Es klingt wie ein schlechter Scherz: Drei Ryanair-Flugzeuge mussten Ende Juli an einem einzigen Tag auf dem Flughafen im spanischen Valencia notlanden. Der Grund der Pannenserie: Die Ferienflieger von Europas größter Billigfluggesellschaft waren wegen eines Unwetters über Madrid nach Valencia umgeleitet worden.
Nun hatten sie nur noch für 30 Minuten Treibstoff im Tank, nachdem sie teilweise mehr als eine Stunde Warteschleifen über dem überlasteten Flughafen gezogen hatten. Das zwang die Piloten laut Vorschrift zum „Mayday“- Funkspruch an die Fluglotsen am Boden. Spart Ryanair jetzt sogar schon am Sprit für seine Flugzeuge?
Luftfahrtaufsicht untersucht Notlandungen
Wenn es darum geht, die Kosten zu senken, ist dem obersten Sparpilot des Billigfliegers alles zuzutrauen. Michael O’Leary ist Europas erfolgreichster Luftfahrtmanager. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat er mit einem Niedrigkosten-Geschäftsmodell aus einem winzigen irischen Unternehmen eine schlagkräftige und profitable Airline aufgebaut.
O’Leary hat mit Ryanair die Hierarchie in der Luftfahrtbranche auf den Kopf gestellt: Rund 6 Milliarden Euro war das Unternehmen am Donnerstag an der Börse wert - ein Viertel mehr als die Deutsche Lufthansa, fast fünfmal so viel wie Air France KLM. Inzwischen untersucht die spanische Luftfahrtaufsicht die erst in dieser Woche bekanntgewordenen Notlandungen von Valencia. Die Pilotenvereinigung Cockpit kritisiert Ryanair. Flugkapitäne würden „psychologisch unter Druck gesetzt“, Sprit zu sparen, sagte ein Sprecher. Die Zeitung Irish Independent zitiert aus einem internen Rundschreiben der Airline an ihre Piloten, in dem diese ermahnt werden, „keinen überschüssigen Treibstoff“ mitzuführen, denn der zusätzliche Ballast würde das Gewicht des Flugzeugs und damit die Kosten steigern. „Das ist nicht die Geschäftspolitik von Ryanair, völlig unakzeptabel und nicht das, wofür Sie bezahlt werden“, heißt es in dem Schreiben. Ryanair-Chef O’Leary ist der verrückteste Vogel am europäischen Luftfahrthimmel.
„Der Kunde hat immer Recht? Bullshit“
Was anderen Spitzenmanagern nie über die Lippen kommen würde - der Ire spricht es offen aus und seine Wortwahl ist oft drastisch. Aufsichtsbehörden hat er in der Vergangenheit schon als „Vergewaltiger“ beschimpft, Unternehmensberater, die ihm erklären wollen, wie er sein Geschäft betreiben solle, würde er gerne „einschläfern“. Selbst vor den eigenen Kunden macht O’Learys Furor nicht halt: „Der Kunde hat immer Recht? Bullshit. In der Regel liegt der Kunde falsch.“ Die Grenzen zum Slapstick sind fließend.
In seiner Kosten-Obsession hat der drahtig sportliche O’Leary bereits angekündigt, eine „Fettsteuer“ für übergewichtige Passagiere einzuführen. Er empfiehlt seinen Stewardessen Diät zu halten und erwog, weniger Bordtoiletten in seine Maschinen einbauen zu lassen, um mehr Sitze unterzubringen. Selbst Copiloten hielt er schon mal für überflüssig. Verwirklicht wurde von diesen Spar-Wunschträumen kein einziger - und darum geht es O’Leary wohl auch gar nicht. Die Sprüche, die ihn regelmäßig in die Schlagzeilen bringen, sind vor allem eine ziemlich unorthodoxe Form der Öffentlichkeitsarbeit. Einzige Werbebotschaft: Ryanair ist die effizienteste Fluggesellschaft.
Womöglich hört die Freude am Geldsparen auf
Was die drei Notlandungen angeht, will sich die Fluggesellschaft keiner Schuld bewusst sein. Man habe sich „in vollem Umfang“ an die Sicherheitsvorschriften im europäischen Luftverkehr gehalten und werde die spanischen Behörden bei ihrer Untersuchung unterstützten, teilte das Unternehmen mit. Tatsächlich gibt es in anderen Belangen keine Belege dafür, dass Ryanair in Sachen Sicherheit faule Kompromisse eingeht: Die Airline verfügt über eine der modernsten Flugzeugflotten in der Branche - vor allem deshalb, weil die neuesten Flugzeuge am wenigsten Treibstoff verbrauchen.
Mit der Wartung hat das Unternehmen die Technik-Sparte der Deutschen Lufthansa beauftragt, ein Qualitätsgarant. Trotzdem könnten die Zwischenfälle in Spanien für Ryanair gefährlich werden. Die zwanghafte Enge zwischen den Stuhlreihen, hohe Extragebühren für Aufgabegepäck und schikanöse Größen-Kontrollen des Handgepäcks nehmen die Kunden des Billigfliegers in Kauf, solange der Preis stimmt.
Aber wenn Zweifel an den Sicherheitsstandards von Ryanair aufkommen sollten, hört womöglich für viele der Spaß und die Freude am Geldsparen auf. Der starke Mann von Ryanair mag zwar Flugpassagiere, die seine Bordtoiletten benutzen, als „inkontinent“ beschimpfen. Aber angewiesen ist er trotzdem auf sie.
Einfach zu viele Unannehmlichkeiten!
Norbert Zimmermann (NorbertZET)
- 17.08.2012, 12:05 Uhr
Der Forist Thomas R. Schulze hat Recht!
Closed via SSO (wool-web)
- 17.08.2012, 10:44 Uhr
Sprit an Bord
Peter Hausberger (compert)
- 17.08.2012, 09:16 Uhr
Kraftstoffreserve
Pawel Hener (P.hener)
- 17.08.2012, 09:04 Uhr
Ryanair
Andreas Webs (andreaswebs)
- 17.08.2012, 08:26 Uhr