31.08.2012 · Mit Rohstoffindizes wird spekuliert. Die Spekulation hilft aber Bauern, sich gegen Preisrisiken abzusichern. Das ist wirtschaftlich sinnvoll und moralisch erwünscht. Sie verbieten zu wollen, würde das Anliegen torpedieren, den Hunger zu bekämpfen. Ein Essay.
Von Ingo PiesRichtlinien für Lesermeinungen
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"Im Prinzip ist es zwar denkbar, dass die enormen Preissteigerungen
des Jahres 2008 nicht auf veränderte Fundamentaldaten, sondern auf
eine Blasenbildung zurückzuführen ist."
So ist es. Das hat nichts mit Angebot und Nachfrage zu tun, sondern mit
Spekulation. Auf den Märkten handelt nur noch ein Teil mit echtem
Rohstoffen. Der Spekulant gewinnt allerdings immer.
... Aber nein, es sind die Bösen Spekulanten!
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.09.2012 12:02 UhrMit gespielter oder tatsächlicher Naivität
kommen wir nicht weiter. Die "Deregulierung der Märkte"
die tatsächlich fast ausschließlich eine Deregulierung der
Finanzmärkte war und ist - hat die Spielregeln im großen
Monopoly einseitig zu Gunsten der Finanzspekulation verändert. Das
führte - und führt weiterhin - zwangsläufig zu
Fehlentwicklungen. Diese sind weitreichend und sehr tiefgreifend. Einmal
geschlossene Betriebe, aufgegebene Branchen lassen sich nicht per
"Mausklick" wieder starten, einmal gesätes Saatgut kann
zwar untergepflügt werden, jede Neusaat benötigt jedoch auch
wieder Zeit zur Reife.
Wie viele Betriebe wurde geschlossen, weil die Rentabilität in
Folge hoher Kreditzinsen (wer legt die fest, warum und wie - siehe
LIBOR-Skandal) zu gering war, oder weil nötige Investitionen
mangels Kredit unterbleiben mussten? Wie viele Unternehmen werden aus
diesen Gründen gar nicht erst gegründet?
Es geht nicht um gute oder böse Spekulanten, es geht um sinnvolle
(=gute) oder schlechte (=böse) Spielregeln! Friedman is wrong!
Der Beitrag glänzt vor allem durch
freundliches Ausblenden der tatsächlichen Ereignisse auf den "Märkten". Denn die Terminkontrakte beschränken sich nicht auf ein Jahr bzw. eine Wachstumsperiode, sondern greifen weiter in die Zukunft. Wenn aber Parteien, die an der realen Erzeugung, Verarbeitung und dem Vertrieb von Wirtschaftsgütern nicht beteiligt sind, über spekulative "Termingeschäfte" Einfluß auf das Geschehen der Realwirtschaft nehmen, dann kommt es zwangsläufig zu Fehlallokationen, also zu Fehlentwicklungen. Wenn der vive "Trader" der Finanzfirma X die Preise für Terminkontrakte auf Winterweizen im Jahr 2015 hochtreibt - weil sein quantentheoritisch untermauertes Tradingmodell das hergibt und er das viele Geld der "Rettungsprogramme" ja irgendwo unterbringen muß - dann hat das Auswirkungen auch auf die realen Güterpreise jetzt und auf Anbauentscheidungen. Kurz: Der Markt fürs reale Produkt wird wg. des irrealen verzerrt. Keine Termingeschäfte ohne Basisgeschäft - und der Spuk ist vorbei!
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.09.2012 11:15 UhrNicht zu vergessen diverse weitere Fehler
Ihr Kommentar ist knapp und trifft auf den Punkt. Der von Pies beschriebene Spekulant war die Regel, bevor Richtlinien gegen exzessive Spekulation aufgehoben wurden - genau die ist aber das heutige Problem. Weitere Fehler im Artikel: 1. Blasenbildung setzt keine schlechte Information voraus, sondern braucht nur spekulativen Herdentrieb. 2. Die Lagerhaltung kann auch nahezu konstant bleiben, wenn z.B. der Mai-Futurepreis auf den Kassamarkt durchschlägt und 2 Tage nach März-Future-Fälligkeit zu dem höheren Preis eingekauft wird, weil der Käufer den Weizen braucht. Und wieso wohl wurden in den letzten Jahren die Lagerkapazitäten stark ausgebaut? 3. Rohstoffindizes gelten meist für mehrere Rohstoffe und sind nicht mehr an die Marktbedürfnisse eines einzelnen Rohstoffs angepasst. Durch sie ist die Preisentwicklung diverser Rohstoffe inzwischen verknüpft, unabhängig von Fundamentaldaten. ... Weitere Details zu Warenterminmärkten stehen auf meinen Wordpress-Blog "Ökonomie für Einsteiger".
Der Artikel übersieht, dass auch die Bioenergiegewinnung eine Preisabsicherung ist
Die Moralapostel sehen nicht, dass in der Gesammten
Wertschöpfungskette von der Urbarmachung der Böden bis zum
Teller, jeder Geld Verdienen muss. Wenn er das nicht mehr kann weil der
Preis für seine Leistung nicht mehr bezahlt wird, wird diese
Leistung nicht mehr erbracht. An diesem Fakt kann keine Politik etwas
ändern auch wenn es schon viele Versucht haben und dafür die
Bevölkerung einen hohen Preis Zahlen musste.
.
Was insbesondere Diesen Artikel betrifft möchte ich noch darauf
hinweisen, dass hier globale Rohstoffmärkte in schutz genommen
werden, weil sie es sind die dafür sorgen, dass bei den Produzenten
auch beim Verkaufserlös noch genug ankommt um weiterzuarbeiten.
Während die Bioenergie pauschal zu den Bösen stilisiert wird
auch wenn sie im Prinzip nur die selbe Leistung Leistung für den
Produzenten bringt. Preisstabilität.
.
Trotz der differenzierten betrachtung der Agrarspekulation ein
einseitiger Artikel.
Preiskapriolen gibt es erst seit der Liberalisierung des weltweiten Lebensmittelhandels
d.h. erst ab 2005/2006
Missernten haben zuvor deutlich weniger Auswirkungen gehabt.
Die Probleme in den USA und Osteuropa haben an der
Weltgeamtgetreideproduktion praktisch nichts geändert und lediglich
auf die lokalen Märkte Auswirkungen. Solange in der EU massenhaft
Überproduktion samt damit verbundener Vernichtung stattfindet,
kommen reiche Länder nicht in die Gefahr einer Unterversorgung.
Schlecht geht es nur den ganz Armen in der sogenannten 3. Welt. Doch
diese haben so wenig Geld, dass sie die Preise nicht in die Höhe
treiben können. Dafür sind alleine die Spekulanten
verantwortlich. Gute Infos dazu erhält man fast überall - nur
nicht bei den Banken
Stimmt!
"Positionslimits" war das ZAuberwort einer denkwürdigen,
von der Presse komplett ignorierten Bundestagsdebatte am 8. März
dieses Jahres. Ein plötzlicher Sinneswandel bei der
Regierungskoalition ergab in der Debatte über Rohstoffspekulation
(inklusive Agrarrohstoffe)
a parteienübergreifend den Konsens, mann müsse was tun
b einen kleinsten gemeinsamen Nenner: DIe Wiedereinführung von Positionslimits
Ansonsten wurde noch das Wort "Transparenz" am meisten im
Munde geführt. In den letzten Tagen äußerte sich DIrk
Niebel mit der Idee, den Agrahandel komplett an die Börse zu
zwingen, um so die Transparenz herzustellen.
Das wäre vielleicht eine gute Idee, denn wenn durch Positionslimits
manche Bank vielleicht auf preistreibende Agrarspekulation verzichten
würde, würden andere durch Strohmänner die Limits
umgehen. Mit mehr Transparenz könnte man dem begegnen.
Der Lebensmittehandel an den Börsen war in den USA früher reguliert
z.b. gab es Höchstmengen. Dies wird aber zum Glück aller Wahrscheinlichkeit demnächst wieder so sein
Was meinen Sie mit "Liberalisierung..."
...des weltweiten Lebensmittelhandels". Finden Sie das schlecht? Kein Weizen in Dürregebiete der Sahel?
