennzeichen gesichtet zu haben. Also stellen wir den Fernseher lieber über Nacht in die Wohnung. Schließlich geht die Observation erst am nächsten Morgen weiter. Dieses Mal lückenlos, so hoffen wir.

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