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Veröffentlicht: 08.08.2014, 11:27 Uhr

Lego-Wissenschaftlerin Bunsenbrenner statt Barbie

Lego produziert erstmals ein Set mit Wissenschaftlerinnen - und es ist innerhalb von Stunden ausverkauft. Die neue Gleichberechtigung im Kinderzimmer könnte sogar helfen, Probleme auf dem Arbeitsmarkt zu lösen.

von
© dapd Mehr Lego ins Kinderzimmer!

Als Mädchen hat man es nicht leicht in der Lego-Welt. Fast alle Produkte richten sich direkt an Jungs. Die coolen, aufregenden Sachen machen immer die männlichen Figuren: Im Raumschiff rumreisen, Dinosaurier jagen oder Pirat sein. Mädchen war im Lego-Universum fast nur vorbehalten, am Strand zu liegen, Shoppen zu gehen oder zu Kochen. Das finden und fanden nicht nur zahlreiche Eltern doof, sondern auch die Siebenjährige Charlotte Benjamin. Sie schrieb einen beherzten Brief an Lego: „Die Jungs haben Abenteuer erlebt, gearbeitet oder sind mit Haien geschwommen. Ich will, dass ihr mehr Lego-Mädchen schafft und sie Abenteuer erleben und Spaß haben lasst, ok!?!“,

Franz Nestler Folgen:

Seit August gibt es nun das Lego-Forschungsinstitut für 20 Euro. In ihm enthalten: Eine Astronomin, eine Chemikerin und eine Paläontologin. Die Figuren wurden von Ellen Kooijman kreiert, selbst Wissenschaftlerin, und durch eine Abstimmung der „Lego Ideas“–Mitglieder ausgewählt. Das Set war so populär, dass sogar ein Sherlock-Holmes-Legosatz dagegen nicht ankam. Und die Idee fand nicht nur im Internet reißenden Absatz: Das Set war innerhalb von 24 Stunden ausverkauft, erst am 4. September ist es in Deutschland wieder lieferbar. Da verwundert es schon, dass Lego gegenüber FAZ.NET äußerte, dass mehr solcher Mädchen-Themenpakete vorerst nicht geplant sind.

Dabei wäre das bitter nötig. Denn (auch) durch solches Spielzeug werden Mädchen für Naturwissenschaften begeistert. Und die Wirtschaft braucht wesentlich mehr Naturwissenschaftlerinnen und Ingenieurinnen. Nur jede vierte Frau arbeitet heute in diesen Bereichen, dabei stehen Frauen für die Hälfte aller verfügbaren Arbeitskräfte. Eine große Hürde ist aber offenbar, Mädchen und Frauen für das Thema dauerhaft zu interessieren. Und dieses, obwohl Studien zeigen, dass Jungs und Mädchen im Kindergarten gleich in Wissenschaften interessiert sind. Am Ende der Schulzeit klafft eine riesige Lücke zwischen den Geschlechtern.

30508591 Das kleine Wissenschaftlerinnen-Set © Lego Bilderstrecke 

Wie kann man diese Lücke nun schließen – oder sie gar nicht erst öffnen lassen? Eine Möglichkeit sind natürlich Spielsachen. Denn diese helfen Kindern nicht nur in der kognitiven und sozialen Entwicklung, sondern drängen sie auch in bestimmte Rollenbilder. Beispiele gibt es dafür genug. Eine Analyse aus diesem Jahr hat ergeben: Mädchen im Alter zwischen vier und sieben Jahren, die mit einer Barbiepuppe spielen, sind viel weniger Berufen gegenüber aufgeschlossen gegenüber als Jungen – selbst wenn sie mit Doktor Barbie gespielt haben. Die Mädchen dagegen, die mit Mrs. Potato Head spielten, waren für genau so viele Karrierewege zu begeistern wie Jungen.

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Auch andere Firmen wie Mattel setzen mehr auf Spielzeuge für Mädchen, die sie nicht in ein Heim-&-Herd-Klischee drängen. So gibt es seit dem Jahr 2010 auch eine Barbie, die Computer-Software programmiert. Allerdings kann eine Hyper-verweiblichte Wissenschaft auch mehr schaden als nützen. Eine andere Studie hat nämlich herausgefunden, dass zu feminine Vorbilder Mädchen von den entsprechenden Berufen abhalten, da sie es sich dann nicht zutrauen.

Eins noch: Wir wollen hier natürlich keinem Mädchen den Spaß an der pinken Prinzessin oder dem Barbie-Traumhaus verderben. Es geht uns darum, dass sie zumindest die Möglichkeit dazu haben, auch Frauenrollen zu spielen, die nicht die gängigen Klischees erfüllen.

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