Das sind mehrere Fragen/Probleme
nur kurz: schauen Sie sich die Volatilität des US Getreides auf Langfristcharts an. Bei einer Bevölkerung von unter 5 Milliarden in den 1970ern. USA exportiert! Europa ist ein spezieller Fall, kann man nicht vergleichen, da fast ausschließlich durch den Staat manipuliert.
Warentermingeschäfte sind die Wurzel des Übels, solange es sich nicht um Kassageschäfte handelt.
Denn dann handelt es sich um eine Wette auf den Wert einer Ware in der
Zukunft und hat nichts mit einer gegenseitigen Absicherung für ein
reales Geschäft zu tun. Insofern geht das Beispiel einer
"Versicherung" des Herrn Pies völlig fehl, da der Bauer
seine Ware nicht an den Zocker verkaufen und der Zocker diese nicht
kaufen will.
Solche Wetten fordern geradezu zu weiteren Wetten heraus, deren
Krönung Wetten sind, in denen Zocker über Dinge wetten, mit
denen sie überhaupt nichts zu tun haben. Das ist Casino pur. Um
beim Beispiel zu bleiben, zwei Zocker wetten über die Ware des
Bauern, ohne daß dieser daran irgendwie beteiligt ist. Das Dumme
an solchen Wetten ist nur, daß auch sie durchaus Einfluß auf
die Wertentwicklung der Ware des Bauern haben.
Würden die Börsengeschäfte einzig an die realen Werte
gekoppelt sein, reduzierten sich die entstehenden Probleme auf die
"natürlichen" Probleme der Marktwirtschaft. So aber
schaffen die Börsen Probleme, die nicht mehr beherrschbar sind.
Falsch und fiktiv
Ihre Beschreibung eines Kassageschaftes ist de facto ein Termingeschäft. Kassageschäfte finden in der Regel ohnehin nur als langfristige Liefervereinbarungen unter Konzernen statt und sind selbst dann nicht wirklich Kassageschäfte.
Auch Sie irren, Herr Rinker.
Lesen Sie dazu bitte meine Antwort an Herrn Majewski.
Sie irren, Herr Majewski.
Mit Kassageschäft werden alle Geschäfte, auch Termingeschäfte, bezeichnet, in denen real gehandelt wird. Um beim Bauern zu bleiben, der kann seinen Weizen des Jahres 2020 bereits heute zu einem Preis x an einen Händler verkaufen, der dann darauf spekuliert, 2020 mit dem Weizen einen Preis x + y, den Gewinn, zu erzielen. Genau so werden Kassageschäfte regelmäßig abgewickelt, um beispielsweise Kursschwankungen auszuschließen.
Widerspruch in sich
“Warentermingeschäfte sind die Wurzel des Übels, solange
es sich nicht um Kassageschäfte handelt. “
Mit Verlaub, Geschäfte sind entweder Kassageschäfte, d.h.
sofortige Lieferung und Zahlung oder sie sind Termingeschäfte.
Beide Begriffe schließen sich gegenseitig aus, ebenso wie der
Winter nicht Bestandteil des Sommers sein kann.
Auch das ist wieder falsch
Kassageschäfte sind adhoc Geschäfte. Kauf und Verkauf bedingen
sofortige Andienung/Lieferung/Abnahme. Wie soll der Produzent den
Winterweizen andienen, der grad noch als Keim in der Erde steckt? Soll
er also warten, bis die Ernte reif ist und zuschauen, das die mikrige
Ernte seine Handlungs- und Investitionskosten nicht im mindesten deckt?
(Vom Gewinn ganz zu schweigen?). Termingeschäfte verbieten heisst
mit einem Schlag mind. 80% aller Produzenten in die Insolvenz treiben
bei einer Missernte.
Und selbstverständlich ist der "Bauer" an den
"Wetten" beteiligt. Er wird in den "Commitments o
Traders" als "Commercial" gelistet, also jener, der
permanent seine Produktion, sei es Weizen, Gold, Öl, Kupfer, Mais
etc. auf die Terminmärkte wirft, also verkauft, also short geht.
