Home
http://www.faz.net/-gql-7435p
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

René Benko Haftstrafe für ehemaligen Kaufhof-Interessenten

Einst wollte er den Kaufhof kaufen: René Benko. Jetzt hat er eine Bewährungsstrafe bekommen: wegen eines Korruptionsdeliktes.

© Godany, Jacqueline Vergrößern Immobilien-Investor René Benko.

In einem für österreichische Verhältnisse ungewöhnlich rasch anberaumten Prozess ist der österreichische Immobilienentwickler und frühere Interessent für die Warenhauskette Kaufhof, René Benko (35 Jahre), wegen eines Korruptionsdelikts vom Wiener Straflandesgericht zu einem Jahr Haft auf Bewährung (innerhalb von drei Jahren) verurteilt worden.

Michaela Seiser Folgen:  

Ebenso wurde dessen Steuerberater Michael Passer am ersten Verhandlungstag wegen des Versuchs der verbotenen Intervention verurteilt. Die Vorsitzende Richterin Marion Zöllner sah es als erwiesen an, dass Benko seinen Freund Passer 2009 beauftragt hatte, in einer italienischen Steuersache der von Benko kontrollierten Immobiliengesellschaft Signa-Holding über den kroatischen früheren Premier Ivo Sanader in Italien zu intervenieren. Dafür hätte Sanader 150.000 Euro kassieren sollen.

„Musterfall für Korruption“

Die beiden Verurteilten meldeten sofort „volle Berufung“ gegen das Urteil an, der Staatsanwalt gab zunächst keine Erklärung ab. Damit sind die Schuldsprüche nicht rechtskräftig. Es sei „ein Musterfall für Korruption“, bei dem es ausnahmsweise eine „schriftliche Vereinbarung“ gab, begründete die Richterin den Schuldspruch.

Passer betonte, dass er die Vereinbarung auf eigene Faust mit Sanader geschlossen hätte. Bei einem Gespräch habe Benko ihm beiläufig über die Steuerschwierigkeiten der Signa-Gruppe in Italien erzählt. Er wollte Benko einen Freundschaftsdienst erweisen und sprach deshalb mit Sanader. Dieser erzählte damals, dass er den damaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi treffen werde.

Mildernd: Tat wurde nur versucht, nicht ausgeführt

Passer erhoffte sich davon, dass Sanader über Berlusconi zu Informationen kommen könne, um der Signa-Gruppe in dem schon zwei Jahre andauernden Strafverfahren zu helfen. Sanader habe auf einem schriftlichen Vertrag bestanden, betonte Passer. Darin hat Passer Sanader Geld versprochen, falls das Steuerverfahren „zu einem positiven Ende“ für die Signa-Gruppe kommt.

Benko sprach im Prozess von „relativ abenteuerlichen“ Vorwürfen. An Einzelheiten konnte sich Benko nicht mehr erinnern, er habe jährlich rund 2000 Termine. Die Richterin berücksichtigte in den Strafmaßen mildernd, dass die Tat nur versucht wurde und die beiden Angeklagten bisher unbescholten waren. Erschwerend wertete sie die angebotene Geldsumme. Ins Visier der Anklagebehörde ist Benko im Zuge der Ermittlungen wegen eines Geldwäscheverdachts gegenüber Sanader vor einem Jahr geraten. Die Staatsanwaltschaft hatte im August Anklage erhoben.

Mehr zum Thema

Benko hatte in den zurückliegenden Jahren einen rasanten Aufstieg als Immobilienentwickler in Österreich und auch in Deutschland. Im Beirat der Signa Holding sind zahlreiche bekannte Personen, darunter Wendelin Wiedeking, ehemaliger Vorsitzender der Porsche Automobil Holding SE.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Napolitano zurückgetreten Hört die Signale

Der 89 Jahre alte Staatspräsident Giorgio Napolitano hat offiziell seinen Rücktritt erklärt. Das italienische Parlament hat nun zwei Wochen Zeit, um einen Nachfolger für den Vater der Nation zu finden. Mehr Von Jörg Bremer, Rom

14.01.2015, 10:54 Uhr | Politik
Urteilsbegründung auf Freitag vertagt

Die zuständige Richterin hat die Urteilsbegründung im Prozess gegen den südafrikanischen Sprinter Oscar Pistorius auf Freitag vertagt. Vor dem Gerichtsgebäude in Pretoria forderten Demonstranten die Verurteilung des Sportlers. Mehr

12.09.2014, 09:26 Uhr | Gesellschaft
Gezi-Proteste Polizisten wegen Todes eines Demonstranten verurteilt

In der Türkei sind zwei Polizisten wegen des Todes eines Gezi-Demonstranten zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt worden. Nach dem Urteil kam es zu Kämpfen zwischen Polizei und Protestlern, die härtere Strafen forderten. Mehr

21.01.2015, 17:54 Uhr | Politik
Drei Jahren und neun Monate Deutscher IS-Kämpfer zu Haftstrafe verurteilt

Das Frankfurter Oberlandesgericht hat einen Kämpfer der Extremistenmiliz Islamischer Staat wegen der Beteiligung am syrischen Bürgerkrieg zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Die Richter blieben damit nur knapp unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Mehr

05.12.2014, 15:19 Uhr | Politik
Mecklenburg-Vorpommern Männer wegen Nacktfotos junger Frauen verurteilt

Ein junger Mann, der pornografische Aufnahmen seiner Freundin machte und nach der Trennung im Internet verbreitete, ist zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Auch sein Komplize kommt nicht ungeschoren davon. Mehr

14.01.2015, 17:09 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 02.11.2012, 16:58 Uhr

Bürokratie-Rätsel

Von Dietrich Creutzburg

Der Arbeitgeberpräsident sei ihr in den Rücken gefallen, beklagt Andrea Nahles über dessen Kritik an der geplanten Arbeitsstättenverordnung. Tatsächlich wirkt die plötzliche Kritik etwas scheinheilig. Mehr


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Umfrage

Soll Griechenland aus dem Euro ausscheiden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Grafik des Tages Schusswaffen holen fast die Autos ein

In Amerika sterben mehr als 33.000 Menschen im Jahr durch Waffen - das sind fast so viele wie Tote im Straßenverkehr. Mehr 2

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden