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Veröffentlicht: 21.01.2013, 13:07 Uhr

Kein „Oma-Export“ nach Osteuropa Der Deutsche lässt nur ungern im Ausland pflegen

Neue Zahlen der privaten und gesetzlichen Pflegekassen können die These vom „Oma-Export“ nach Osteuropa nicht belegen. Und wer darüber nachdenkt, Angehörige im Ausland pflegen zu lassen, sollte aufpassen: Für Sachleistungen kommt die Pflegeversicherung im Ausland nicht auf.

von , Berlin
© dapd Im Ausland trägt der Patient die Kosten des Pflegeheims selbst

Die Zahl der Pflegepatienten in Deutschland wird immer größer, doch nur sehr wenige Menschen lassen sich im Alter im Ausland pflegen. Deren Anteil bewegt sich ohne große Ausschläge im Promillebereich. Das zeigen unveröffentlichte Zahlen des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbands der Krankenkassen (MDS).

Andreas Mihm Folgen:

Demnach schauten die Gutachter letztes Jahr in 1164 Fällen im europäischen Ausland - nur dorthin überweist die Pflegekasse Geld - nach, ob die Voraussetzungen für die erstmals beantragte Leistung der Versicherung vorlagen. Bundesweit lag die Zahl der Erstprüfungen 700 Mal so hoch: 770.000. Noch auffälliger ist das Zahlenverhältnis, wenn man alle Prüfungen, also auch Zweit- oder Drittbegutachtungen vergleicht. Das waren 1885 im Ausland, verglichen mit knapp 1,5 Millionen bundesweit. Das sind 0,13 Prozent. Die Zahl hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert.

Keine Kenntnisse über Empfänger im Ausland

Nicht nur diese eindeutigen Zahlen lassen Uwe Brucker vom MDS an der einträglichen These vom „Oma-Export“ in preiswerte Heime Osteuropas zweifeln, die vor einigen Wochen in deutschen Medien hohe Wellen schlug. Es sind auch nicht nur Deutsche, die im Ausland Leistungen der deutschen Sozialversicherung beziehen. Darunter seien oft Arbeitsmigranten, früher sagte man Gastarbeiter, die im Alter in ihr Geburtsland zurückgekehrt seien und nun die ihnen zustehenden Leistungen auch aus der Pflegeversicherung anmeldeten, weiß Brucker aus Erfahrung. Genaue Zahlen gebe die Statistik leider nicht her.

Ebenso wenig wissen die meisten Pflegekassen oder ihre Spitzenverbände, an wie viele Empfänger im Ausland sie Pflegegeld überweisen. Das wird nur innerhalb der EU sowie in Norwegen, Island und der Schweiz ausgezahlt. Das Gesundheitsministerium schätzt die Zahl der Bezieher auf 5000. Es könnten aber auch erheblich weniger sein. Das Statistische Bundesamt zählte 2005 weniger als 900.

Infografik / Pflegeplatz im Ausland © F.A.Z. Vergrößern

Die Techniker Krankenkasse (TK), die jeden Zehnten versichert, weiß von 200 Pflegegeldbeziehern unter ihren Kunden im Ausland. Die Ortskrankenkassen, die rund ein Drittel der gesetzlich Krankenversicherten haben, hatten 2006 einmal 1065 Pflegeldbezieher im Ausland aus ihren Reihen gezählt - kaum messbare Zahlen im Vergleich zu jenen fast 2,5 Millionen, die das Gesundheitsministerium als Bezieher von Pflegeleistungen ausweist.

Die private Pflegeversicherung kann den in Zeitungen und Fernsehen behaupteten Trend zu Auslandspflege nicht bestätigen. „Aus unseren Zahlen können wir keinen Trend ablesen, wonach Leute im Alter ins Ausland gehen oder gebracht werden, um sich dort pflegen zu lassen“, sagt Stefanie Abram von Medicproof. Die Kölner Firma prüft die Anträge Privatversicherter im Auftrag der Privaten Krankenversicherung.

Kein „Oma-Export“ ins billige Osteuropa

In den vergangenen 5 Jahren hat Medicproof 1113 Mal Pflegepatienten im Ausland begutachtet, das sind gut 200 im Jahr. Die meisten Prüfungen wurden in Österreich, Spanien, der Schweiz, Frankreich und Belgien vorgenommen. In ganz Osteuropa wurden in den vergangenen 5 Jahren so oft Pflegebedürftigkeit bei privat Versicherten festgestellt wie in Belgien - nämlich 51 Mal.

Wenn Menschen aus Deutschland mit pflegebedürftigen Angehörigen ins Ausland zögen, dann habe das „fast immer einen familiären Hintergrund“, sagt Abram. Sie kennt Einzelschicksale. Die Ärztin hat Pflegeprüfungen in halb Europa selbst vorgenommen. Da ist die Polin, die ihren pflegebedürftigen deutschen Mann lieber im Umfeld der Familie in Polen pflegen will, „auch weil es billiger ist“. Da ist der Deutsche, der in Estland eine Firma und eine neues Zuhause aufgebaut hat und nun, wo er ein Pflegefall geworden ist, auch dort bleiben will. Oder die in die Jahre gekommene Griechin, die es mit ihrem pflegebedürftigen Mann in die Heimat zur Schwester zieht, nachdem ihr Mann der Schlag getroffen hatte.

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