Der Preis spiegelt im Mittel das Verhältnis von Angebot zu
Nachfrage wieder. Übertreibungen nach unten oder oben werden durch
die Marktteilnehmer selbst bereinigt.
Der Bauer spekuliert wenn er ein (Saat)korn in die Erde steckt.
Der Bauer könnte noch mit etwas Geld spekulieren indem er sich
einen Optionsschein kauft der ihm erlaubt das geerntete Getreide
für einen bestimmten Preis zu verkaufen. Der Müller
könnte sich Kaufoptionen kaufen damit der sein Getreide zu enem
bestimmten Preis kaufen kann.
Das Problem ist nicht die Spekulation m.E. sondern die vielen
Optionsscheine die gar nicht mit realen Gütern hinterlegt sind. Im
Finanzbereich dieser Zeitung werden oft Indexcertifikate empfohlen, die
nur rechnerisch einen Wert abbilden. Ist der Emitent pleite ist das Geld
wo anders.
Wenn der Bauer nicht spekuliert gibt es säter auch keine Ernte. Das
verbrauchen(essen) müssen des Saatkorns ist mit das schlimmste was
dem Bauern passieren kann.
Ich wünsche guten Erfolg bei ihrer Spekulation
Ich war eine Weile am Grübeln aber es blieb so ein schaler Nachgeschmack.
Wo bleibt in diesem Essay eigentlich der Verbraucher?
Es geht um Bauern, Grosshändler und die Finanzindustrie
Was aber hat der Verbraucher von den Wetten auf die Preise?
Doch wohl eher keine niedrigen oder stabile Preise?
Warum bleibt der Verbraucher in so einer umfänglichen Analyse so unbemerkt?
Dann wurde mir klar:
Verbraucher sind nicht systemrelevant,
sie müssen ja essen oder sterben!
Eine Frage an die Marktradikalen
Warum waren z.B. der Weizen- und der Maispreis in den Krisenjahren von August 08 bis Mai 2010 nur halb so hoch wie heute und unmitelbar vorher, d.h. vor dem Finanzcrash (einfach mal nach den entsprechenden Charts googeln)? Haben die Menschen in dieser Zeit auch nur die Hälfte gegessen? Oder waren die Bauern damals einfach nur extrem risikobereit und wollten sich in dieser Zeit nicht absichern? Böse Zungen behaupten ja, dass den Spekulanten damals einfach nur das Geld gefehlt hat, um die Märkte zu manipulieren. Mit Beginn der Bazooka-Periode stiegen dann wieder die Preise. Ein Schelm wer Böses dabei denkt?
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 31.08.2012 19:24 UhrAntwort des Marktradikalen
Weil die Getreideproduzenten (USA und Osteuropa) seit 2011 unter massiven Ernteausfällen, klimatisch bedingt, leiden. Knappes Angebot gleich hohe Preise.
Wieviel mehr haben Sie in dieser besagten Zeitspanne fuer Brot und Cornflakes bezahlt?
Die bei den Termingeschaeften notierten Preise werden fuer 80 % der
Mengen nicht
verrechnet - es handelt sich um Spitzenwerte, die sowohl ueber als auch
unter den
Preisen fuer das Gros der Waren liegen. Diese Preise werden notiert,
weil eben nicht
gedeckter Spitzenbedarf oder nicht gedeckte Spitzenproduktion plaziert
wird. Und nicht vergessen: Bei hoehern Preisen steigt die Produktion
sofort. Machen Sie sich schlau,
Herr Kuntermann!
ein guter Artikel, eine falsche Politik
Fundiert, wohl überlegt, gut dargestellt. Aber: Nahrungsmittel sind 1, Engpässe + 2. keine freien Wirtschaftsgüter. Wer das doch so sieht, hat nicht über den mensch, seine Lebensumstände und seine Lebens-Bedingungen vor-gedacht. 50% der Menschheit kann sich aus welchen gründen immer, nicht selbst ernähren. Boden und Nahrunsgmittel sind nicht adäquat verteilt. Die Engpässe , die dadurch entstehen, dürfen nicht für eine Verschlimmbesserung der Zustände "genutzt" werden. Krieg ist die Folge. Mittelalter hatten wir ausreichend. Börsen sind Unsinn, Lebensmittel-Börsen erst recht
Sehr guter Artikel, aber leider
bleibt für viele Leser die komplexe Materie trotzdem scheinbar recht unverständlich. Mein spürt bei einigen Foristen direkt die Emotionen hochkochen, aber immerhin haben sie sich die Mühe gemacht, den Essay zu lesen.
