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Im Gespräch: Melinda Gates „Wem viel gegeben wird, von dem wird auch viel erwartet“

Melinda Gates ist die größte Wohltäterin der Welt. Mit ihrem Mann Bill hat sie Milliarden Dollar ausgegeben gegen Armut und Krankheiten. Ein Gespräch über Renditeziele für gute Taten, ihre Ehe und das iPod-Verbot für ihre Kinder.

© Julia Zimmermann Melinda Gates

Frau Gates, Sie und Ihr Mann Bill sind die größten Wohltäter der Welt. Wie viel Geld hat Ihre Stiftung bisher investiert?

Etwa 25 Milliarden Dollar seit der Gründung 1994.

Was macht mehr Spaß, Geld zu verdienen oder Geld zu spenden?

Beides auf seine Weise. Ich habe neun Jahre bei Microsoft gearbeitet, habe dort Karriere gemacht und Bill kennengelernt, das war eine tolle Zeit. Aber was Bill und ich jetzt mit unserer Stiftung machen, ist spannender. Wenn man, wie ich, dreimal im Jahr in Entwicklungsländern unterwegs ist, lernt man jeden Tag dazu: Genau zu beobachten, zuzuhören, und man lernt Demut.

Und was ist schwieriger?

Ganz klar: Das Geld sinnvoll einzusetzen. Wir engagieren uns stark in den Bereichen Armut und Gesundheit, bekämpfen die tödlichen Krankheiten Malaria, Polio, HIV und Tuberkulose. Wir wollen da konkrete Ergebnisse sehen. Genau wie in der Wirtschaft, aber leider dauert es hier viel länger, bis man brauchbare Resultate in der Hand hält und merkt, ob man auf dem richtigen Weg ist.

Microsoft spürt schneller, wenn man eine Neuheit verschläft?

Dort haben Sie Wettbewerb und bekommen ein direktes Feedback vom Markt. Hast du die richtigen Produkte, dann verkaufst du sie. Hast du sie nicht, straft der Markt dich sofort ab, zumindest in der Computer-Branche, aus der Bill und ich kommen.

The Boston Globe Mit Präsident Barack Obama auf Schulbesuch in Boston © Getty Images Bilderstrecke 

Sie hatten am Schluss bei Microsoft die Verantwortung über 300 Angestellte ...

Ich war General Manager für Multimedia-Produkte wie Microsoft Bob und Expedia.

Trotzdem haben Sie nach der Geburt Ihrer ersten Tochter dort aufgehört. Wollten Sie nicht mehr als Mrs. Gates arbeiten oder warum?

Bill und ich wollten eine Familie und haben entschieden, dass ich mich erst einmal um die Kinder kümmere. Außerdem hatten wir zwei Jahre zuvor beschlossen, dass wir das Vermögen, das wir Microsoft verdanken, an die Gesellschaft zurückgeben. Deshalb hatten wir die Stiftung gegründet.

Da waren Sie gerade 29 Jahre alt. Wie kommt man auf so eine Idee?

Wir stammen beide aus Familien, die Wert darauf legen, dass man der Gesellschaft etwas zurückgibt. Bei unserer Hochzeit auf Hawaii saßen wir zum Tee zusammen und hatten unsere Mütter gebeten, etwas vorzutragen. Bills Mutter also verlas einen Brief an uns, in dem sie geschrieben hatte: „Denkt immer daran: Wem viel gegeben wird im Leben, von dem wird auch viel erwartet.“

Für Sie bedeutete das: Als reichstes Paar der Welt bauen Sie die größte private Stiftung der Welt auf?

Für uns bedeutete das, mit vielen anderen Partnern zusammen den Kampf gegen die Armut aufzunehmen. Von Anfang an wollten Bill und ich etwas dagegen tun, dass die Lebensbedingungen in vielen Regionen der Welt so unvorstellbar schlecht sind. Unsere Hochzeitsreise nach Afrika hat uns die Augen geöffnet.

Sie haben Ihre Hochzeitsreise als Exkursion ins Elend geplant?

Nein, wir haben Freunde zu einer Safari-Tour eingeladen, was toll war, die Landschaft, die Tiere, wir hatten viel Spaß. Aber wir sind mit den Jeeps durch Ortschaften in Zaire gefahren, wo alle Läden geschlossen waren, wo die Frauen barfuß liefen und schwere Kisten schleppten und Kinder, eins vorn und eins auf dem Rücken. Da haben wir gesagt: Dagegen müssen wir etwas tun.

Wo fängt man da an?

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