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Veröffentlicht: 23.04.2013, 18:25 Uhr

Margarita Louis-Dreyfus Die umworbene Russin

Uli Hoeneß steht unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung.Von dem verstorbenen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus soll er 20 Millionen DM erhalten haben. Dessen Witwe Margarita ist heute die zweitreichste Frau Frankreichs.

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© AFP Margarita Louis-Dreyfus

Sie hatten viel gemeinsam: beide fußballverrückt, beide Spielertypen, beide gute Manager, beide hochgekommen aufgrund von harter Schufterei. Uli Hoeneß, der Mister FC Bayern, und der schillernde französische Geschäftsmann Robert Louis-Dreyfus waren zuerst Geschäftspartner und wurden dann Freunde. Zwei Männer, denen scheinbar alles gelang. Jetzt aber legt sich ein Schatten über ihre Männerfreundschaft, denn Hoeneß steht unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung.

Christian Schubert Folgen:

Das Geld soll von Dreyfus gekommen sein, der früher unter anderem den Adidas-Konzern geleitet hat, meldete die „Süddeutsche Zeitung“. Danach soll Dreyfus Hoeneß im Jahr 2000 rund 20 Millionen D-Mark auf einem Konto der Schweizer Privatbank Vontobel zur Verfügung gestellt haben, 15 Millionen D-Mark davon als Kredit über eine Bürgschaft abgesichert. Mit diesem Geld habe Hoeneß an der Börse gespielt und die Gewinne am Fiskus vorbeigeschleust, heißt es. Heikel ist dabei der Zeitpunkt, auch wenn bisher kein direkter Zusammenhang erwiesen ist: Etwa in der gleichen Zeit verhandelte der FC Bayern mit Adidas über einen Sponsorenvertrag, den der Sporthersteller dann auch gewann. Adidas ist auch bis heute am FC Bayern beteiligt.

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Dreyfus ist 2009 im Alter von 63 Jahren nach langem Leiden an Leukämie gestorben. Frankreich verlor damit eines seiner cleversten Unternehmertalente. Aus einer reichen Familie stammend, die über 150 Jahre einen globalen Handelskonzern aufgebaut hatte, lehnte Dreyfus das Geld seiner Familie immer ab. Zweimal scheiterte er am Abitur, weil er die Nächte mit Pokern verbrachte. Dafür nahm ihn später die Harvard-Universität auf, denn er bestand einen Intelligenztest glänzend und konnte einen originellen Werdegang mit einem Aufenthalt in einem israelischen Kibbuz vorweisen. Sein Studium und seine ersten Schritte als Unternehmenskäufer finanzierte er übers Pokerspielen. Er sanierte die amerikanische Marktforschungsgruppe IMS Health, dann die britische Werbeagentur Saatchi&Saatchi und später Adidas.

Als „RLD“, so sein allseits bekanntes Kürzel, 2001 in Herzogenaurach abtrat, gehörte Adidas wieder zu den großen Sportartikelherstellern der Welt, und der Franzose zog zur Telekommunikation weiter, wo er viele Millionen verdiente. Nebenher übernahm er die Fußballklubs Olympique Marseille und Standard de Liège und stieg abermals bei der familieneigenen Gruppe Louis-Dreyfus ein, der er als junger Mann schon mal den Rücken gekehrt hatte, weil er nicht schnell genug Chef werden durfte. Ein Leben wie auf einer Achterbahn, bei der es auch mal bergab ging: 2006 wurde Dreyfus zu einer Gefängnisstrafe auf Bewährung und zu einem Bußgeld von 200.000 Euro verurteilt, weil er in illegale Spielertransfers verwickelt war. RLD nahm einen Schweizer Pass an und verlegte den Sitz seiner Familiengruppe nach Genf - aus Steuergründen, versteht sich.

Margarita Louis-Dreyfus, geborene Bogdanova, ist die Erbin seiner Hinterlassenschaft. In einer Concorde auf dem Weg nach New York lernte er Ende der achtziger Jahre die schöne Russin im Alter von 26 Jahren kennen. Drei Söhne haben sie zusammen. Das Familienvermögen wird auf rund 4,5 Milliarden Euro geschätzt, was die Russin zur zweitreichsten Frau Frankreichs macht. „Politiker, Bankiers, Unternehmenschefs, Anwälte - alle machen ihr den Hof“, schreibt die Journalistin Elsa Conesa in einer gerade erschienenen Biographie.

Die Autodidaktin

Nach dem Tod ihres Mannes wurde Margarita Louis-Dreyfus aufgrund ihrer betriebswirtschaftlichen Unerfahrenheit zunächst unterschätzt. Doch die Autodidaktin zeigte bald, mit welchen Wassern sie gewaschen war. Den von ihrem Mann noch eingesetzten Unternehmensverwalter Jacques Veyrat stach sie in einem zwei Jahre langen Machtkampf aus. Heute regiert sie unangefochten über die Louis-Dreyfus-Gruppe, die im Agrarstoffhandel und mit Schifffahrtsdienstleistungen 2012 einen Umsatz von 57 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von 1,1 Milliarden Dollar erzielte.

Die Söhne sollen nach dem Testament des Vaters frühestens einsteigen, wenn sie 25 Jahre alt sind. Auch Olympique Marseille hat Margarita Louis-Dreyfus unter ihren Fittichen. Von anderen Familienmitgliedern hat sie kürzlich Aktien zugekauft, so dass sie heute rund die Hälfte der Gruppenanteile kontrolliert. Ein Börsengang in den kommenden Jahren gilt als möglich, auch wenn es dafür noch keine konkreten Anzeichen gibt. Das Handelshaus veröffentlicht neuerdings zweimal im Jahr Geschäftszahlen, denn es sucht den Zugang zum Anleihemarkt. Ansonsten aber hat die Russin, die schon vor dem Fall des Eisernen Vorhangs in den Westen zog, eine hervorstechende Eigenschaft behalten: große Diskretion.

Quelle: F.A.Z.

 

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