Die Quintessenz dieses Beitrages ist, es muß nur so lange oder so
oft gewettet werden, bis die Wette gewonnen ist. Und wenn alles nicht
hilft, dann greift man eben zur künstlichen Verknappung des Angebotes.
Wer diesen Artikel liest, muß zwangsläufig den Eindruck
gewinnen, es könne nur Gewinner geben. Zumindest bei Erzeugern,
Händlern und Zockern. Daß das selbstverständlich blanker
Unsinn ist, bedarf wohl keines expliziten Beweises. Oder doch?
Der Bauer verkauft also zu 100, der Preis fällt auf 80. Jetzt kauft
der Bauer zu 80 zurück und realisiert 20 Gewinn. Damit realisiert
der Zocker 20 Verlust. In der Realität wird aber solange gezockt,
bis zumindest der Zocker einen Gewinn macht. Und das bedeutet, der Preis
steigt. Steigende Preise aber führen irgendwann zu einbrechender
Nachfrage. Und die führt beim Bauern dann dazu, daß er
überhaupt nicht mehr oder nur unter Selbstkostenpreis verkaufen
kann - trotz großer Nachfrage.
Und da liegt das ethische Problem, Herr Pies.
@ Roman Haselmann:
Warum spielen Menschen Lotto und machen beim Hütchenspiel mit?
Investieren in "todsichere Tips", bei denen man erst mal einen
Betrag x zahlt und dann "garantiert" den Betrag 10x
zurück bekommt - bis die Letzten von der Lawine überrollt
werden, die der Schneball ausgelöst hat?
Die Aussicht auf Gewinn löst Gier aus - und diese vernebelt den
Verstand.
Sie etwa nicht, Herr Henseler?
Selbstverständlich verzockt sich auch der Zocker mal, das aber wird
in der Regel durch andere Zockereien wieder ausgeglichen. Und wenn sonst
nichts mehr hilft, dann zahlt der Steuerzahler die Verluste. Ja, die
Zocker in ihrer Gesamtheit gewinnen immer, das erleben wir doch gerade
am eigenen Leibe.
Das Dumme an der ganzen Zockerei ist eben, daß sie nur Sinn und
Spaß macht, wenn man dabei gewinnt. Würde sonst gezockt? Die
Gewinne aber sind leistungslose Einkommen, die von Ihrem Einkommen
abgezogen werden. Das Ergebnis ist eben, daß die Preise sinnlos
steigen, während Ihr Realeinkommen stagniert oder sogar sinkt.
Da kann Herr Pies noch so verklausuliert daherschwätzen, an der
simplen Realität ändert das nichts. Und ethisch vertretbar ist
es eben nicht, wenn Menschen hungern oder sterben, weil Zocker
Nahrungsmittel grundlos verteuern, um selbst und ohne eigene Leistung
ein Leben wie im Schlaraffenland führen zu können.
Statt Stroh zu Gold, macht man heute Luft zu Gold. Das funktioniert.
Sie glauben, dass die Zocker immer gewinnen?
Probieren Sies doch mal, wenn nicht bei Nahrungsmitteln dann bei
Wertpapieren oder
Rohstoffen. Sie werden sehen, wie schnell man den Bach runter gehen kann.
Agrarspekulanten? Einfach mal auf die Raps- und Mailfelder schauen...
und schon sind die übelsten Spekulanten zu bewundern.
Denn die bekommen sehr viel Geld dafür, dass die Lebensmittel, die
sie anbauen, niemals zu Lebensmitteln verarbeitet werden.
Oder eigentlich ist es sogar der dt. Steuerzahler, der diesen Wahn auch
noch mit irrsinnigen Summen finanziert und so dafür sorgt, dass das
Angebot verknappt wird und die Preise steigen -eben echt Ökosozialismus-.
