Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, 64, hat einen neuen Spitznamen: „Talk Joe“, nennen sie ihn neuerdings. „Talk Joe“, nur einen Zischlaut entfernt von „Talk Show“, dank der regen Vortragstätigkeit, die er als Pensionär entfaltet: Da ein TV-Auftritt, hier eine Rede oder wie am Donnerstagabend in Zürich ein „Bilanz-Business Talk“ mit einem Spitzenpolitiker, in dem Fall mit Christoph Blocher (an diesem Sonntag als Aufzeichnung im Schweizer Fernsehen zu sehen).
Immer sind die Säle voll. Drei Auftritte pro Tag würden die Anfragen angeblich hergeben. Das Pensum schafft nicht mal ein Ackermann. Thematisch behandelt der Schweizer meist Europa, sein Herzensthema, ferner die große weite Welt.
Nur wenn es sich anbietet, haut er mit knallhartem Charme die ein oder andere Bosheit gegen die Nachfolger raus. Das Honorar ist es jedenfalls nicht, das den Mann auf die Podien treibt: Ackermann hat seine Millionen, er macht nicht den Steinbrück. Nein, Ackermann bespielt die Bühne auch aus der Furcht, vergessen zu werden.
Der Posten als Verwaltungsratspräsident der Zürich Versicherung, obschon aufwendiger als der Vorsitz in einem deutschen Aufsichtsrat, füllt ihn offenbar nicht aus; so wenig wie das ein oder andere zusätzliche Mandat: Da ginge mehr. „Josef Ackermann, immer noch wohlgelitten in der Schweiz, macht hier eine richtige Tournee“, sagt Marc Kowalsky, stellvertretender Chefredakteur des Magazins „Bilanz“ und Präsident des Clubs der Züricher Wirtschaftsjournalisten, „ganz so als wollte er sagen: Ich bin zurück. Vielleicht auch: Ich wäre für den ein oder anderen Posten noch zu haben.“
Er war der ungekrönte Prinz
Carsten Berg (Carberg)
- 05.12.2012, 16:08 Uhr
Es geht ihm wohl weniger um das "NICHT-VERGESSEN-WERDEN", als
um die Tatsache dass man
Melita Zimmermann (melitaz)
- 02.12.2012, 13:37 Uhr
