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Kostspielige Bergrettung Teure alpine Abenteuer

 ·  Skiunfälle in den Alpen erfordern oft kostspielige Bergeinsätze. Das Lostreten einer Lawine kann dann schnell fünfstellige Eurobeträge nach sich ziehen. Eine entsprechende Versicherung lohnt sich.

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© dapd Vergrößern Die Bergwacht und ihre Lawinenhunde suchen nach einem Skifahrer

Tim Lutz und Tom Starke hatten Glück im Unglück. Unlängst sind die beiden Schneeschuhwanderer in den österreichischen Alpen in Bergnot geraten. Vier Tage haben die Männer im Salzburger Pinzgau auf rund 2500 Meter in einem Notunterstand ausgeharrt. Das schlechte Wetter verhagelte ihnen die geplante Tour. Die Biwakschachtel des Österreichischen Touristenklubs bedeutete die Rettung für die beiden. „Das Glück war, dass in der Biwakschachtel ein Kocher und eine Gaskartusche waren“, sagt der Einsatzleiter der Österreichischen Bergrettung, Bernd Tritscher. So konnten die beiden 20 Jahre alten Alpinisten Schnee schmelzen. Zusätzlich rationierten sie noch Kekse und einige Müsliriegel.

Die Bergbaustudenten aus Sachsen wurden von der Bergrettung geborgen, nachdem sie mit letzten Akkureserven einen Notruf gesendet hatten. Auch der Saalfeldner Bergrettungschef Tritscher ist froh über das Happy End - dass die beiden Männer letztlich vernünftig blieben und nichts auf eigene Faust unternahmen. Bergfachleute bezeichnen die Tourenplanung der beiden Alpinisten als schlecht, das habe an ihrer Unerfahrenheit im winterlichen Hochgebirge zu tun gehabt. Die beiden sind sich darüber auch völlig klar: „Wir sind bei Lawinenwarnstufe zwei losgegangen und mit Aussicht auf gutes Wetter. Die Nachricht über den Schlechtwettereinbruch kam zu spät, das ist blöd gelaufen“, gaben sie Protokoll. Schließlich setzten die beiden einen Notruf ab und alarmierten auf diese Weise die Einsatzkräfte.

Suchaktion kostet bis zu 5000 Euro

Drei Männer von der Bergrettung waren anschließend insgesamt 22 Stunden im Einsatz. Bei einem Stundensatz von 32 Euro dürfte die Aktion 770 Euro gekostet haben. Hinzu kommen zwei Hubschraubereinsätze. Einer davon schlägt mit 3500 Euro zu Buche. Hingegen wird der Einsatz eines Hubschraubers des Österreichischen Bundesministeriums für Inneres nicht in Rechnung gestellt. Das Innenministerium bietet seine Hubschraubereinsätze gratis an, weil die Behörden eine gesetzliche Hilfsverpflichtung haben. Das Ministerium fliegt zusätzlich zu den privaten Organisationen - meist wenn es keine Verletzten gibt. Doch gibt es diese Einsätze auf Kosten der österreichischen Steuerzahler häufig. Im vergangenen Jahr wurden rund 350 Einsätze mit 345 Stunden geflogen - bei Stundenkosten von 2500 Euro.

Für die Österreichische Bergrettung war die Rettungsaktion der beiden Sachsen nicht spektakulär. Bei aufwendigen Einsätzen mit mehr als hundert Stunden sind meist mehrere Dutzend Helfer unterwegs. Eine Suchaktion nach vermissten Alpinisten schlägt durchschnittlich mit 2000 bis 5000 Euro zu Buche. Ein Hubschraubereinsatz sei nicht unter 2500 Euro zu haben, heißt es. Fünfstellige Eurobeträge kann das Lostreten einer Lawine kosten.

In Fall der im Pinzgau geborgenen Studenten aus Sachsen ist zumindest einer der beiden beim Deutschen Alpenverein (DAV), der Zweite wusste zum Zeitpunkt der Rettung nicht, ob er versichert ist. Für ihn könnte es entsprechend teuer werden. Eine Versicherung vor einem Skiurlaub oder Bergtouren generell empfiehlt sich also. Über Mitgliedschaften bei Alpinvereinen ist sie meist eingeschlossen.

Bewusstsein der Touristen ist gestiegen

Franz Lindenberg, der Präsident der Österreichischen Bergrettung, wirbt für eine Mitgliedschaft in der Bergrettung, die auch Bergeleistungen abdeckt. „Ein Familienvater zahlt 22 Euro im Jahr und ist für die ganze Familie im Falle einer Bergung bis zu 15.000 Euro versichert.“

Das Bewusstsein der Touristen für solche Absicherungen dürfte in den zurückliegenden Jahren gestiegen sein. Der Großteil derer, die einen Unfall erleiden, hat einen Versicherungsschutz, berichtet Lindenberg. Im Jahr 2011 gab es rund 7000 Einsätze, rund die Hälfte davon entfallen auf Ausländer und damit viele Deutsche: Sie sind die wichtigste Gruppe unter ausländischen Touristen. Verletzte gab es beinahe 5000, dazu 160 Tote. Es wurden 64.835 Einsatzstunden geleistet, womit theoretisch jeder Bergretter auf mehr als fünf Stunden kam.

Freiwillige setzen Leben aufs Spiel

Die Bergretter selbst bekommen für ihre Einsätze keine Vergütung, wenngleich sie dafür ihr Leben riskieren. Die Gebühren, die sie verrechnen, werden für Einsatzgeräte und Ausrüstung verwendet. Für ihre Bekleidung müssen sie selbst aufkommen. Das ärgert viele der ehrenamtlichen Helfer. Denn Österreich ist ein Tourismusland. Der Fremdenverkehr mit starker Ausrichtung auf das Alpine trägt rund ein Zehntel zum Bruttoinlandsprodukt bei. Entsprechend müsste die Regierung Interesse an einer effizienten Bergrettung haben. Georg Hundegger, Bundesfinanzreferent, mokiert sich darüber, dass die Feuerwehr entsprechend vom Staat ausgestattet würde. Zwar seien die alpinen Helfer keine Hungerleider. „Wir haben uns schon weiterentwickelt von einem notleidenden Verein zu einer Organisation, die grundlegende Leistungen abdecken kann.“ Aber die Versicherung für die ehrenamtlichen Helfer können sie aus den Gebühren nicht abdecken.

Etwa ein Drittel ihres Budgets kommt von fördernden Mitgliedern, ein Drittel von der öffentlichen Hand, der Rest sind Bergekosten und Spenden. Hundegger hofft, dass die Republik Österreich den Bergrettern mehr entgegenkommt, finanziell aber auch mit arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen. Denn nicht jeder Arbeitgeber akzeptiert, wenn ein Bergretter zu einer Suchaktion ausrückt. Oftmals nehmen sich die Bergretter aus Idealismus dann Urlaub. Er hielte es für einen Fortschritt, wenn Versicherungszeiten für die Einsätze später angerechnet würden in der Rente. Immerhin setzen die Freiwilligen ihr Leben aufs Spiel, um häufig unvorsichtige Alpinisten zu retten.

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