Home
http://www.faz.net/-gqe-74ziu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Provinzial-Chef Schraubenzieher-Angriff nur erfunden

Der Fall des angeblich attackierten Vorstandsvorsitzenden der Provinzial Nordwest, Ulrich Rüther, hat eine überraschende Wende genommen. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft hat es keinen Angriff gegeben.

© dpa Vergrößern Ulrich Rüther ist seit 2009 Vorstandschef der Provinzial Nordwest Holding

Der Chef des Versicherungskonzerns Provinzial Nordwest, Ulrich Rüther, hat den Schraubenzieher-Angriff auf ihn nach Angaben der Staatsanwaltschaft Münster nur erfunden. Rüther habe dies gegenüber der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft Münster eingestanden, teilten die beiden Behörden in einer gemeinsamen Pressemitteilung am Dienstag mit. Die Staatsanwaltschaft ermittle nun vielmehr gegen Rüther wegen des Vortäuschens einer Straftat, sagte Oberstaatsanwalt Heribert Beck. Sie beabsichtige aber, diese Ermittlungen gegen eine „angemessene Geldbuße“ einzustellen. Die Provinzial teilte mit, nach Rüthers Aussage habe der Angriff „in der dargestellten Form nicht stattgefunden“. Zu den Ermittlungen gegen den Manager wollte sich ein Sprecher nicht weiter äußern.

Mehr zum Thema

Berichte über einen Angriff auf den Manager hatten in der vergangenen Woche bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Polizei Münster hatte eine zwölfköpfige Ermittlungskommission eingesetzt, um den angeblichen Angriff auf Rüther aufzuklären. Der Versicherungschef war nach eigener Darstellung auf dem Weg aus einer Tiefgarage in das Gebäude des Provinzial-Firmensitzes in Münsters Norden von einem Unbekannten völlig überraschend mit einem so genannten Phasenprüfer attackiert worden. Die Polizei hatte die Öffentlichkeit danach gefragt: „Wer hat (..)verdächtige Beobachtungen rund um das Provinzialgebäude im Zentrum Nord gemacht?“

Wirbel mitten im Verkaufspoker

Rüthers Aussage hatte mitten im Verkaufspoker um die Provinzial Nordwest für zusätzlichen Wirbel gesorgt. Betriebsräten zufolge hatte der Münchener Allianz-Konzern seine Fühler nach der Provinzial Nordwest ausgestreckt. Rüther hätte am vergangenen Mittwoch an einer Betriebsversammlung der zweitgrößten öffentlichen Versicherung teilnehmen sollen - wo die Belegschaft über mögliche Verkaufsabsichten der Provinzial-Nordwest-Eigentümer informiert werden sollte. Rüther war stattdessen im Krankenhaus behandelt worden.

„Gegenüber der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft Münster hat Herr Rüther sein Verhalten mit den enormen Auswirkungen der Turbulenzen bei der Provinzial auf seine Familie begründet“, teilten die Behörden weiter mit. Rüther habe „die extrem belastende Phase speziell für seine Frau und seine drei Kinder zum Abschluss bringen“ wollen, gab die Provinzial Nordwest bekannt. Rüther wünsche nun den „Schutz seiner Familie in der Öffentlichkeit“, deshalb werde der Fall nicht weiter kommentiert, betonte ein Sprecher.

Rüther ist seit Januar 2009 Vorstandschef der Provinzial Nordwest Holding. Der am 18. März 1968 in Ibbenbüren geborene Manager war über den Gerling-Konzern und den Versicherer Ergo zur Provinzial gekommen.

Die Übernahmepläne der Allianz für die Provinzial Nordwest liegen indes auf Eis: In den kommenden Monaten soll über eine Fusion des Versicherers mit der Provinzial Rheinland verhandelt werden.

Quelle: RTR

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bei Schwimmtraining Triathlet stirbt im Langener Waldsee

Im Langener Waldsee bei Frankfurt ist ein Mann bei einem Training ums Leben gekommen. Jetzt steht fest: Der 66 Jahre alte Hobby-Sportler starb eines natürlichen Todes. Mehr

22.05.2015, 17:34 Uhr | Rhein-Main
Wuppertal Polizei geht gegen Scharia-Polizei vor

Nach Patrouillen der selbst ernannten Scharia-Polizei hat die Polizei Wuppertal ihre Kräfte verstärkt. Wuppertal gilt als eine Hochburg der salafistischen Szene. Die Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben inzwischen Ermittlungen wegen eines Verstoßes gegen das Versammlungsverbot gegen die Gruppe eingeleitet. Mehr

14.03.2015, 10:00 Uhr | Politik
Rechtsextremismus Fünfzehn Neonazis nach Überfall auf Kirmesfeier angeklagt

Vor mehr als einem Jahr stürmten 15 mutmaßliche Neonazis eine Kirmesgesellschaft und attackierten die anwesenden Gäste brutal. Die Staatsanwaltschaft hat nach Abschluss der Ermittlungen jetzt Anklage erhoben. Mehr

18.05.2015, 15:51 Uhr | Politik
Germanwings-Absturz Polizei durchsucht Apartment des Kopiloten

In Düsseldorf haben Ermittler der Polizei in der Nacht zum Freitag ein Apartment des Kopiloten des verunglückten Germanwings-Fluges durchsucht. Die französische Staatsanwaltschaft hatte sich überzeugt gezeigt, der 27-jährigen habe den Absturz der Maschine absichtlich herbeigeführt. Mehr

27.03.2015, 11:46 Uhr | Gesellschaft
Tödliches Bahnunglück Ermittlungen gegen Traktorfahrer

Zwei Menschen starben, als im Münsterland ein Zug mit einem landwirtschaftlichen Fahrzeug kollidierte. Trägt der Traktorfahrer die Verantwortung? Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Mehr

17.05.2015, 11:51 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 11.12.2012, 15:59 Uhr

Gegen den Faustkampf

Von Joachim Jahn, Berlin

Im aktuellen Streik-Wirwarr wird eines immer wieder vergessen: Eine Arbeitsniederlegung darf nur das äußerste Mittel sein, weil sie schließlich ein massenhafter – wenngleich legaler – Bruch des Arbeitsvertrags ist. Mehr 11 5


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Kaum Männer in den Kitas

Um die Kinder sollen sich auch die Männer kümmern, heißt es seit Jahren. Tun sie auch, aber nur daheim. In den Kitas arbeiten fast nur Frauen. Vor allem in Bayern. Mehr 5