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Luis de Guindos Ein Mann mit Standvermögen

 ·  Wirtschaftsminister Luis de Guindos war die spanische Schlüsselfigur, als es um die halbe Rettung des Landes ging. Am Ende bekam der erfahrene Politiker die geforderten „günstigen“ Konditionen.

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Als es bei der halben spanischen Rettung Spitz auf Knopf stand, war Wirtschaftsminister Luis de Guindos in Madrid die Schlüsselfigur. Er saß während der knapp dreistündigen Schaltkonferenz der Eurogruppe als beredter Unterhändler auf seinem Ministersessel nahe dem Bernabéu-Stadion, während im Moncloa-Palast Ministerpräsident Mariano Rajoy seine Fäden zog, mit anderen europäischen Regierungschefs telefonierte und de Guindos mit SMS-Befehlen versorgte.

So berichtete am Montag die Zeitung „El Mundo“, dass de Guindos in einem kritischen Augenblick, als in Sachen „Kreditlinie“ wegen des Widerstandes kleinerer EU-Staaten - Holland, Finnland, Österreich, Estland - die Verhandlungen vor einem Kollaps gestanden hätten, von seinem Regierungschef die Weisung bekam: „Halte aus. Wir sind die vierte Wirtschaftsmacht Europas. Spanien ist nicht Uganda.“ Und als einige EU-Partner noch immer Mühe hatten, den Spaniern ohne besondere Auflagen einfach 100 Milliarden Euro Hilfsgelder zur Sanierung ihres maroden Bankensektors zuzusagen, soll der Wirtschaftsminister die große rhetorische Keule herausgeholt und den Widerstrebenden gesagt haben: „Wenn Sie eine (volle) Rettung Spaniens erzwingen wollen, dann bereiten sie schon einmal 500 Milliarden vor, und dann noch einmal 700 Milliarden für Italien, das dann nach uns gerettet werden muss.“

Rajoys Internationaler

Am Ende gewannen die Spanier mit deutscher und französischer Unterstützung die Partie, weil sich ihr Argument, dass mit ihnen auch der Euro und das „europäische Projekt“ in den Orkus sinken würden, durchsetzte. De Guindos bekam, was er ausdrücklich „günstige“ Konditionen nannte, nämlich Zugriff auf einen zweckbestimmten Vorzugskredit „ohne makroökonomische Auflagen“, zu voraussichtlich 3 Prozent Zinsen, also weniger als die Hälfte von dem, was Spanien zuletzt auf dem Kapitalmarkt für seine Staatsanleihen bieten musste.

Das Powerplay hatte sich gelohnt. Und als Rajoy, der am Samstag seinem Wirtschaftsminister ganz das Erklärungsfeld überlassen hatte, am Sonntag schließlich selbst vor die Fernsehkameras trat, konnte er mit allem Grund sagen, er sei „sehr zufrieden“.

De Guindos ist Rajoys Internationaler: umgänglich, polyglott, erfahren und ein Mann mit beträchtlichem Standvermögen. Aus seiner langen Laufbahn, darunter als Staatssekretär und Schildknappe des früheren Wirtschaftsministers Rodrigo Rato in der Regierung von Ministerpräsident José María Aznar und späterer Exekutivdirektor von Lehman Brothers für Spanien und Portugal, kennt er zwischen Brüssel und New York die Vorder- und Hinterzimmer von Politik und Wirtschaft.

Wunschbetrag 60 Milliarden

Anders als sein spanischer Kopilot für Reformen und Sparmaßnahmen, Finanzminister Cristóbal Montoro, ist de Guindos nicht nur überall im Ausland parkettsicher, sondern genießt es auch. Der 52 Jahre alte Madrider war offenbar in der Regierung auch die treibende Kraft, als er die Bitte um eine „Kreditlinie“ für unvermeidbar ansah, während der Rest des Kabinetts, darunter auch Regierungschef Rajoy, noch mit Macht zwei andere Varianten durchzusetzen versuchten: massive Käufe spanischer Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) oder direkte Kapitalspritzen aus dem EFSF-Fonds für notleidende spanische Banken. Mit beidem biss Rajoy in Berlin auf Granit.

Das Duo de Guindos/Montoro wird nun in den kommenden Wochen, sobald nach der IMF-Bedarfschätzung vom Samstag - mindestens 40 Milliarden für schon verstaatlichte oder sonst moribunde spanische Banken - auch die Unternehmensberater Roland Berger und Oliver Wyman ihr Urteil abgegeben haben, den Wunschbetrag festlegen helfen. In beiden Ministerien wie auch im Moncloa-Palast glaubt man, dass etwa 60 Milliarden wohl reichen würden und man dann noch immer für Notfälle ein „Polster“ hätte.

Vor kurzem noch ging ein Foto um die Welt, das zeigte, wie Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker, de Guindos bei einer Begegnung im Spaß mit beiden Händen die Gurgel zudrückte. Nun hat der Spanier seinen Kopf und auch den Rajoys aus der Schlinge gezogen. Zwischendurch war er sogar als potentieller Juncker-Nachfolger gehandelt worden, wenn dessen Mandat im Juli endet. Dass die EU-Partner ihn jetzt aus reiner Dankbarkeit von Madrid nach Brüssel holen werden, mutet aber doch weniger wahrscheinlich an.

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Jahrgang 1950, politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel, Marokko und Tunesien mit Sitz in Madrid.

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