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Mario Monti Unabhängig und diplomatisch

 ·  Mario Monti begibt sich auf den schwierigen Weg vom EU-Kommissar zum Ministerpräsidenten Italiens. Er soll als Reformer jenseits der Tages- und Parteipolitik agieren.

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© dpa Mario Monti

Als in der vergangenen Woche gerade die Zinsen und Risikozuschläge für italienische Schuldtitel zu neuen Rekordmarken unterwegs waren, wurde Mario Monti vom italienischen Staatspräsidenten mit einem Höchstmaß an Ansehen ausgestattet. Der 68 Jahre alte Wirtschaftsprofessor erhielt die Ernennung zum Senator auf Lebenszeit. Er ist damit sozusagen geadelt wie ein englischer Lord im Oberhaus.

Allerdings gibt es nur sehr wenige „italienische Lords“: Maximal fünf herausgehobene Persönlichkeiten - darunter im Moment die Nobelpreisträgerin Rita Levi Montalcini, der Autodesigner Sergio Pininfarina und der Politiker Giulio Andreotti - plus die ehemaligen Staatspräsidenten dürfen den Titel eines Senators auf Lebenszeit führen. Monti darf nun in der zweiten Kammer des italienischen Parlaments mit den 315 gewählten Senatoren abstimmen, als wäre er einer von ihnen.

Montis schwierigste Aufgabe

Mario Monti hat auf diese Weise ein Stück zusätzlicher Autorität erhalten - für seine bisher schwierigste Aufgabe, Italien als neuer Regierungschef aus der Vertrauenskrise der Finanzmärkte, aber auch aus der wirtschaftlichen Stagnation zu führen. Die Art und Weise seines Eintritts in die italienische Politik passt dabei zum Stil von Monti, der sich immer seine innere Unabhängigkeit bewahrt hat. Im italienischen Parlament ist er nun den Grabenkämpfen, den Parteikompromissen um Kandidaturen und den Wahlkampfmanövern entrückt. Eine ähnliche Rolle soll Monti nun auch im Amt des Ministerpräsidenten spielen: als Reformer jenseits der Tages- und Parteipolitik.

Unabhängigkeit und Reformgeist hat Monti seit Beginn seiner Karriere bewiesen. Der Sohn eines Bankers, geboren in Varese zwischen Lago Maggiore und Mailand, studierte nicht nur an der Eliteuniversität der italienischen Ökonomen, der Mailänder Bocconi, sondern auch noch an der amerikanischen Universität Yale beim späteren Nobelpreisträger James Tobin. Zurück in Italien, erhielt Monti im Alter von 26 Jahren einen Lehrstuhl in Trento, kehrte dann über Turin zurück nach Mailand, wo er seit 1985 wiederum an der Bocconi Wirtschaftspolitik lehrte.

Ruhig und verbindlich

In der damaligen, verfilzten Parteiendemokratie Italiens hatte es Monti vermieden, sich vor den Karren einzelner Politiker spannen zu lassen. Er propagierte die Öffnung der Märkte, Liberalisierung und Privatisierung, als Italien noch abgeschottet war gegen Einfuhren, Kapitalexport bei Gefängnisstrafe verboten war, 95 Prozent des Bankensektors und mehr als die Hälfte der großen Unternehmen in Staatsbesitz waren und Geschäftserfolg beziehungsweise Karriere meist von politischen Verbindungen abhingen. Zugleich unterschied sich der ruhig und verbindlich auftretende Monti immer von extremen Eiferern, die mit lauten Tönen ihre Karriere zu fördern suchten.

Monti stieg nicht zuletzt wegen seiner diplomatischen Fähigkeiten zum Rektor der Bocconi auf. Sein Blick für das Wesentliche machte ihn zu einem angesehenen Leitartikler von Italiens wichtigster Zeitung „Corriere della Sera“. Nachdem Monti in diesen herausgehobenen Funktionen die letzte große Vertrauenskrise Italiens von 1992 bis 1994 von Außen verfolgte, entsandte ihn 1994 der damalige Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi nach Brüssel, um ein Gegenbild zu den Politikern zu bieten, die sonst das Bild Italiens im Brüssel prägten.

Der Weg in den Quirinal

Als EU-Kommissar für den Binnenmarkt von 1995 bis 1999 und dann als Wettbewerbskommissar von 1999 bis 2004 zeigte Monti Beharrlichkeit in seinen Prinzipien auch gegenüber Weltkonzernen wie Microsoft und General Electrics - oder gegenüber den deutschen Landesbanken und der deutschen Autoindustrie. Die Prinzipientreue verstand Monti aber dennoch mit einem Schuss Diplomatie zu mischen, wenn es darum ging, Europa sympathisch und bürgernah aussehen zu lassen.

All diese Eigenschaften braucht Monti nun, wenn er als nächster Ministerpräsident die Reformen durchsetzen will, für die Italiens Parteipolitiker in den letzten Jahrzehnten zu schwach waren. In das von Berlusconis Pomp geprägte Rom bringt er gleich einen neuen Stil der Bescheidenheit mit. Der allein reicht zwar nicht, um die ausgebufften italienischen Politiker auf seine Reformlinie zu zwingen. Falls Monti es letztlich aber schafft, winkt ihm für die neuen Verdienste noch eine außergewöhnliche Auszeichnung: Ihm wird nachgesagt, er würde gern im Jahr 2013 Nachfolger des Staatspräsidenten Giorgio Napolitano werden. Bewältigt er die Herkulesaufgabe einer Wende für Italien, wäre der Weg in den Quirinal frei.

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Jahrgang 1962, Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

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