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Neuer Vorstandsvorsitzender Standfest für Opel

 ·  In Rüsselsheim ruhen alle Hoffnungen auf dem neuen Vorstandsvorsitzenden Karl-Thomas Neumann. Den bisherigen VW-Manager begleitet ein hervorragender Ruf - und nun auch eine große Chance. An diesem Donnerstag hat ihn der Aufsichtsrat ernannt.

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© dapd Karl-Thomas Neumann

Der Aufsichtsrat der Adam Opel AG hat an diesem Donnerstag Karl-Thomas Neumann zum neuen Vorstandsvorsitzenden berufen. Neumann, der bisher das Geschäft des VW-Konzerns in China leitete, hatte sich schon einen neuen Wohnsitz im Taunus zugelegt, wie zu hören ist. Auch wird der 51 Jahre alte Manager - anders als sein glückloser Vorgänger - nicht nur vom amerikanischen Mutterkonzern General Motors (GM) an die Spitze gehievt, sondern auch von den mächtigen Betriebsräten der IG Metall.

Gewerkschaftschef Berthold Huber höchstselbst hat dafür gesorgt, dass Neumann von seinem bisherigen Arbeitgeber VW früher für den Wechsel freigegeben wird. Neumanns VW-Vertrag wäre eigentlich noch bis zur Jahresmitte gelaufen, jetzt darf er schon zum 1. März bei Opel anfangen. Frei gemacht werden muss der Posten nicht: Er ist vakant, seit GM-Chef Daniel Akerson im Juli 2012 plötzlich den erst ein Jahr amtierenden Karl-Friedrich Stracke gefeuert hatte.

In Rüsselsheim wird Neumann sehnsüchtig erwartet. Von ihm erhoffen sich alle das Wendemanöver. Er soll den Machtkampf zwischen GM-Konzern einerseits und IG Metall andererseits beenden, um das Unternehmen endlich wieder voranzubringen. Enge Mitarbeiter aus seiner Zeit beim Autozulieferer Continental beschreiben Neumann als charismatisch, kommunikativ und teamfähig. Er moderiere eher, als zu polarisieren. „Wenn es einer schafft, bei Opel eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen, dann Karl-Thomas Neumann“, sagt ein Vertrauter.

Er sei den Gewerkschaftern willkommen

Neumann wird der 17. Opel-Chef seit Anfang der siebziger Jahre. Er soll das Unternehmen, das seit Jahren Milliardenverluste einfährt und 11.000 Stellen abgebaut hat, wieder auf Kurs bringen. Vielleicht wird er dafür auch ein oder zwei Werke schließen müssen - in einem Unternehmen, das lange Zeit vor allem von der IG Metall regiert wurde. Gerade hier könnte Neumanns Stärke liegen: Von ihm wird gesagt, er sei den Gewerkschaftern willkommen. Endlich ein Techniker, der mindestens genauso viel von neuen Automodellen wie von Kostensenkung versteht. Neumann lockt die große Chance.

Gelingt ihm die Wiederbelebung der Marke Opel und die Vertiefung der schon begonnenen Allianz mit dem Partner Peugeot, dann könnte er als einer der wichtigsten Sanierer in die Geschichte der Autoindustrie eingehen. Ob ihm das gelingt, hängt auch davon ab, wie viel Freiheit ihm der Kostensenker und GM-Vizechef Stephen Girsky lässt, den der GM-Konzern als Aufsichtsratsvorsitzenden zur Sanierung von Opel entsandt hat. Girsky hat zumindest einen Teil des Weges frei gemacht, indem er noch kurz vor Weihnachten einen Milliardenkredit von GM für Opel bis 2016 verlängerte.

Insider gehen davon aus, dass Neumann auch GM-Europa-Chef und - anders als seine Vorgänger - Mitglied des Automotive Strategy Board von GM wird, das über Investitionen in neue Modelle entscheidet. Neumanns Vorgänger hatten dort keinen Zugang und keinen Einfluss darauf, dass Lücken im Opel-Modellportfolio schneller geschlossen werden.

Für seine neue Aufgabe braucht Neumann viel Kraft und Ausdauer. Physisch bringt er dazu einiges mit. Der schlanke, drahtige Mann ist begeisterter Langstreckenläufer, der schon manchen Marathon absolviert hat. Dass er bei VW nur kurz auf der Strecke blieb, war eine Überraschung. Als Chef der chinesischen Landesgesellschaft, die Milliarden zum Konzerngewinn beisteuert, zählte Neumann zum kleinen Kreis der Kandidaten, denen der Sprung an die Konzernspitze zugetraut wurde. Doch nach 21 Monaten im Amt wurde Neumann im Juni 2012 über Nacht durch den Vorstand Jochem Heizmann ersetzt.

Das Angebot, als Entwicklungschef zur Tochtergesellschaft Škoda zu wechseln, lehnte er ab. In der Autoindustrie hat der gebürtige Niedersachse und in Duisburg promovierte Elektrotechniker jedenfalls einen hervorragenden Ruf. Daran änderte auch der vorzeitige Abgang bei Continental nichts. Nach Stationen bei Motorola und VW war Neumann 2004 in den Vorstand des hannoverschen Unternehmens gerückt.

Er kümmerte sich fortan um die wichtige Autoelektroniksparte. Nach dem verlorenen Übernahmekampf gegen Schaeffler übernahm er von Manfred Wennemer den Vorstandsvorsitz. Doch Neumann überwarf sich mit dem neuen Großaktionär aus Franken und räumte im August 2009 das Feld. „Er hat sich als standfest in den Diskussionen mit der Familie Schaeffler erwiesen“, sagte Manfred Wennemer der F.A.Z. Diese aufrechte Haltung dürfte den Opel-Arbeitern, die sich als Spielball von GM sehen, besonders gut gefallen.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft.

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