Das grundlegende Problem wird in diesem Artikel nicht analysiert. Die
Sinnhaftigkeit von Termingeschäften steht ja außer Frage. Das
Problem ist allerdings die zunehmende Marktkonzentration. Einige wenige
große Akteure können die Preise gezielt in eine
gewünschte Richtung manipulieren. So wie bei Öl und
Industriemetallen kaufen Banken und Hedgefonds ja auch selber Rohstoffe
auf. Sie fungieren somit nur als Zwischenhändler und können
die Waren so lange halten bis der Preis ihren Erwartungen entspricht.
Zusätzlich kann durch bankeigene Analyseabteilungen, die durch
krude Markttheorien immer weitere Preissteigerungen herbeischreiben
(Chinesen essen mehr Fleisch, schlechtes Wetter in Russland, …)
und durch kreditfinanzierten Kauf von Derivaten zusätzlich der
Preis nach oben getrieben werden.
Die Argumentation in diesem Essay blendet die wirklichen Probleme aus.
Von daher kann man nur annehmen, dass dies im Auftrag der Hochfinanz
geschrieben wurde.
Durch solche Markttheorien wird nicht mal die Katze hinterm Ofen hervorgelockt.
Es gibt einfach zu viele Markttheorien als das man da noch irgendwelche
ernst nehmen kann. Zudem ist das Vertrauen zu der Finanzbranche komplett
verloren gegangen. Also wird durch solche Markttheorien nicht mal die
Katze hinterm Ofen hervorgelockt.
Wenn jemand Wirbel macht und die Leute zum Handeln aus den Sofas treibt
dann ist es das GEZ-Fernsehen. Dem trauen die Menschen noch, aber der
hebt sich gerade in Finanzaspekten durch Oberflächlichkeit von
anderen ab. Hier werden immer schnell die Schuldigen präsentiert
und wenn möglich noch in den Nachrichten benannt. Meist sind es
dabei die Banken, die Hedgefonds, die Steuerhinterzieher,…. Das
wir mittlerweile aber in einem Staat leben, der selbst der
größte und schlimmste Finanzakteur ist, der dazu auch noch
den öffentlich-rechtlichen Rundfunk beeinflusst, dass blenden die
Leute aus.
Die Spekulation über die Spekulation anderer kann Preise auf irrationale Höhen treiben (Tulpen)
Wenn auch nur für bestimmte Zeit. Da Spekulanten keine LKW's und
Lagerhäuser besitzen und Lebensmittel verderblich sind, fällt
der Kassamarkt für die Spekulation aus. Im Gegensatz zu den
Kassamärkten für Finanzprodukte. Diese absorbieren die
Spekulation genauso, wie deren Terminmärkte, in beiden kann die
Zukunft gehandelt werden. Deshalb die großen Preisdifferenzen
zwischen Kassa- und Terminmarkt im Warenbereich im Vergleich zu den Finanzmärkten.
Nun zur Frage, ob die Spekulation, die im Warenbereich
ausschließlich in den Terminmarkt geht, sich auch auf den
Kassamarkt auswirkt. Die Ware kann ja leider aufgrund seiner
Verderblichkeit, nicht bis zum Verfall des Terminkontraktes gehalten
werden. Trotzdem wird sich das Bewußsein an ein bereits an den
Terminmärkten gehandeltes höheres Preisniveau gewöhnen
und damit auch den Tagespreis in diese Richtung schieben. Die
Prophezeiung erfüllt sich selber.
War die Erwartung ein Irrglaube, fällt alles wieder zurück.
Leider zu spät für einige.
Je mehr man über diesen Artikel nachdenkt, desto stupider wird er ...
"Hier ist besonders hervorzuheben, dass ein Preisauftrieb auf dem
Terminmarkt nur dann auf den Kassamarkt durchschlagen und dort die
Preise anheben kann, wenn der physische Austausch von Angebot und
Nachfrage auf dem Kassamarkt tatsächlich beeinflusst wird."
Dann argumentiere ich jetzt mal dagegen: Ihr Name ist Goldman S. . Sie
legen ein CFI auf. Um das Geschäft anzukurbeln kaufen Sie eine
Weile die Commodity Weizen und lagern diese ein. Folge der Preis steigt.
