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Veröffentlicht: 24.08.2013, 18:05 Uhr

Nicole Deitelhoff Streitlustige Erforscherin von Occupy

Deitelhoffs wissenschaftliche Karriere war steil: 2008 wird sie mit dem Maier-Leibnitz-Preis für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Ein Jahr später wird sie in einem der schnellsten Berufungsverfahren der Universitätsgeschichte auf den Frankfurter Lehrstuhl geholt.

von und
© Rüchel, Dieter Nicole Deitelhoff - Politologin an der Johann Wolfgang Goethe-Universität

Sie schätzt einen guten Streit, und sie forscht am liebsten über Streit: Nicole Deitelhoff, 38, eine der herausragenden deutschen Politikwissenschaftlerinnen, hat ein ungewöhnliches Spezialgebiet: vergleichende Oppositions-Forschung. Die Frankfurter Professorin betrachtet unterschiedliche oppositionelle Gruppen in aller Welt, von Occupy und Attac in Deutschland über serbische Widerstandsgruppen bis zu den Demonstranten in Ägypten, und versucht daraus Grundsätzliches über das Wesen von Herrschaft und Widerspruch herauszufinden.

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Vor allem eine Frage treibt sie dabei um: Wovon hängt es ab, ob aus einer oppositionellen Gruppierung im Laufe der Zeit eine Opposition gleichsam als konstruktiver Teil des Systems wird - oder ob eine Gruppe sich immer stärker radikalisiert und die Mitglieder letztlich zu Dissidenten des Systems werden.

Traditionell wird auf diese Frage in der Wissenschaft meistens die Antwort gegeben, das hänge vor allem von den äußeren Umständen in einem System ab - etwa wie leicht oder sanktionsbewehrt es ist, Widerspruch zu artikulieren. Deitelhoff aber ist auch Vorgängen und Eigentümlichkeiten des Diskurses innerhalb der Gruppierungen auf der Spur, die eine Radikalisierung begünstigen oder erschweren können.

Das Ganze ist ebenso spannend wie heikel: Wissenschaftliche Quellen gibt es über gegenwärtige Oppositionsgruppen oft wenig. Deitelhoff hat aber keine Berührungsängste, mit Vertretern unterschiedlicher Organisationen Kontakt aufzunehmen - auch schon mal mit ehemaligen Terroristen, die im Gefängnis sitzen.

Die Wissenschaftlerin will sich dabei genauso wenig von den Staaten vereinnahmen lassen, die natürlich gerne Rezepte geliefert bekämen, wie sie mit ihren jeweiligen oppositionellen Gruppen am besten fertig werden, wie von den Gruppierungen selbst, mit denen sie deshalb manchmal in Streit gerät.

Schon mit ihrer Dissertation hatte Deitelhoff vor neun Jahren für Aufmerksamkeit gesorgt: Sie hatte aus der Diskurstheorie von Jürgen Habermas konkrete Handlungsanweisungen für Politiker bei internationalen Verhandlungen abgeleitet. Der Philosoph selbst hatte sich daraufhin bei einer Veranstaltung einmal kritisch nach ihrem Ansatz erkundigt - sie später aber für eine Veröffentlichung bei Suhrkamp vorgeschlagen.

Deitelhoffs wissenschaftliche Karriere war steil: 2008 wurde sie mit dem Maier-Leibnitz-Preis für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Schon 2009 wurde sie in einem der schnellsten Berufungsverfahren der Universitätsgeschichte mit 34 auf den Frankfurter Lehrstuhl für internationale Beziehungen geholt. Nicole Deitelhoff ist Mutter eines Kindes - das gern im Laufstall in ihrem Büro in der Universität spielt.

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Von Heike Göbel

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