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Im Porträt: Mitt Romney Der Rauswerfer

 ·  Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney stärkt mit markigen Sprüchen seine Gegner. Eine glatt geschliffene Rhetorik ist seine Sache nicht - aber immerhin gewinnt sein Wahlkampf mit der Aufregung ein wenig Würze.

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© dapd Mitt Romney

Diese Kritik kommt aus unerwarteter Ecke. „Ich mag es, wenn ich Menschen feuern kann, die mir Dienste leisten“, hatte Mitt Romney, der Kandidat für die Präsidentschaftskandidatur der amerikanischen Republikaner, in einer Wahlveranstaltung gesagt. Nun fallen nicht nur die Demokraten, sondern auch seine Konkurrenten um die Kandidatenkrone über ihn her. „Gouverneur Romney genießt es, Leute zu feuern. Ich genieße es, Stellen zu schaffen“, sagt John Huntsmann, der frühere Gouverneur von Utah. Newt Gingrich, der ehemalige Sprecher des Abgeordnetenhauses, zieht darüber her, dass Romney früher Unternehmen „ausgeplündert“ habe.

Gemein ist diesen republikanischen Kritikern, dass sie dringend Vorwahlerfolge brauchen, um ihre Bewerbung im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur aufrechtzuerhalten. Das erklärt die scharfe Kritik an Romney. Nach seinem hauchdünnen Sieg in Iowa hat Romney die Vorwahl im Bundesstaat New Hampshire mit großer Mehrheit gewonnen.

Immerhin ein wenig Würze

Mit dem Zitat bestätigte Romney abermals, dass eine glatt geschliffene Rhetorik seine Sache nicht ist. Die Vorliebe für Entlassungen meinte der frühere Unternehmenslenker von Bain Capital, einer privaten Beteiligungsgesellschaft, natürlich in einem besonderen Sinn: Romney mag es, zwischen privaten Gesundheitsversicherungen auswählen zu können, anstatt auf staatlich vorgegebene Lösungen zu setzen. Diese Freiheit will er als Präsident auch allen Amerikanern verschaffen. In diesem Zusammenhang fiel das Zitat, dass er gerne Leute feuere - die Mitarbeiter einer schlechten Krankenversicherung. Solche erklärenden Feinheiten erreichen im medial überhitzten Amerika freilich kaum die Hauptnachrichtensendungen.

Der Wahlkampf von Romney gewinnt mit der Aufregung immerhin ein wenig Würze. Wie in seinem vergeblichen Anlauf zur Präsidentschaftskandidatur vor vier Jahren kommt Romney immer noch ein wenig eckig und hölzern daher. Der Mormone, der seit 1969 mit einer Frau verheiratet ist und fünf Söhne hat, gilt als grundsolide, aber farblos.

Als Missionar in Frankreich

Wirtschaft und Politik hat er von klein auf gelernt. Sein Vater, George Romney, arbeitete sich zum Vorstandsvorsitzenden von American Motor hoch, wurde dann Gouverneur von Michigan und Kabinettsmitglied in der Regierung von Richard Nixon. Der Sohn Romney studierte zunächst in Utah und ging für zwei Jahre als Missionar nach Frankreich.

Mit dem Abschluss in Jura und Betriebswirtschaftslehre an der Eliteuniversität Harvard folgte eine Karriere als Unternehmensberater bei Boston Consulting Group und dann Bain & Company. 1984 gründete er mit anderen Partnern Bain Capital, eine private Beteiligungsgesellschaft (private equity), die angeschlagene Unternehmen aufkaufte und sanierte. Bain Capital finanzierte oder rettete bekannte Unternehmen wie die Büromaterialkette Staples oder Domino’s Pizza. 1999 verließ er die Branche, um die Organisation der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City auf Vordermann zu bringen. Dann wechselte er in die Politik und war von 2003 bis 2007 Gouverneur von Massachusetts, wo er den Staatshaushalt sanierte.

Auf diesem Erfahrungskapital baut Romneys Wahlkampf auf. Er präsentiert sich als der Einzige unter den Anwärtern auf die Präsidentschaftskandidatur, der jahrelang Erfahrung in der Privatwirtschaft habe. 100.000 Stellen habe er mit seiner Arbeit in der Beteiligungsbranche, die in Deutschland als „Heuschrecken-Branche“ bekannt ist, geschaffen. Doch die Leistung des wohlhabenden Politiker-Unternehmers, der Bain Capital zu finanziellen Erfolgen führte, wendet sich nun gegen ihn.

Die Demokraten und auch manche der Parteifreunde kritisieren, dass bei den Sanierungen auch Arbeitsplätze verlorengingen. Die Zeitung Wall Street Journal kam in einer Untersuchung zum Schluss, dass 22 Prozent von 77 Unternehmen, in die Bain Capital während der Romney-Jahre investierte, acht Jahre später sich im Konkurs sanierten oder pleite waren.

„Unternehmen sind Menschen“

Vor diesem Hintergrund zündet die Empörung über die Zitate des Herrn Romney. Schon im vergangenen August erregte er in einer hitzigen Debatte auf der Iowa State Fair Aufsehen mit dem Satz „Unternehmen sind Menschen“. Auch das hört sich bizarr an, aber es trifft den Kern: Alle Einkommen, die Unternehmen erwirtschaften, flössen letztlich Menschen zu, argumentierte Romney. Die Aufregung über seine Zitate kann seiner Kandidatenkür nutzen, weil sie sein wirtschaftsliberales Profil schärft. Viele Republikaner halten Romney für zu modern. Die Gesundheitsreform, die er in Massachusetts unterzeichnete, ähnelt der unter Republikanern verhassten „Obama-Care“.

Seine Pläne für Steuersenkungen gehen bei weitem nicht so weit wie die seiner parteiinternen Konkurrenten. Selbst die Einführung einer Mehrwertsteuer auf Bundesebene schließt er nicht aus. Die moderate Linie erregt im republikanischen Lager Misstrauen. Sie könnte sich aber auszahlen, sollte Romney im Herbst mit Amtsinhaber Obama um die Stimmen der politisch moderaten Mittelschicht buhlen.

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Jahrgang 1965, Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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