Mehr als sieben Millionen Arbeitnehmer können in diesem Jahr mit einem höheren Weihnachtsgeld rechnen. „Wir haben in zahlreichen Branchen höhere Lohnabschlüsse. Das Weihnachtsgeld steigt, wenn es mit einem festen Prozentsatz an das Monatsentgelt gekoppelt ist“, sagte der Leiter des WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, Reinhard Bispinck. „Bislang wurden für das Jahr 2012 Tariferhöhungen von durchschnittlich 2,7 Prozent vereinbart“, sagte Bispinck. „Bei einer Inflationsrate von 2 Prozent bleibt im Schnitt ein kleines reales Plus von 0,7 Prozent beim Weihnachtsgeld.“
Die Spanne der Weihnachtsgeld-Erhöhung reicht von plus 1,6 Prozent für die Kraftfahrer im privaten Verkehrsgewerbe in Nordrheinwestfalen und 2,0 Prozent in der Druckindustrie über 2,2 Prozent im Versicherungsgewerbe, 2,9 Prozent im Bankgewerbe und 3,5 Prozent im öffentlichen Dienst (Gemeinden) bis zu 4,3 Prozent in der Metallindustrie und 4,5 Prozent in der chemischen Industrie (West).
In vielen Branchen ist das Weihnachtsgeld als fester Prozentsatz eines Monatseinkommen definiert. Die höchsten Werte gelten unter anderem für die Beschäftigten im Bankgewerbe, in der Süßwarenindustrie, in der westdeutschen Chemieindustrie sowie in der Druckindustrie (95 bis 100 Prozent eines Monatseinkommens). Keine Regelungen sehen etwa die Tarife im Gebäudereinigerhandwerk oder im Bauhauptgewerbe Ost vor.
Jeder zweite Beschäftigte erhält Weihnachtsgeld
Wie viele Beschäftigte in Deutschland insgesamt ein Weihnachtsgeld von ihrem Arbeitgeber bekommen, lasse sich nicht genau beziffern, sagte Bispinck. Einer Online-Umfrage unter 17.000 Beschäftigten zufolge bekommen 55 Prozent der Beschäftigten ein Weihnachtsgeld. Gemessen an der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wäre das Bispinck zufolge eine Größenordnung von etwa 14 Millionen Arbeitnehmern.
Aber nicht jeder Arbeitnehmer habe mehr Weihnachtsgeld in der Tasche. In einigen Branchen wie der Landwirtschaft von Bayern und dem Großhandel von Nordrhein-Westfalen stehen in den Tarifverträgen feste Beträge.
Große Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland
In Unternehmen mit Tarifvertrag bekommen 70 Prozent der Mitarbeiter Weihnachtsgeld, in Firmen ohne Tarifvertrag sind es 42 Prozent. Große Unterschiede haben die Experten auch zwischen Ost- und Westdeutschland ausgemacht: In Westdeutschland profitieren der Studie zufolge 59 Prozent der Arbeitnehmer von der zusätzlichen Zahlung, im Osten sind es dagegen nur 39 Prozent. Dabei gibt es auch innerhalb bestimmter Branchen Unterschiede. Weniger als ihre Kollegen im Westen bekommen Arbeitnehmer in Ostdeutschland zum Beispiel in der Chemieindustrie und im öffentlichen Dienst der Gemeinden.
Wenn viel Weihnachtsgeld gezahlt wird, freut das nicht nur die Beschäftigten. Weil auf die Sonderzahlung auch Steuern und Sozialabgaben fällig werden, fließen zum Jahresende auch etliche Milliarden in den Haushalt des Finanzministers und der Sozialversicherungen.
