http://www.faz.net/-gqe-7gw28

Nicole Deitelhoff : Streitlustige Erforscherin von Occupy

Nicole Deitelhoff - Politologin an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Bild: Rüchel, Dieter

Deitelhoffs wissenschaftliche Karriere war steil: 2008 wird sie mit dem Maier-Leibnitz-Preis für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Ein Jahr später wird sie in einem der schnellsten Berufungsverfahren der Universitätsgeschichte auf den Frankfurter Lehrstuhl geholt.

          Sie schätzt einen guten Streit, und sie forscht am liebsten über Streit: Nicole Deitelhoff, 38, eine der herausragenden deutschen Politikwissenschaftlerinnen, hat ein ungewöhnliches Spezialgebiet: vergleichende Oppositions-Forschung. Die Frankfurter Professorin betrachtet unterschiedliche oppositionelle Gruppen in aller Welt, von Occupy und Attac in Deutschland über serbische Widerstandsgruppen bis zu den Demonstranten in Ägypten, und versucht daraus Grundsätzliches über das Wesen von Herrschaft und Widerspruch herauszufinden.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Christian Siedenbiedel

          Vor allem eine Frage treibt sie dabei um: Wovon hängt es ab, ob aus einer oppositionellen Gruppierung im Laufe der Zeit eine Opposition gleichsam als konstruktiver Teil des Systems wird - oder ob eine Gruppe sich immer stärker radikalisiert und die Mitglieder letztlich zu Dissidenten des Systems werden.

          Traditionell wird auf diese Frage in der Wissenschaft meistens die Antwort gegeben, das hänge vor allem von den äußeren Umständen in einem System ab - etwa wie leicht oder sanktionsbewehrt es ist, Widerspruch zu artikulieren. Deitelhoff aber ist auch Vorgängen und Eigentümlichkeiten des Diskurses innerhalb der Gruppierungen auf der Spur, die eine Radikalisierung begünstigen oder erschweren können.

          Das Ganze ist ebenso spannend wie heikel: Wissenschaftliche Quellen gibt es über gegenwärtige Oppositionsgruppen oft wenig. Deitelhoff hat aber keine Berührungsängste, mit Vertretern unterschiedlicher Organisationen Kontakt aufzunehmen - auch schon mal mit ehemaligen Terroristen, die im Gefängnis sitzen.

          Die Wissenschaftlerin will sich dabei genauso wenig von den Staaten vereinnahmen lassen, die natürlich gerne Rezepte geliefert bekämen, wie sie mit ihren jeweiligen oppositionellen Gruppen am besten fertig werden, wie von den Gruppierungen selbst, mit denen sie deshalb manchmal in Streit gerät.

          Schon mit ihrer Dissertation hatte Deitelhoff vor neun Jahren für Aufmerksamkeit gesorgt: Sie hatte aus der Diskurstheorie von Jürgen Habermas konkrete Handlungsanweisungen für Politiker bei internationalen Verhandlungen abgeleitet. Der Philosoph selbst hatte sich daraufhin bei einer Veranstaltung einmal kritisch nach ihrem Ansatz erkundigt - sie später aber für eine Veröffentlichung bei Suhrkamp vorgeschlagen.

          Deitelhoffs wissenschaftliche Karriere war steil: 2008 wurde sie mit dem Maier-Leibnitz-Preis für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Schon 2009 wurde sie in einem der schnellsten Berufungsverfahren der Universitätsgeschichte mit 34 auf den Frankfurter Lehrstuhl für internationale Beziehungen geholt. Nicole Deitelhoff ist Mutter eines Kindes - das gern im Laufstall in ihrem Büro in der Universität spielt.

          Quelle: F.A.S.

          Weitere Themen

          Auf großer Schwindelfahrt

          Brief aus Istanbul : Auf großer Schwindelfahrt

          Jetzt im Wahlkampf läuft die türkische Propagandamaschinerie auf Hochtouren. Die Regierung in Ankara meint zu wissen: Deutschland ist am Ende. Dafür wird in Frage gestellt, ob die Erde eine Kugel ist.

          Neue Schlappe für Trump vor Gericht Video-Seite öffnen

          Streit um Einreiseverbot : Neue Schlappe für Trump vor Gericht

          Donald Trump hat mit seinem Einreiseverbot für Menschen aus mehreren Ländern eine weitere Niederlage erlitten. Ein Berufungsgericht entschied, dass Verwandte wie Großeltern oder Enkel von amerikanischen Bürgern nicht an der Einreise gehindert werden dürfen.

          Streit um Unabhängigkeitsreferendum geht weiter Video-Seite öffnen

          Katalonien : Streit um Unabhängigkeitsreferendum geht weiter

          In Barcelona sind abermals Hunderte Demonstranten auf die Straße gegangen, die für eine Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien sind. Anlass war diesmal, dass sich Vertreter der katalanischen Regionalregierung vor einem Gericht verantworten müssen.

          Topmeldungen

          SPD-Wahldebakel : Der schlimmste Tag

          Für die SPD ist es das schlechteste Ergebnis seit 1949. Die Partei will sich nun nach der vierten Wahlniederlage seit 2005 rundum erneuern. Eine Konsequenz aus dem Desaster nehmen die Genossen jedoch fast erleichtert auf.

          Dritte Kraft im Bundestag : Tabubrecher AfD

          Nun ist die AfD im Bundestag, mit demokratischem Gütesiegel und Millionen an Staatsgeldern. Doch im Parlament wäre sie nicht die erste Partei, die vorgeführt wird. Ein Kommentar.

          Schwaches Wahlergebnis für CSU : Seehofers Debakel

          Die Christsozialen gehen mit einem der schlechtesten Ergebnisse ihrer Geschichte in die nächste Legislaturperiode. Doch das kommt für die CSU nicht unerwartet: Horst Seehofer hat sich bereits vorher abgesichert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.