14.07.2011 · Er war einer der Pioniere des Privatfernsehens. Vor fast 10 Jahren musste er zusehen, wie sein Imperium zerbrach. Die letzten Lebenjahre widmete Leo Kirch einem Rachefeldzug gegen die Deutsche Bank und deren früheren Chef Rolf Breuer. Ihm lastete er die Zerstörung seines Lebenswerks an. Ein Nachruf.
Von Jürgen Jeske, Henning Peitsmeier und Carsten KnopRichtlinien für Lesermeinungen
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Vermögenswerte sind das eine. Verbindlichkeiten das andere. Wenn mein Konzept, (das sicherlich nicht Schlecht gedacht war), aber wohl miserabel Schöngerechnet wurde, kann es nur zum Scheitern verurteilt sein. Auch ich kann Rechnen und weiß,
auch wenn ich die besten Zinsen verhandelt habe, wird ab einer Gewissen Schuldengröße mich eines Tages meine Bank schlucken. Die Geschichte hat uns gelehrt, das Herr Breuer doch auf dem längeren Ast sitzt Erhard Goldbach war auch so ein Pionier und Visionär. Leider hat er den Staat um Steuern betrogen um sein Imperium zu retten. Leo Kirch hat sich wahrscheinlich nur den falschen Gegner ausgesucht. Visionäre und Pioniere haben irgendwann den Drang, andere für Ihr Scheitern verantwortlich zu machen.
Der Satz:" Gott hats gegeben - Gott hats genommen" ist mir zu billig.
Wer Schulden eines Unternehmens nennt, sollte auch Vermögenswerte nennen. Sonsten ist die Betrachtung unseriös. Bis zur Insolvenz waren die Vermögenswerte größer als die Schulden!
Im Übrigen sind die Hintegründe kaum durchschaubar. Ich habe seinerzeit die Originalworte von Rolf Breuer in den Nachrichten (Tagesschau, ZDF Heute) gesehen und gehört. Ich war unmittellbar fassungslos und fragte meine Frau, ob ich da richtig gehört hätte. Diesen Rufmord werde Breuer noch bitter breuen, war meine erste Reaktion. Ich war gespannt auf die Reaktionen in der Öffentlichkeit.
Es passt ins Bild von "undurchsichtigen Machenschaften", dass die Kritik an Breuer erst Wochen oder Monate später aufkeimte, alleine geschürt und betrieben von Kirch. Keiner der Journalisten oder der anderen Beteiligten hatte den ganz offensichtlichen Affront gegen Kirch von sich aus aufgegriffen. Das "viel gerühmte" Bankgeheimnis hatte Breuer zusätzlich groß verletzt.
Aber die Öffentlichkeit? Ein konservativer Franke, katholisch, Freund des früheren Deutsche Bank Chefs Herrhausen, Freund des (bis dahin längst ungeliebten) Kanzlers, persönlich bescheiden, erfolgreich, zurückgezogen .......! Wer so ist, der hat keine öffentliche Zuwenudung in unserem Land ......
Wenn Privatfernsehen (Kirchgruppe u.a.) die Zukunft sein soll, dann "gute Nacht" Welt. Werbung für Dinge die man nicht braucht, Filme zerstückelt und dreißig Mal wiederholt, "Blockbuster- zum ersten Mal in Free TV" von vor Jahren, garniert mit "Promi"- Geschwätz, "TV Events" und Plagiaten, von irgendwo und irgendwem abgekupfert (gilt auch für für das zwangsgebührliche TV) braucht eigentlich kaum einer. Und wenn dann ein Imperium so wie bei Murdoch ausartet kann das nicht die Zukunft sein. Hoffentlich.
Leo Kirch passt in keine Schablone
Ich bin gespannt auf die Biografie Leo Kirchs, die Nina Bovensiepen hoffentlich bald veröffentlichen wird.
Leo Kirch war in seinem Beruf ein kühner und gern auch entspannter Condottiere, wenn ich mir diese paradoxe Kennzeichnung erlauben darf.
Er war geistesverwandt Robert Maxwell, den er mochte - er war keiner wie Rupert Murdoch, den er nicht mochte, sondern im vertrauten Gespräch einen "shark" nannte. Der Vergleich mit Berlusconi führt in die Irre.
Leo Kirch war ein kühner Kapitalist alten Schlags und so akkurat, wie man als Kapitalist sein kann. In diesen Zeiten unseliger Dominanz der angestellten und grotesk überbezahlten Finanzjongleure sans risques ist das aller marktwirtschaftlichen Ehren wert.
Man muss kein Katholik sein, kein Rechter und kein Buddy , um am Tag seines Todes zu sagen: à Dieu, Leo.
Vielleicht war er nicht so solide, wie es sich hier der eine oder andere wünscht. Seine Lebenswerk geht weit über das Lebenswerk von 99 % der soliden Kaufmänner hinaus. Was ist Scheitern? Wer jahrzehntelang das Mittagessen von tausenden Angestellten gesichert hat, ist derjenige gescheitert? Muss denn ein Unternehmen ewig dauern? Dann muss auch jedes Unternehmen scheitern. Denn nichts dauert ewig.
Besonders erfreulich: Ihr Schlusssatz "Ihm (Breuer) lastete er die Zerstörung seines Lebenswerkes an." Das ist neutral, bravo! Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern hieß es: "Er wollte sein Scheitern nicht wahr haben." So ein Quatsch. Dass man einen Prozess führt, bedeutet doch nicht, dass man die Wahrheit nicht wahr haben will (oder wenn, dann heißt es das nur für Lieschen Müller). Es bedeutet lediglich, dass man glaubt einen zivilrechtlichen Anspruch zu haben. In der Tat gibt es in dem Verfahren Kirch gegen Deutsche Bank AG zudem bereits ein obsiegendes Grundurteil. Es sieht also derzeit sogar so aus, als wäre die Wahrheit auf seiner Seite.
Wer Betriebswirtschaft studiert hat, kann sich möglicherweise mit Recht Kaufmann nennen. Das nur am Rande.
Leo Kirch darf als einer der wesentlichen Gestalter der TV-Massenmedienlandschaft heutigen Zuschnitts gelten, wobei er ganz im Sinne seines Freundes Helmut Kohl vorgegangen ist. Den Kreditgebern seines „Medienimperiums“ hat er Milliardenverluste bereitet. - Aus dieser etwas diffizilen Grundkonstellation einen Nachruf zustande gebracht zu haben, der das Gebot „de mortuis nil nisi bene“ mit äußerstem Takt und Geschmack beherzigt: dieses Ruhmesblatt darf man dem Autorentrio mit einer respektvollen Verneigung überreichen. .. et lux perpetua luceat ei.
Sicherlich ist der Tod von Leo Kirch bedauernswert. Ihn aber als Kaufmann zu bezeichnen, der sein Grundstein schon mit geborgtem Geld gelegt hat und im Zenit ca. 10 Milliarden Euro Außenstände hatte, ist eine Ohrfeige für jeden grundsoliden Kaufmann, der sei Haus auf stabile Finanzielle Stützen gebaut hat. Leo Kirch hat sich schlicht und ergreifend verkalkuliert und machte andere für sein Scheitern verantwortlich. Trotzdem mein Beileid seinen Angehörigen.
Carsten Knop Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
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