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Veröffentlicht: 15.11.2012, 16:00 Uhr

Männer nehmen Elternzeit Väter in Vollzeit

Ein Viertel der Väter nimmt heute eine Elternzeit. Wer allerdings ein Jahr von der Arbeit wegbleibt, gilt als Exot - und wird mit Fragen konfrontiert, die sonst nur Frauen kennen.

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© Frank Röth Spielplatz statt Büroturm: Wenige Väter nehmen sich eine längere Auszeit für ihre Kinder

So langsam wird er etwas nervös. Die kleine Tochter ist hungrig, die größere muss auf Toilette. Die Kleine kann aber nicht allein bleiben. Überall schwirren Leute herum, auf der Freilichtbühne im Frankfurter Günthersburgpark spielt eine Musikband. Es ist ein sommerlicher Abend im Juli. Karsten Grimm verbringt das erste Mal mehrere Tage und die Nächte allein mit den Kindern. Seit gut einem halben Jahr ist er zwar Elternzeitvater - während die Mutter seiner zwei Töchter arbeitet. Aber bislang kam sie immerhin abends zur Unterstützung. Jetzt ist sie verreist. „Endlich weiß ich, wie sich Alleinerziehende fühlen“, scherzt der 43 Jahre alte Vater.

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Und auch sonst lernt Grimm gerade viel in den fast zwölf Monaten, die er zu Hause bleibt - allerdings ganz andere Dinge als zuvor. Saß er früher oft bis in den Abend hinein in einem der Bürotürme der Innenstadt, trug Anzug und beschäftigte sich für seinen internationalen Finanzkonzern mit Vermögensverwaltung, verbringt er nun seine Nachmittage auf den Spielplätzen des Frankfurter Nordends, trägt Shorts, T-Shirt, eine dunkle Kappe und Dreitagebart. Rutschen und Obstessen gehören zum Pflichtprogramm. Vorlesen, Legospielen und Kinderturnen - dazu einmal in der Woche der Singkurs mit der Größeren, die drei Jahre alt ist. „Ich bin prägend dabei in einer Zeit, in der sie laufen und sprechen lernen. Es ist eine der spannendsten Phasen ihrer Entwicklung“, sagt er.

Noch immer wirken die alten Mechanismen

Die Zahl der Väter, die eine Auszeit für ihr Kind nehmen, wächst. Der Anteil derer, die Elterngeld in Anspruch nehmen, ist in den vier Jahren nach 2007 kontinuierlich von 18 auf zuletzt 25 Prozent gestiegen. In Bayern und Berlin liegt der Anteil sogar bei einem Drittel, während es in Bremen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt weniger als ein Fünftel der Väter sind - im Saarland nur 15 Prozent. Zweieinhalb Monate bekommen diese Väter durchschnittlich das Elterngeld. Wenn sie sich allein um das Kind kümmern, also ohne dass die Mutter parallel den Transfer bezieht, nehmen sie es 3,4 Monate in Anspruch. Knapp 5 Prozent der Väter beziehen es länger als die zwei Monate, die obligatorisch sind, wenn das Paar die Bezugsdauer von 14 Monaten erreichen will.

Väter wie Karsten Grimm dagegen, die ein Jahr oder länger zu Hause bleiben, weist die Statistik gar nicht aus. Ihr Anteil dürfte verschwindend gering sein. Noch immer wirken die alten Mechanismen: Der Mann ist der Ernährer, die Frau kümmert sich um die Kinder. Eine Auszeit für Väter gilt vielen als etwas Besonderes, das belegt ein Blick auf den Büchermarkt. Titel wie „Die männliche Mama“, „Wir Wickelprofis - So wird Elternzeit für Väter zum Kinderspiel“ oder „Morgens um sieben ist die Welt schon ein Chaos: Der ganz normale Wahnsinn eines Vaters in Elternzeit und wie man ihn überlebt“ deuten darauf hin, dass es exotisch genug ist, um ein Thema für die Verlage zu sein, und gleichzeitig von wachsendem Interesse, weil mehr Väter heute über ihre Rolle in der Kindererziehung nachdenken.

Am stärksten dürfte das Bild der Elternzeitväter der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel geprägt haben, der von diesem Juli an drei Monate vorwiegend für seine im April geborene Tochter Marie da sein wollte. Eine echte Elternzeit würde es nicht werden, das war vorher klar - schon allein deshalb, weil sie Abgeordneten als einer der wenigen Berufsgruppen gar nicht zusteht. Öffentlich aber war die Auszeit schon vor ihrem Beginn. Zehn Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen um die frühere Bundespräsidentschaftskandidatin Gesine Schwan hatten Gabriel aufgefordert, sich längere Zeit um seine Tochter zu kümmern.

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