Jetzt gehen Sie zum Anleger und zeigen darauf, dass der Preis steig und
dass das ein toller Markt ist. Damit lösen Sie eine Run á la
Facebook aus und die Futures haben entsprechend ab.
Werden in diesem Fall nicht alle Spot-Händler auf die steigenen
Futures verweisen und deshalb ihr Produkt unmittelbar teurer verkaufen
wollen? Wir das ganze nicht so lange weitergehen bis auch der letzte
Depp merkt, dass die alle keinen Weizen haben wollen, sondern Marge und
dann zusammenbrechen? Ist das nicht die Blase?
Oh Frau
Unsere Einigkeit beschränkt sich darauf, dass wir beide der Meinung
sind, dass Goldman S. den Weizen irgendwann wieder verkaufen wird. Da
Getreide über mehrere Jahr hatlbar ist, kann man sich damit aber
Zeit lassen.
Für Goldman S. ist der Primärmarkt nur insofern von Interesse,
als er für die Nährung Wachstumsphantasien auf
Sekundärmärkten tauglich ist: Damit werden dann die Kunden
geködert, die in die CIFs einsteigen. Ist eine Herdeneffekt
erreicht, koppelt sich die Nachfrage nach CIFs komplett von den
eigentlichen Gegebenheit des Primärmarktes ab. Zu diesem Zeitpunkt
verkauft Goldman. Denn der Primärmarkt wird nun dem
Sekundärmarkt folgen und ebenfalls abheben.
Genau das war der Auslöser der Subprime-Blase: Die Käufer auf
dem Sekundärmarkt sorgten für den Mittelzufluß zum
Primärmarkt. So konnte ein wirtschafltich unsinniger Kreditmarkt,
dessen Kredite schon bei Auszahlung faul waren, hunderte Milliarden an
Kapital anziehen.
"Abflachung der Preisspitze"? In welchem Semester sind Sie?
Oh Mann
Also Goldman Sachs kauft Weizen und lagert ihn dann ein. Na prima. Und
dann? Dann lässt er ihn da liegen und verrotten oder was?
Haben Sie das aus dem sozialistischen Lehrbuch für Lagerhaltung?
Ausgabe nur an Parteifunktionäre?
Nein! Selbstverständlich gibt GS den Weizen wieder raus auf den
Markt und zwar innerhalb - Schau an! - der Haltbarkeitsfrist. Der
Weizenpreis auf dem Kassamarkt sinkt durch ein erhöhtes Angebot.
Und so - bitte nicht weitererzählen - trägt die Spekulation zu
einer Abflachung von Preisspitzen bei. Aber das sind dann schon die
Feinheiten marktwirtschaftlicher Kreisläufe, also bitte ignorieren.
Zu wieviel % nützlich, zu wieviel % Spekulation?
Ich kenne das Argument der prinzipiellen Nützlichkeit aus der
Debatte um Optionen (auf z.B. Aktoen). Auch hier wird empathisch
argumentiert, ihr Verbot schädige Unternehmen, die sich mit solchen
Optionsgeschäften absichern.
Hier wie dort wäre deshalb eine Frage wichtig: Wieviel % des
bewegten Geldes dienen legitimen Zwecken. Und wieviel reiner
Spekulation. Wenn das Verhältnis, dass ich beim Handel mit
Optionsscheinen aller Art vermute, 1:100 ist, dann wird das Argument
nichtig. Ich unterstütze nichts, was zu 99% Sch*** produziert,
damit in 1% der Fälle als Abfallsprodukt etwas Nützliches
entsteht.
Und solange diese Frage nicht beantwortet ist, halte ich die Wetten auf
die Preisentwicklung von Lebensmitteln für fast ebenso pervers, wie
den "Bio"sprit. In beiden Fällen handelt es sich im
wahrsten Sinne des Wortes um einen Handel mit dem Tod ...
In dr Regierungszeit von Ronalreagan hatte sich auf dem
Börsenpakett doch etwas fundamental verändert. Die damals
erlassenen Gesetze haben doch die Kontrolle der Finanzmärkte
zurückgenommen und Börsengeschäfte liberalisiert.
