http://www.faz.net/-gqe-8c7uj

Bunte Wirtschaft : Damit verdient man Geld?

Schätze aus dem Trüben: Der Golfballtaucher Sascha Kruse aus Schleswig-Holstein im Einsatz Bild: Henning Bode

Wirtschaft ist mehr als Deutsche Bank und Siemens. Manchmal braucht es nur eine kreative Idee und ein Geschäftsmodell ist geboren. Zum Beispiel Golfballtauchen. Sechs Paradiesvögel zeigen, was möglich ist.

          Unsere Volkswirtschaft besteht auch nicht nur aus Handwerkern und Landwirten, Angestellten und Managern, die auf alten Wegen gehen. Immer wieder finden Menschen ihr Auskommen – und nicht selten auch ihr Glück – mit ausgefallenen Geschäftsideen.

          Bernd  Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Mal aus Zufall, mal aus Kalkül und mal aus einer Leidenschaft heraus entstehen kleine lebendige Firmen. Ob Golfballtaucher, Traktorfilmer oder Wurmzüchter – die Welt der Wirtschaft ist bunt.

          Golfballhandel: Tauchen statt Putten

          Sascha Kruse ist so etwas wie ein Klassiker unter den Menschen, die eine außergewöhnliche Idee zu ihrer Geschäftsgrundlage gemacht haben. Wie kommt man auch darauf, nach Golfbällen zu tauchen? Wer mit dem zugänglichen Mann aus der schleswig-holsteinischen Provinz spricht, wundert sich bald, wie man sich über seine Idee noch wundern kann. Mit einem Mal erscheint alles folgerichtig. Mit 13 schon sammelt er Golfbälle auf dem benachbarten „Gut Kaden“ – einer schicken Golfanlage in Alveslohe, nördlich von Hamburg. Als Schüler verkauft er die Bälle und bessert so sein Taschengeld auf. Weil viele Bälle in Tümpeln landen, kauft er sich einen gebrauchten Neopren-Anzug, um sie aus dem Wasser zu fischen. So kommt eines zum anderen: Er macht einen Tauschschein, 2003 meldet er ein Nebengewerbe an, 2007 kündigt der heute 41-Jährige schließlich seine Stelle als Kaufmann in einer Sportartikelfirma und verkauft seither auf seinem Onlineshop Golfball Comeback hauptberuflich gebrauchte Golfbälle.

          Golfballtaucher: Sascha Kruse
          Golfballtaucher: Sascha Kruse : Bild: Finn Radtke

          40 Anlagen betaucht er, etwa 150.000 Bälle fischt er jedes Jahr aus dem Trüben. Trüb seien die Tümpel tatsächlich, unter Wasser sehe er trotz Lampe fast nichts. „Alles was sich hart anfühlt und rund, packe ich in mein Netz.“ Kontrolliert wird dann an Land. Handys habe er schon gefunden, Schlüssel, Schläger, sogar einen Trolley. Mit dem Suchen ist es freilich nicht getan. Er reinigt die Bälle in einer Golfballwaschmaschine aus Amerika, dann werden sie getrocknet und sortiert. Etwa ein Drittel des Neupreises kosten die Bälle, sagt er. Den 400er Pack Markenmix „der beliebteste Artikel im Sortiment“, gibt es für 100 Euro, also für 25 Cent je Ball. Besondere Bälle sortiert Kruse aus, das lohne sich. Denn vor allem erfahrenere Golfspieler legten Wert auf Marken. Für einen „Callaway HEX Black“ muss der Kunde im 25er Pack schon 2 Euro bezahlen. Mittlerweile gebe es zwar Konkurrenz, um die Nachfrage mache er sich aber keine Sorgen: „Nach dem ersten Schlag“, sagt er, „ist jeder Ball ein gebrauchter Ball.“

          Lego-Recycling: Kultsteinchen für Sammler

          Christoph Blödner verdankt seinen geschäftlichen Erfolg wie manch anderer dem Online-Marktplatz Ebay. Der Sachse ist einer von 175.000 gewerblichen Verkäufern, die auf der Handelsplattform gemeldet sind: vom Studenten, der mit dem Verkauf von gebrauchten DVDs die Haushaltskasse aufbessert, bis zu großen Einzelhändlern wie Saturn. Blödner, Anfang 30, verkauft den Großteil seiner Ware mittlerweile über die eigene Plattform bricksy.com. Nur beim Einkauf spielt Ebay noch immer eine wichtige Rolle. Denn wo sonst findet man einfacher große Mengen alter Legosteine? Christoph Blödner handelt mit gebrauchten Legos. Im Herbst 2005 – Blödner studiert Wirtschaftsingenieurwesen in Dresden – braucht er Geld und verkauft deshalb kurzerhand seine alten Legosteine über Ebay. Für 15 Kilogramm bekommt er 500 Euro, sein Geschäftssinn ist geweckt. Bald sucht er gezielt nach alten Steinen, der Handel wächst.

          Weitere Themen

          Veritabler Bremer Fehlstart

          1:2 gegen Schalke : Veritabler Bremer Fehlstart

          Auch das Führungstor von Sané reicht Bremen nicht. Werder bringt sich mit einem Eigentor um den Lohn und verliert gegen Schalke in der Schlussphase noch 1:2. Kruse erleidet einen Schlüsselbeinbruch.

          Der Star-Wars-Millenium-Falke Video-Seite öffnen

          Lego : Der Star-Wars-Millenium-Falke

          Der neue Star Wars Millennium Falcon von Lego ist der größte Bausatz des Spieleherstellers: Mehr als 7500 Teile und ein stolzer Preise - den Sammler aber sicher zahlen werden.

          Bauer-Power

          Traktor-Miniaturen : Bauer-Power

          Zugkraft für Kinderzimmer und Sammlervitrine: Traktorminiaturen sind die beliebtesten Fahrzeugmodelle überhaupt. Diese Geschichte in Blech und Plastik reicht hundert Jahre zurück.

          Innovation in 24 Stunden Video-Seite öffnen

          me Convention : Innovation in 24 Stunden

          Beim Hackathon auf der „me Converntion“ treten zwölf Teams junger Talente gegeneinander an. Gesucht werden neue Ideen für die Autobranche, gebaut wird zuweilen auch mit Lego. Kann so spielerisch wirklich Ernsthaftes entstehen?

          Topmeldungen

          Teilnehmer einer NPD-Kundgebung in Bautzen im Mai 2017.

          Zusammenarbeit mit der NPD : Wie rechts ist Bautzen wirklich?

          Ein stellvertretender CDU-Landrat aus Bautzen hat in Asylfragen mit Neonazis kooperiert – und wird dafür von mehreren lokalen Politikern gelobt. Denn die angespannte Lage in der Stadt hatte sich danach beruhigt.

          UN-Vollversammlung : Iran entsetzt über „ignorante Hassrede“

          Mit seiner Rede vor der UN hat Donald Trump für Entsetzen gesorgt – und viel Applaus seiner Basis eingeheimst. Einer der vom amerikanischen Präsidenten Kritisierten wird heute die Antwort auf die Vorhaltungen liefern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.