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Sexismus-Debatte „Nimm sie in deine Abteilung, dann darf ich auch mal“

 ·  Wie viele anzügliche Bemerkungen müssen Frauen im Berufsleben über sich ergehen lassen? Viele - das legt zumindest der Erfahrungsbericht einer Managerin nahe, die lieber anonym bleiben will.

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„Für meine Karriere war es ein unschätzbarer Vorteil, so auszusehen, wie ich aussehe.“ Die Frau, die das sagt, ist Managerin in einem großen deutschen Unternehmen. Und sie hat ihren Aufstieg, so empfindet sie es zumindest, nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, dass sie eher groß und eher kräftig ist, keine Schönheit, der die Männer nachpfeifen. Sie ist präsent, aber sie wird nicht begehrt. Das ist ihr Vorteil.

„Ganz oben: Aus dem Leben einer weiblichen Führungskraft“ heißt das Buch, in dem diese Managerin ihre Erfahrungen aus den männlich dominierten Chefetagen schildert – aus Angst um ihre Karriere anonym. Vor wenigen Tagen ist das Buch im C.H. Beck Verlag erschienen, der Zeitpunkt könnte nicht besser sein. Seit eine junge Stern-Journalistin berichtete, dass FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle ihren Brüsten Dirndl-Tauglichkeit attestierte, diskutiert das Land, wie verbreitet und wie deplaziert derlei Anzüglichkeiten sind. 

Frau A, so nennt sich die Autorin, hat zu dieser Diskussion etliche Anekdoten beizusteuern. Da ist zum Beispiel die Praktikantenauswahl in ihrem Unternehmen. Die männlichen Führungskräfte würden zunächst die Fotos auf den Bewerbungen sichten („Nee, die nicht“). Erst nach der optischen folge dann die fachliche Qualifikation. „Man sucht also die Beste unter den Hübschen.“

Gut aussehende Mitarbeiterinnen würden zwischen den Abteilungen wie Pokale gehandelt. „Nimm du sie in deine Abteilung, dann darf ich auch mal, denn in der eigenen Abteilung kommt das nicht gut“ - unverhohlen seien solche Bemerkungen gefallen.

Auch ein Kapitel zum Thema Alkohol darf nicht fehlen, zu jenen Männern, die auf Abendveranstaltungen zu viel trinken, zu ihren derben Witzen und Flirtversuchen mit Kellnerinnen. „Der Balanceakt besteht für mich an diesen Abenden darin, so zu tun, als ob ich mittränke, und mitzulachen, ohne wirklich amüsiert zu sein, um nicht als Spielverderber zu gelten.“

Teils amüsant, teils erschreckend, so liest sich dieses Buch, ein Streifzug durch die Auswüchse männlicher Monokulturen. Und doch krankt „Ganz oben“ ein wenig daran, dass es wie eine Aneinanderreihung aller verfügbaren Klischees wirkt. Männer unterhalten sich über Sport und Autos. Männer akzeptieren Frauen nicht als Verhandlungspartner. Männer beauftragen Frauen, sich um den Kaffee  zu kümmern. Hier die Bösen, da die Guten – ganz so einfach ist es dann vielleicht doch nicht.

Selbst die Lektorin kennt die Autorin nicht

Frau A arbeite in einem international tätigen Unternehmen, aber nicht in einem Dax-Konzern – mehr sagt der Verlag nicht über seine Autorin. Selbst die zuständige Lektorin kennt ihre Identität nicht. Das Manuskript kam über eine Vermittlungsagentur, alles sei sehr glaubwürdig, versichert die Lektorin. Doch es bleiben Zweifel. Wie viel Wahrheit, wie viel Dichtung steckt in „Ganz oben“?

In den beruflichen Männerreservaten, so das Fazit des Buches, lebe so manche Verhaltensform weiter, die gesellschaftlich längst als überholt gelte. Diese Erfahrung eint offenkundig viele Frauen, das zeigen die unzähligen Beiträge auf Twitter über andere Herrenwitze, andere Brüderles. „Ich will nicht als anstrengende Emanze gelten, weil ich das auch nicht bin“, schreibt Frau A. Sie will nur, dass ein paar männliche Selbstverständlichkeiten nicht mehr ganz so selbstverständlich sind.

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