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Veröffentlicht: 23.04.2016, 13:02 Uhr

Popmusik Prince und der legendäre Musikschatz von Paisley Park

Das Geschäft mit der Musik des Superstars könnte nach seinem Tod weitergehen. Einige seiner besten Stücke sollen angeblich noch im Tresor liegen. Ob sie je veröffentlicht werden, ist keineswegs sicher.

von , London
© AP Prince, 1985 in Kalifornien

Es ist eine Geschichte wie aus dem Märchenbuch der Popmusik: Über Jahrzehnte hinweg soll Prince in einem Tresorraum seines Wohnsitzes und Musikstudios Paisley Park in der Nähe von Minneapolis seine eigene Musik gehortet haben - Berge an unveröffentlichtem Material des amerikanischen Popstars, aufgenommen über mehr als drei Jahrzehnte hinweg. Jetzt ist Prince mit nur 57 Jahren völlig überraschend ebendort gestorben: Am Donnerstag wurde er tot in Paisley Park aufgefunden.

Marcus Theurer Folgen:

Was geschieht nun mit dem längst legendär gewordenen, sagenumwobenen Archiv des exzentrischen Superstars? Und existiert der Schatz hinter den Tresortüren überhaupt? Sicher ist nur eines: Wenn es dieses musikalische Erbe wirklich gibt und es nun nach dem Tod von Prince veröffentlicht würde, wäre es nicht nur für die Fans ein Fest, sondern auch ein großes Geschäft für seine Erben und die Musikindustrie. An sich sind postume Veröffentlichungen im Popgeschäft nichts Ungewöhnliches: Das letzte Studioalbum von Johnny Cash kam erst 2014 und damit elf Jahre nach Cashs Tod auf den Markt. Auch die Musik der in den neunziger Jahren ermordeten Hiphopstars Tupac Shakur und Notorious B.I.G. wurde zu postum veröffentlichten Bestsellern. Dasselbe gilt für „Milk and Honey“, das letzte Album von John Lennon.

Und doch sprengt das mysteriöse musikalische Erbe von Prince den üblichen Rahmen bei weitem: Dass ein Popidol eine derart große Menge an unveröffentlichter Musik hinterlassen haben soll, ist ziemlich einzigartig. Die Legende besagt, Prince, der vom Musikmachen geradezu besessen war, habe über die Jahrzehnte so viele Aufnahmen in seinem Tresor verschwinden lassen, dass bis weit ins nächste Jahrhundert hinein jedes Jahr ein komplett neues Album des Meisters veröffentlicht werden könne.

Minneapolis Area Mourns Death Of Native Son Prince © AFP Vergrößern Paisley Park: Anwesen mit Studio von Prince in Chanhassen, Minnesota

Der Mythos vom geheimen Musikschatz ist schon zu seinen Lebzeiten immer größer geworden - und der plötzliche Tod von Prince wird ihn weiter nähren. Er lebt von der Hoffnung, dass im Archiv womöglich noch unbekannte Meisterwerke vom Kaliber der Hitsingles „Purple Rain“, „Kiss“ und „Cream“ schlummern. „Einige seiner besten Stücke liegen da im Tresor“, sagte die frühere Prince-Vertraute Cat Glover vergangenes Jahr dem britischen Journalisten Mobeen Azhar, der für die BBC eine Dokumentation über die geheimnisumwitterte Musiksammlung recherchiert hat.

Die Geschichte beginnt in den achtziger Jahren: Nach dem Welterfolg seines Albums „Purple Rain“ (1984) kann sich Prince mit Mitte zwanzig einen Traum erfüllen und ein monumentales eigenes Tonstudio bauen. Paisley Park wird 1988 in Chanhassen, einem wenig glamourösen Vorort von Minneapolis im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten, fertiggestellt. Im Keller soll es von Anfang an den gepanzerten Tresorraum für Tonaufnahmen gegeben haben.

39764632 © AP Vergrößern Blumen an einem Zaun von Paisley Park

Toningenieure und Musiker, die mit Prince über die Jahre zusammengearbeitet haben, schildern den Multiinstrumentalisten als Musikgenie mit einer atemberaubenden Produktivität. Sein 2003 veröffentlichtes Instrumentalalbum N.E.W.S sei innerhalb einer guten Stunde aufgenommen worden, berichtete der Saxofonist Eric Leeds. Bevor Prince auf Tournee ging, mussten seine Helfer ausfindig machen, wo rund um den jeweiligen Auftrittsort das nächstgelegene Tonstudio lag, damit der Musiker zwischen den Konzerten an neuen Stücken arbeiten konnte.

Zeugnis seiner Arbeitswut ist die imposante Diskographie des Stars: Zwischen 1978 und 2015 hat Prince nicht weniger als 39 Solo-Studioalben veröffentlicht - allein in den vergangenen zwei Jahren kamen vier neue hinzu. Doch es soll eben noch sehr viel mehr bisher unbekanntes Material von ihm geben: 70 Prozent der Musik, an der er seit den achtziger Jahren mit Prince gearbeitet habe, sei nie veröffentlicht worden, berichtete der Komponist und Arrangeur Brent Fischer. Offenbar lag das auch daran, dass der rastlose Star schnell das Interesse an aktuellen Projekten verlor und lieber gleich das nächste anging. Andere musikalische Helfer berichteten, wie Prince grandiose Musikstücke noch im Studio wieder gelöscht habe, weil er unzufrieden mit ihnen gewesen sei.

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Wird nun, nach seinem Tod, das Geheimnis um den Musikschatz von Paisley Park gelüftet? Sicher ist das keineswegs. Denn Prince war, was die Rechte an seiner Musik anging, ein Kontroll-Freak. In den neunziger Jahren lieferte er sich deshalb eine erbitterte juristische Fehde mit seinem damaligen Plattenlabel Warner, die in die Geschichte der Musikindustrie eingegangen ist. Auf populären Streaming-Diensten wie Spotify und Rhapsody sucht man seine Musik bis heute vergeblich. Der in der Branche renommierte Anwalt Lee Phillips, zu dessen Mandanten Prince früher einmal gehört hat, spekulierte am Freitag, dass der Musiker womöglich die postume Veröffentlichung seiner Musik testamentarisch verboten habe. „Er könnte auch noch aus dem Grab heraus die Nutzung seiner Lieder kontrollieren“, sagte Phillips dem Fachblatt „Billboard“. Prince sei nun mal „eine einzigartige Person“ gewesen.

© AP, reuters Erste Autopsie-Ergebnisse zum Tod von Musiklegende Prince

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