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Veröffentlicht: 13.08.2012, 17:20 Uhr

Porträt Friede Springer Vom Kindermädchen zur mächtigsten Medienfrau

Friede Springer hält mehr als die Hälfte an der Axel Springer AG und ist eine der großen Unternehmerinnen Deutschlands. Sie hat den Tribut dieser Stellung nie wirklich kalkuliert. Es ist das Leben, das sie immer stärker in ihre Rolle zwang.

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© dpa Friede Springer

Es gibt Geschichten, die das Leben um ein Vielfaches schöner schreibt als jede Phantasie. Die Geschichte der Friede Springer ist so eine. Sie ist heute eine der einflussreichsten und angesehensten Frauen Deutschlands, die es als Gärtnerstochter von der Nordseeinsel Föhr mit nicht mehr als dem Volksschulabschluss zur Mehrheitsaktionärin des größten europäischen Zeitungshauses gebracht hat. Mit gut 53 Prozent hält sie die absolute Mehrheit an der Axel Springer AG, ist stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und eine der großen Unternehmerinnen Deutschlands. Sie ist als solche nie angetreten und hat den Tribut dieser Stellung nie wirklich kalkuliert. Es ist das Leben, das ihr diese Geschichte schrieb und das sie immer stärker in ihre Rolle zwang.

Der Verlag drohte zu zerfallen

Inge Kloepfer Folgen:

Seit fast 50 Jahren ist Springer ihr Lebensinhalt. Zunächst war es der Verleger selbst, später dann sein Erbe und vor allem der Konzern. Im Sommer 1965 führte eine Anzeige die damals 23 Jahre alte Friede Riewerts als neues Kindermädchen in das Haus des mächtigen Zeitungsverlegers. Zwei Jahre später wurde sie zur Frau an seiner Seite, lebte zwanzig Jahre nur für ihn, den seinerzeit so mächtigen und bis heute noch umstrittenen Verleger. Als er 1985 starb, drohte sein Lebenswerk zu zerfallen. Schließlich hatte Axel Springer vor seinem Tod ein Viertel des Verlagshauses an die Verlegerfamilie Burda verkauft und 49 Prozent an der Börse plaziert. Er selbst hielt seinerzeit nur noch einen Hauch mehr als 25 Prozent.

Schon bald nach seinem Tod begriff die junge Witwe, dass nur sie das Haus Axel Springers vor seinem Zerfall bewahren konnte und dass unklare Mehrheitsverhältnisse keine Basis für eine erfolgreiche Zukunft sind. Ihr gelang, was niemand erwartet hatte: Sie setzte sich gegen alle Widersacher durch - gegen Konkurrenten aus der Medienwelt, die mit allen Mitteln versuchten, der Springer-Familie die Kontrolle über den Konzern zu entreißen, gegen Manager und Intriganten im eigenen Konzern, die von der jungen Witwe nichts hielten und dachten, sie hätten leichtes Spiel. Schließlich gewann sie auch gegen einen Enkel des Verlegers, der ihr bis vor kurzem einen nervenzehrenden Rechtsstreit ums Erbe bis in die höchsten Instanzen deutscher Gerichtsbarkeit aufzwang, weil er meinte, an Springers Sterbebett sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen. Mühsam kaufte sie sich über die Jahre die absolute Mehrheit an dem Konzern zurück. Bis 2006 war sie deshalb noch hoch verschuldet.

Ohne Friede Springer läuft nichts

Friede Springer hat alle Schlachten um den Verlagskonzern in den vergangenen fast drei Jahrzehnten gewonnen. Sie ist heute einflussreicher als je zuvor und steht an der Spitze eines florierenden Unternehmens, das völlig anders ist als damals. Mit einem neuen Führungsteam um Vorstandschef Mathias Döpfner hat sie ganz neue Wege beschritten. Sie hat die Internationalisierung und Digitalisierung ihres Konzerns vorangetrieben, der mit 12.800 Mitarbeitern inzwischen gut 3 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Und jeder weiß: Ohne Friede Springer läuft nichts im Verlagskonzern.

Ihr Aufstieg hat der im Grunde so bescheidenen und unscheinbaren Frau nicht nur Freunde und Bewunderer zugetragen, sondern auch viele Neider und Zweifler. Sie, der Harmonie sehr wichtig und Zwist zutiefst zuwider ist, hat über Jahre mühsam lernen müssen, mit derlei persönlichen Belastungen zu leben. Nicht zuletzt deshalb liegt in ihrer Verbindlichkeit und ihren Freundschaften immer ein wenig Distanz, ein Stück innerer Reserve, weil sie gelernt hat, dass Vermögen und Einfluss Sympathien schaffen, die nicht ausschließlich wahrhaftig sind. Ihre enorme Durchsetzungskraft und Stärke erklärt sich aus ihrem Selbstverständnis. Dies leitet sich ganz aus der Aufgabe ab, die Springer ihr am Ende seines Lebens mit den Worten „Du wirst das schon machen, Friede“ übertragen hat.

„Ich will, dass der Konzern funktioniert und weiterlebt“, sagt sie. „Ich hänge an dem Haus.“ Es ist das Erfolgsgeheimnis von Springers Witwe, dass ausgerechnet ihr, der Mehrheitsaktionärin und einflussreichsten Anteilseignerin, Macht, Geld und Renommee persönlich wenig bedeuten, sondern sie diese Triade immer in den Dienst der Sache und damit der Zukunftssicherung des Konzerns gestellt hat.

Kein Glamour, kein überbordender Luxus

Sie ist bodenständig geblieben: kein Glamour, keine übertriebenen Auftritte, kein überbordender Luxus. Macht hat sie immer nur mit Blick auf die Aktienmehrheit an der Axel Springer AG interessiert. Geld war ihr nur wichtig, um sich diese Mehrheit am Konzern zu sichern und es später zu spenden. 2011 hat sie die Friede-Springer-Stiftung gegründet und mit 80 Millionen Euro aus ihrem Privatvermögen ausgestattet. Ganz in ihrem Innersten ist sie eine Friesin geblieben, die mit ihren Geschwistern und alten Freunden noch immer Friesisch spricht.

“Ich habe nie zurückgeschaut. Und das war richtig“, konstatiert sie heute. Den Blick zurück in die alte Welt des Verlegers, der im Mai einhundert Jahre alt geworden wäre, und auch auf ihr bewegtes Leben für Springer überlässt sie anderen. Ihr 70. Geburtstag an diesem Mittwoch gibt reichlich Gelegenheit dazu.

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Von Christoph Hein

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