Home
http://www.faz.net/-gqe-73wko
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Schuldenkrise Spanischer Milliardär spendet für die Armen

Die Krise lässt die Zahl der Hilfsbedürftigen in Spanien steigen. Jetzt gibt der reichste Mann des Landes der Caritas deshalb 20 Millionen Euro.

© dapd Barmherzigkeit: Lebensmittelausgabe der Caritas in Valencia

Amancio Ortega, der reichste Mann Spaniens, hat ein gutes Beispiel gegeben und der katholischen Hilfsorganisation Caritas 20 Millionen Euro gespendet. Der Gründer des internationalen Textilunternehmens Inditex, der mit einem geschätzten Vermögen von rund 40 Milliarden Euro als drittreichster Mann der Welt hinter dem Mexikaner Carlos Slim und dem Nordamerikaner Bill Gates gilt, gab diese größte Spende in der Geschichte der Caritas über seine eigene Stiftung. Sie unterstützt seit mehr als zwanzig Jahren verschiedene Wohltätigkeitsorganisationen.

Leo Wieland Folgen:

Ortega, der das Geld insbesondere für Lebensmittel, Medikamente, Obdach und Schulbücher eingesetzt sehen will, ist eine Ausnahmeerscheinung unter den reichen Spaniern. Denn noch ist es in Spanien kaum üblich, Hilfsorganisationen mit wirklich nennenswert hohen Spenden zu unterstützen.

Caritas half 1,8 Millionen Bedürftigen

Die Caritas spielt unter diesen Organisationen schon seit dem Beginn der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 eine zunehmend wichtige Rolle. Nach den jüngsten Angaben von Generalsekretär Sebastián Mora half sie im vorigen Jahr allein 1,8 Millionen bedürftigen Spaniern und Immigranten.

Für 2011 hatte die Caritas dafür ein Budget von 250 Millionen Euro, zwei Drittel davon dank kleiner und mittelgroßer Spenden von Privatleuten. Die katholische Kirche trug 5 Millionen Euro bei. Die staatliche Hilfe sank angesichts der Sparzwänge der Regierung auf unter ein Drittel. Für dieses Jahr ist daher die Spende Ortegas ein unerwartet kräftiges Plus.

Zara-Gründer Amancio Ortega © dpa/dpaweb Vergrößern Zara-Gründer Amancio Ortega

Nach den jüngsten offiziellen Zahlen des Madrider Sozial- und Gesundheitsministeriums für das Jahr 2010 halfen die Sozialdienste damals schon insgesamt acht Millionen bedürftigen Spaniern. Diese Zahl dürfte inzwischen noch einmal um etwa 20 Prozent gestiegen sein.

Durch Zwangsräumungen von Wohnungen und Häusern, für welche die Eigentümer die Hypotheken nicht mehr bezahlen konnten, stieg insbesondere auch die Obdachlosigkeit. Nach neuesten Schätzungen verlieren täglich bis zu dreihundert Spanier ihre Unterkunft.

Mehr zum Thema

Zu dem spanischen Krisenpanorama, das sich frühestens Ende kommenden Jahres mit bescheidenem neuen Wirtschaftswachstum wieder etwas aufhellen dürfte, gehört vor allem die in den Ländern der europäischen Währungsunion beispiellos hohe Arbeitslosenquote von gegenwärtig rund 25 Prozent. In fast zwei Millionen Haushalten sind alle Mitglieder ohne reguläre Beschäftigung.

Nach einer vor kurzem in Tokio veröffentlichten Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF), die sich auf den Gini-Index stützt, ist Spanien nach Litauen das EU-Land, in dem während der Krisenjahre die soziale Ungleichheit am meisten zugenommen hat. Dies bestätigen auch die Daten der europäischen Statistikbehörde, die Spanien im Blick auf die Kluft zwischen Arm und Reich mit einem Indexwert von 7,5 - der EU-Durchschnitt liegt bei 5,7 - sogar absolut an die Spitze setzen.

Ohne Arbeit

Fünf Jahre nach dem Beginn der Wirtschaftskrise in Spanien hat die Arbeitslosenquote den historischen Rekordstand von 25,02 Prozent erreicht. Die Zahl der Beschäftigungslosen stieg nach den am Freitag veröffentlichten Daten im dritten Quartal des Jahres abermals um mehr als 80.000 auf 5,79 Millionen.

Vor allem in der Baubranche, im Dienstleistungsgewerbe und in der Landwirtschaft gingen Arbeitsplätze verloren. Die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen unter 25 Jahren liegt jetzt bei 52,3 Prozent.

Der Vorsitzende der Gewerkschaf CCOO, Ignacio Fernández Toxo, forderte einen grundsätzlichen wirtschaftspolitischen Kurswechsel. Für den 14. November haben die spanischen Gewerkschaften den zweiten Generalstreik dieses Jahres angekündigt.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Jeb Bush Die meisten Dollars für die besten Gene

Mel Sembler ist mit Einkaufszentren reich geworden. Jeb Bush half er, die Wahlkampfkasse mit den ersten hundert Millionen Dollar zu füllen. Für den Millionär aus Florida steht fest: Das Land braucht diese Familie. Mehr Von Andreas Ross, Washington

18.07.2015, 16:11 Uhr | Politik
Reichster Mensch der Welt Bill Gates: Drei Milliarden Euro reicher

Er ist es schon wieder: Bill Gates ist zum wiederholten Mal vom amerikanischen Forbes-Magazin zum reichsten Mensch der Erde gekürt worden. Laut Forbes-Magazin steigt die Zahl der Superreichen weltweit – Deutschland ist dabei das Land mit den drittmeisten Milliardären. Mehr

03.03.2015, 17:04 Uhr | Gesellschaft
Gemeinnütziges Weihnachten im Schuhkarton fehlen Geldspenden

Weihnachten im Schuhkarton - eine Geschenkidee für arme Kinder. Die Kartons werden gern gepackt. Doch mit den Geldspenden hapert es. Mehr

30.07.2015, 06:14 Uhr | Wirtschaft
Korruptions-Skandal WM mit Schmiergeldern nach Südafrika geholt

Der frühere Fifa-Funktionär Chuck Blazer hat Südafrika beschuldigt, die WM mit Schmiergeldern ins Land geholt zu haben. 10 Millionen Dollar hat das Land an Jack Warner bezahlt. Das soll aber keine Bestechung gewesen sein, sondern eine Spende. Mehr

04.06.2015, 10:24 Uhr | Sport
Musikfestival in Portugal Mozart mit Wind und Wäscheklammern

Eine Radtour führte den Dirigenten Christoph Poppen vor drei Jahren auf die portugiesische Festung Marvão. Jetzt gibt es hier ein Musik-Festival. Mehr Von Leo Wieland, Marvão

30.07.2015, 11:30 Uhr | Gesellschaft

Veröffentlicht: 26.10.2012, 15:13 Uhr

Die Zweifel des IWF

Von Tobias Piller

Der IWF stellt seine Beteiligung an einem neuen Rettungspaket für Griechenland immer heftiger in Frage. Damit wankt das fragile Rettungsgleichgewicht. Mehr 10 20


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Hände weg vom Steuer

Einsteigen, das Ziel eingeben und sich vom Auto ans Ziel bringen lassen – ein Drittel der Deutschen kann sich das vorstellen. Vor allem junge Menschen sind offen für selbstfahrende Autos. Mehr 1