Vor allem Bei der Spekulataion mit Agrarprodukten wurden, so weit ich
weiß, die Regeln geändert.
Meine Fragen:
Was waren das für Veränderungen? Wie wirkten sich die
Veränderungen aus?
Stimmt es, dass frührer die Anzahl der an den
Waren-Termin-Kontrakten beteiligten einschränkt war?
Danke für Ihre Antworten im Voraus.
Bis in die 90er Jahre hinein galt in D und anderswo u.a.
die Regel: Kein Termingeschäft ohne Basisgeschäft! D.h. Nur
der konnte sich mit z.B. Währungstermingeschäften absichern,
der auch im internationalen Warenhandel in den entsprechenden
Währungen engagiert war. Also z.B. der MAN Konzern, der einen
Großauftrag über x LKW in die USA erfüllte, der konnte
zur Absicherung von Kursschwankungen Währungstermingeschäfte
betreiben. Ähnlich verhielt es sich bei den Rohstoffmärkten.
Wenn diese sinnvolle Regel heute wieder eingeführt würde,
wäre das Volumen des "Marktes" für Terminkontrakte
ganz schnell dahin geschrumpft, wo reale Nachfrage und reales Angebot
liegen.
Mit den netten, scheinbar einer mathematischen Logik folgenden Thesen,
wie sie auch im Artikel ausgebreitet werden, operierte schon Mr.
Friedmann, einer der Chicago Boys. Leider widerlegt die harte
Wirklichkeit all diese Träumereien von den selbstregulierenden
Eigenschaften der "invisible hand" immer wieder aufs Neue.
Aber es wird nix draus gelernt, weil: Gier frisst Hirn!
Es tut mir leid, aber so geht das nicht auf!! Am 27.06.2011 gab es im
Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
eine Anhörung zum Thema: "Spekulation mit agrarischen
Rohstoffen". Daran teilgenommen und gesprochen haben u.a. Heiner
Flassbeck und Dirk Müller. Kann sich jeder auf YT ansehen. Meiner
bescheidenen Ansicht nach wurde dort zweifelsfrei bewiesen, dass die
dramatischen Preissteigerungen für z.B. Weizen nicht auf die
normalen Terminkontrakte - die alle Beteiligten Redner für
unverzichtbar hielten - zurückzuführen seien, auch nicht auf
Missernten o.ä., sondern von Zockern des Finanzkasinos
herbeigeführt wurden.
Warum? Naja, weil dort noch kräftige Renditen zu erwarten waren und
demgegenüber sichere und lukrative Anlagen seit dem Ausbruch der
Finanzkrise einfach Mangelware sind. Da ist man zunehmend auf die
Rohstoffmärkte ausgewichen. Aber jeder schaue sich den Beitrag
selbst an ...
Logisch
Drei Gross-Konzerne beherrschen das Geschäft mit Lebensmitteln und den Börsen. Gewinne werden nicht mit Ethik, sondern nur mit Spekulation auf Engpässe erzielt. Der Ansatz ist deswegen immer falsch. Mit Lebensmitteln spekulieren ist ein Verbrechen.
Finanzvolumen der CIFs erhöhte zwischen 2003 - 2008 um den Faktor 25: "Keine Blase" ...
Wenn man sich ein wenig damit beschäftig, wie Goldman Sachs seit Anfang der 90er Jahre das CIF Geschäft platziert hat und man dann diesen Artikel liest, dann kommt man sich vor wie 2007 als die "efficient market theory" noch jede Blase hinwegtheoretisiert hat.
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 01.09.2012 19:02 UhrIhr Versuch das Wachstum von Vermögensanlagen mit realen Wachstumsgrößen zu begründen ..
... ist ehrenhaft, gerät aber zum gut gezielten Schuß ins eigene Tor: In den Luftschlössern der Finanzindustrie hätte spielend eine Billiarde Menschen Platz.
Das ist richtig, aber
das Geldvolumen, das um den Erdball kreist, ist um mehr als den Faktor 25 gestiegen. Bevölkerung inzwischen auf über 7 Milliarden. Gigantisches Wachstum in Asien. Aber die Geldmenge M1 soll möglichst so klein sein wie in den 1970ern beim autofreien Sonntag?
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