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Microsoft-Chef Steve Ballmer geht Der Duracell-Hase mag nicht mehr

 ·  Steve Ballmer, der Vorstandsvorsitzende von Microsoft, kündigt seinen Rücktritt an und lässt für den nächsten Umbau einen Nachfolger suchen.

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Über Steve Ballmer, den 57 Jahre alten Vorstandsvorsitzenden von Microsoft, lässt sich kein Porträt verfassen. Höchstens eine Zustandsbeschreibung. Denn Ballmer ist ein Chef, der beim berühmten Duracell-Batterie-Hasen für einen Minderwertigkeitskomplex sorgen könnte. Sein Verhalten entspricht einer Kreuzung aus einem Fußballtrainer und einem Fernsehprediger.

Videoaufzeichnungen von Ballmer im schweißnassen Hemd und mit heiserer Stimme während eines Auftritts vor Mitarbeitern haben es allein wegen ihres optischen Reizes schon in deutsche Nachrichtensendungen geschafft. Der Mann mit dem Mönchsgesicht, dem durchdringenden Blick und den kaum wahrnehmbaren Augenbrauen ist in Amerika auch schon als „der Verkäufer der Verkäufer“ bezeichnet worden.

Jetzt will Ballmer, der Chef des größten Softwarekonzerns der Welt, in den Ruhestand gehen. Und trotz seiner überbordenden Energie hat er sein wichtigstes Ziel nicht erreicht. Er wollte im Zentrum technologischer Revolutionen stehen. Die vor allem kreative Energie aber, die für solche Revolutionen nötig ist, vermochte er in seiner Amtszeit nicht zu erzeugen.

Dabei wollte Ballmer die Welt verändern - geschafft hat er es aber allein, die Microsoft-Investoren zu frustrieren. Das ist eine bittere Bilanz, denn öffentliche Momente des Innehaltens gab es für Ballmer kaum. Privat, so sagt er, halte er durchaus auch einmal den Atem an. Wenn es aber darum geht, Mitarbeiter in Stimmung zu bringen, würde Ballmer, der Vater von drei Kindern ist, allein und trotz Halbglatze sogar gegen eine ganze Gruppe hübscher weiblicher Football-Cheerleader ankommen.

Auch Durchsetzungsfähigkeit liegt in seinen Genen. Woran es mangelt, ist die Kreativität. Ballmer ist in seinem Leben ein Vertriebsmann geblieben. Um seine Vertriebsmannschaft zu begeistern, hat es einmal ausgereicht, auf einer Bühne laut zu rufen: „Ich habe vier Worte für euch: Ich, liebe, dieses, Unternehmen!“ Damit hat Ballmer nicht gelogen, aber auch die Liebe allein hat eben nicht gereicht, um auf dem Gipfel eines Erfolgs abtreten zu können.

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© dpa Vergrößern Steve Ballmer ist ein Mann der Posen. Sei es als doppelter Optimist...

Der in Detroit geborene Ballmer gehört Microsoft seit 1980 an, wurde von Bill Gates also im fünften Jahr nach der Gründung des Konzerns geholt, der in diesem Jahr sein 38jähriges Bestehen feiert. Bei seinem Eintritt in das Unternehmen war er der einzige Nichttechniker. Besser gesagt, er war der erste, der etwas von Unternehmensführung verstand.

Die Techniker um Gates hatten das rasante Wachstum des Unternehmens betriebswirtschaftlich nicht mehr im Griff. Ballmer hingegen brachte seine ersten Managementerfahrungen vom Konsumgüterhersteller Procter & Gamble mit und griff hart durch. Die Vertriebsmannschaft, für die er viele Jahre lang zuständig war, wurde damals zur schlagkräftigsten der Branche. Im Grunde setzte Ballmer die Arbeit, die er in seinen frühen Jahren bei Microsoft begonnen hat, bis zum Ende fort. Noch immer kämpft er darum, das Unternehmen, das einst höchst zentral von Gates gesteuert wurde, flexibler und entscheidungsfreudiger zu machen. Folgerichtig hat er immer wieder die Organisation von Microsoft umgebaut, zuletzt im Juli dieses Jahres.

Dieses jüngste Programm mit dem Namen „One Microsoft“ sieht interessanterweise vor, Funktionen über Produktgruppen nun wieder zu zentralisieren. Ballmer deutete in der entsprechenden E-Mail an die Mitarbeiter außerdem an, dass der Konzern weitere Vorstöße in das Hardwaregeschäft plant. Microsoft verstand sich bisher vorrangig als Softwarekonzern und überließ Partnern die Herstellung von Geräten. Ballmer will, dass der Konzern künftig „ein volles Spektrum von Geräten sowohl von Partnern als auch aus erster Hand“ anbietet. Dazu zählt er Handys, Tablets, Personalcomputer und an Fernseher angeschlossene Geräte.

Umsetzen darf das aber künftig ein anderer: „Die Zeiten ändern sich, deshalb muss das auch unser Unternehmen tun“, schrieb Ballmer erst vor ein paar Wochen. Jetzt hat er in eigener Sache nachgelegt: „Eigentlich wollte ich in den Ruhestand gehen, wenn unser Unternehmen mitten in der Umstellung auf eine Geräte- und Dienstleistungsfirma steckt“, ließ sich Ballmer am Freitag zitieren. „Aber wir brauchen für diese Richtung einen Vorstandschef, der längerfristig hier ist.“

In dem Komitee, das den Nachfolger von Steve Ballmer sucht, soll auch Microsoft-Gründer Gates mitarbeiten. Den Vorsitz soll aber Verwaltungsratsmitglied John Thompson haben, der früher die Softwarefirma Symantec leitete.

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