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Sheryl Sandberg Frauen, seid nicht so demütig!

Geht es nach Forbes, ist sie mächtiger als Michelle Obama und steht auf einer Stufe mit Kanzlerin Merkel und IWF-Chefin Lagarde. Sheryl Sandberg verdiente mit Facebook Milliarden. Im Interview spricht sie über Karriere und Kinder, den richtigen Mann und ihr Vorbild Angela Merkel.

© Gyarmaty, Jens Vergrößern Sheryl Sandberg ist Geschäftsführerin bei Facebook

Sheryl Sandberg ist ein Weltstar. Als rechte Hand von Mark Zuckerberg lenkt sie die Geschäfte von Facebook: Mehr als eine Milliarde Menschen sind darüber vernetzt. Mit dem Gang an die Börse wurde Sandberg zur Milliardärin, Vorbild für viele junge Frauen war sie bereits zuvor. Lange schon wollte ich sie treffen, spätestens seit sie vor zwei Jahren in Davos von der Wirtschaftselite mit Standing Ovations gefeiert wurde für ihren Vortrag über Frauen und Karriere. Jetzt hat die 43 Jahre alte Managerin mit diesen Ideen ein Buch veröffentlicht, „eine Art feministisches Manifest“, wie sie sagt. Eine halbe Stunde gewährt sie mir. Sie kommt direkt von einem Treffen mit Angela Merkel. Draußen warten etliche weitere Journalisten. Es muss fix gehen.

Sheryl Sandberg, warum haben Sie, die Mrs. Facebook, ein Buch über Frauen und Karriere geschrieben?

Meine kleine Tochter hat mich mal gefragt, warum eigentlich alle amerikanischen Präsidenten Jungs waren. „Komisch, nicht wahr“, habe ich ihr geantwortet. „Ich hoffe, das ist nicht mehr so, wenn du groß bist.“ Und da wusste ich: Es ist Zeit, dass jemand über das Thema schreibt.

Aber warum Sie? Lastet die Arbeit bei Facebook Sie nicht aus?

Oh doch. Aber ich möchte, dass mehr Frauen im Beruf bleiben, dass es mehr Frauen ganz nach oben schaffen. Ich bin überzeugt davon, dass die Welt besser wäre, wenn Männer mehr Verantwortung daheim übernehmen würden und Frauen mehr in der Wirtschaft und der Politik. Wenn ein Land zur Hälfte von Männern und Frauen regiert würde, wäre das besser für das Land und seine Bewohner, da bin ich mir sicher. Das Gleiche gilt in Unternehmen.

Sheryl Sandberg - Die Geschäftsführerin von Facebook, einer amerikanischen Komunikationsplattform im Internet, stellt sich in Berlin den Fragen von Bettina Weiguny © Gyarmaty, Jens Vergrößern Mit dem Börsengang von Facebook verdiente sie Milliarden

Ihr Buch heißt „Lean in“, salopp übersetzt bedeutet das: Hängt euch rein, Mädels! Was meinen Sie damit?

Im Englischen haben wir ein Wort für kleine Mädchen, die sich nicht zurückhalten, die vorlaut sind, nicht der Rolle entsprechen, die die Gesellschaft für sie vorsieht: Bossy nennt man sie. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich wurde immer bossy genannt. Auf meiner eigenen Hochzeit haben meine Geschwister eine Geschichte zum Besten gegeben, wie ich war als Kind.

Die Geschichte, die jetzt kommt, hat Sandberg schon häufig erzählt, ich kenne sie. Sie erzählt in Davos, an Universitäten, auf IT-Konferenzen. Es ist eine Anekdote, die ihr stets viele Lacher einbringt.

In ihrer Rede haben mein Bruder und meine Schwester erzählt, dass sie nicht nur meine Geschwister seien, sondern auch meine ersten beiden Mitarbeiter. Als sie ein und drei Jahre alt waren, hätten sie sich noch als ziemlich untauglich erwiesen, doch drei Jahre später hätte ich sie so weit gedrillt, dass sie mir überall hin folgten und immer „bravo“ riefen, wenn ich es hören wollte. Sie erzählten auch, dass ich nie selbst gespielt habe, sondern mir nur Spiele für andere Kinder ausgedacht habe, die ich dann anleiten und kommentieren konnte. Unsere Hochzeitsgäste haben sehr gelacht, nur ich habe mich unwohl gefühlt.

Sandbergs Buch und ihre Reden sind gespickt mit Anekdoten: Wie sie während einer Telefonkonferenz für ihr Baby Milch abpumpt und sich ein Kollege über das Geräusch wundert, wie unförmig sie während der Schwangerschaft war, dass sie kaum den Weg vom Parkplatz bis zum Büro schaffte und Kollegen ein Projekt nach ihr „Wal“ benannten.

Ist die Geschichte wirklich wahr?

Ja, peinlich war das.

Wenn Ihnen das peinlich ist, warum erzählen Sie es dann?

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